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Das iſt alſo der Sittenzuſtand, der ſich aus der „civiliſirenden Anſtalt der Selaverei“ entwickelt! Iſt es denkbar, als das dieſes Pflanzers, alſo eines Fürſprechers der Selaverei?
Ja, die ſchrecklichen Folgen der Selaverei traten bald in der Familie des Gaſtfreundes des Herrn Kirke ſelbſt zu Tage. Derſelbe hatte nänlich ſeit ſeiner erſten Jugend ein Mädchen geliebt, welches ſo weiß war, daß Herrn Kirke nicht in den Sinn kam, ſie könne eine Sclavin ſein. Sie war die Toch⸗ ter eines frühern Gouverneurs von Virginien von einer Quadronin, das heißt einer Frau, welche drei viertel Theile weißes und ein viertel Theil ſchwarzes Blut in ihren Adern hatte. Die Tochter ſelbſt war alſo eine Octorone, das heißt, hatte ſieben Achtel weißes und ein Achtel ſchwarzes Blut. war zwar als Sclavin geboren, wurde aber als die Tochter ihres Vaters anerkannt und in deſſen Familie zugleich mit deſſen geſetzlichen Kindern auferzogen. Als ſie zehn Jahre alt war, ſtarb ihr Vater, und da deſſen Vermögen überſchuldet war, wurden Land und Neger öffentlich verſteigert. Da ſeine Tochter niemals frei gelaſſen war, wurde ſie in das Güterverzeichniß auf— genommen und mit ſeinem übrigen Eigenthum ver⸗ kauft. Der Gaſtfreund des Herrn Kirke, welcher da⸗ mals gerade volljährig geworden und ein junger Mann von Vermögen war, kaufte ſie und brachte ſie in die Wohnung ſeiner Mutter in Charleston. Eine Er⸗ zieherin wurde für ſie angeſtellt, und ein oder zwei Jahre nachher wurde ſie nach dem Norden gebracht, um dort erzogen zu werden. Dort wurde ſie oft von dem Oberſten— dieſes war der Gaſtfreund— be⸗ ſucht, und als ſie fünfzehn Jahre alt war, machte ſich's nöthig, daß ſie nach dem Süden zurückkehrte. Der Oberſt brachte ſie auf ſeine Pflanzung, wo ſie ihm ſeinen älteſten Sohn, David, ſchenkte. Als das
Sie
Kind zwei Jahre alt war, begleitete ſie den Oberſten
nach Europa, und Beide blieben dort ein Jahr zu⸗ ſammen. Nachher brachte ſie noch ein Jahr in einer nördlichen Erziehungsanſtalt zu, kehrte darauf nach der Pflanzung zurück, wo ſie als anerkannte Geliebte des Oberſten lebte und an der Spitze ſeines Haus⸗ halts ſtand. Sie war milde und gut gegen die Ne⸗ ger, die ihr ſehr anhänglich warrn, und trug viel zu dem wachjenden Wohlſtande des Oberſten bei.
Sechs Jahre nach der Geburt ſeines erſten Soh⸗ nes verheirathete ſich der Oberſt. Seine Gattin hatte volle Kenntniſſe von ſeiner Ehe zur linken Hand mit Frau B. und gab ihre Einwilligung, daß die Sclavin als ſeine Geliebte auf der Pflanzung bleiben ſollte. Die geſetzliche Frau wohnte den größten Theil
ihr ein vernichtenderes Urtheil zu ſprechen,
Novellen⸗
Zeitung.
des Jahres in Charleston, und wenn ſie nach der Pflanzung kam, bekümmerte ſie ſich wenig um häus⸗ liche Angelegenheiten.
Bei einem ihrer Beſuche auf der Pflanzung ge— bar ſie eine Tochter, und innerhalb derſelben Woche und unter demſelben Dache ſchenkte Frau B. dem Oberſten einen Sohn, der den Namen Thomas erhielt. Da die Mutter eine Sclavin, waren die Kinder bei ihrer Geburt noch Sclaven. Sie wurden frei gelaſ⸗ ſen, die Mutter, weiß der Himmel warum? nicht.
Derartige Heirathen zur linken Hand ſind ſehr häufig im Süden. Neben einander hat der Vater zwei Reihen von Kindern, die einen frei, die andern als Seclaven geboren. Meiſtentheils wohnen ſie aber nicht unter demſelben Dache.
Dieſe Fälle einer eigentlichen Bigamie ſind übri— gens durchaus nicht die anſtößigſten, welche im Sü⸗ den vorzukommen pflegen. Der gewöhnliche Fall iſt derjenige einer theils gleichzeitigen, theils aufeinan⸗ derfolgenden Vielweiberei ohne Zahl.
Wie endigte aber das Verhältniß des Dherſten zu ſeiner Frau zur linken Hand?
Der Oberſt trat in die Armee, der Südländer und fiel in der Schlacht bei Roanoke, ohne einen letzten Willen zu hinterlaſſen. Frau B. war alſo noch Sclavin und ſollte mit dem übrigen perſönlichen Ver⸗ mögen des Oberſten öffentlich verſteigert werden. Ein Nachbar, welchem Frau B. während der langen Zeit ihres Aufenthalts auf der Plantage manchen Freund⸗ ſchaftsdienſt erwieſen hatte, und welcher es gut mit ihr meinte, gedachte ſie zu erſtehen und dadurch vor dem Schickſal zu bewahren als gewöhnliche Sclavin in die Hände irgend eines elenden Menſchen zu fallen.
Ihre beiden Söhne waren nach Deutſchland ge⸗ ſchickt worden, um dort erzogen zu werden und in unſerm Vaterlande, wo keine Vorurtheile gegen ein ſechszehntel Theil ſchwarzen Blutes beſtehen, ſich eine Exiſtenz zu gründen, an welcher die Selaverei mit ihren giftigen Zähnen nicht nagen könne.
So ſtanden dieſe ſchwebenden Familienangelegen⸗ heiten, als Herr Kirke ſeine Nachrichten ſchloß.
Es kommt wenig darauf an, was aus dieſem einzelnen Fall geworden und ob es möglich geweſen iſt, die unglückliche Frau als Opfer jener demorali⸗ ſirten Verhältniſſe und Geſetze zu retten. Wohl aber hat man hier Thatſachen vor ſich, welche ſchon als ſolche intereſſant ſind, welche aber doppelt intereſſant
werden, da ſie erſtens Licht geben über die berech⸗
tigten Klagen der Moral gegen das ſo oft und heiß vertheidigte Seclaventhum, und da ſie zweitens die Facta mit der Ehe des Oberſten als ein natürliches
Skelet zu einem Roman darſtellen und für jeden
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