Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
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Vierte Folge.

ſeiner begehrt; und was in dieſer Beziehung ſo grell zu Tage tritt, findet ſich auch in allen übrigen Be⸗ ziehungen wieder.

Die Selaverei aber wirkt nicht blos verderblich auf die Sclaven, ſondern in gleichem Maße auch auf die Herren. Wie ſie die einen unfähig macht zum Wider⸗ ſtande gegen äußere Gewalt, macht ſie die andern unfähig zur Beherrſchung ihrer inneren Leidenſchaften.

Die Sclaven können kein Zeugniß ablegen gegen einen Weißen. Es gilt als eine Regel der Klugheit, Klagen derſelben wider die Aufſeher mit Beſtimmt⸗ heit zurückzuweiſen, ohne ſie anzuhören. Die Be⸗ ſitzer großer Pflanzungen erfahren daher nur ſelten, welcher Mittel ſich ihre Aufſeher bedienen, um die Selaven zur Arbeit anzuhalten, und bekümmern ſich in der Regel auch nicht darum, in ſofern nicht außer⸗ ordentliche Ereigniſſe vorfallen. Kaum

venhalters angelangt, ſo fand er einen Anſchlag, in welchem Jedem 250 Dollars verſprochen wurden, wel⸗

cher einen gewiſſen flüchtigen Sclaven, Namens Sam,

zurückbringen würde. Als Kennzeichen deſſelben wur⸗ den angeführt: ein Meſſerſchnitt über der Na⸗ ſenwurzel, eine friſche Wunde von einer

Kugel in dem linken Schenkel und friſche

Spuren von Schlägen auf dem Rücken. Auf

der Pflanzung angelangt, erfuhr Herr Kirke bald, wie

ſich die Sache verhielt. Sam hatte ein hübſches, junges Weib und war eiferſüchtig auf den Selaven⸗ aufſeher Moye geweſen. Zur Strafe dafür band ihn der Aufſeher, wofür alle Vorrichtungen getroffen ſind an einen Pfahl und ſchlug ihn ſo lange, bis Sam faſt todt war, dann legte er ihn in das Gefängniß und gab ihm dort längere Zeit faſt nichts zu eſſen. Seine Mitſclaven ſteckten ihm eine Feile zu, er ent ledigte ſich ſeiner Ketten und nach einem wüthenden Kampfe mit Moye entfloh er nach den Sümpfen. Bei dieſer Gelegenheit erhielt er den Schuß und den Meſſerſchnitt.

In den Sümpfen, welche faſt allerorten im Sü⸗ den in einiger Entfernung von den Pflanzungen zu finden ſind, halten ſich flüchtige Sclaven oft jahrelaug auf; ihre Mitſclaven bringen ihnen heimlich Lebens mittel.

Zwar finden ſich in der Nähe der meiſten Pflan⸗ zungen Bluthunde, welche die Spur eines flüchtigen Sclaven mit voller Sicherheit verfolgen(das Halten ſolcher Hunde bildet im Süden einen regelmäßigen Erwerbszweig!); wenn aber der Weg durch ein Waſſer von einiger Tiefe geht, und der Flüchtling, wie er zu thun pflegt, eine Strecke in dem Waſſer auf⸗ oder abwärts geht, bevor er das Land wieder betritt, ſo

war Herr Kirke auf dem Gebiete eines ihm befreundeten Scla⸗

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verlieren die Hunde die Spur, und dann iſt es ſchwer, den Flüchtling wieder aufzufinden.

Als Herr Kirke auf dem Gute ankam, arbeitete er daran, zwiſchen dem Herrn und dem entlaufenen Secla⸗ ven eine Vermittlung zu verſuchen. Ju der That kam Sam auch zurück. Es wurde dem Herrn ſofort gemeldet. Dieſer begab ſich mit Herrn Kirke nach der Hütte Sam's. Allein der Sclavenaufſeher Moye war ihm zuvorgekommen; der hatte Sam zwei Mal aufgefor⸗ dert, zu ihm herauszukommen, Sam, welcher ein ſcharf geſchliffenes Meſſer vor ſich liegen hatte, wei⸗ gerte ſich deſſen. Im Augenblick, als der Beſitzer mit Herrn Kirke ſich der Hütte näherte, ſahen ſie ein Gewehr losgehen und hörten einen Knall. Moye hatte Sam todtgeſchoſſen. Der Plantagenbeſitzer wurde zwar wüthend gegen Moye, warf ihn zur Erde nieder und hätte ihn faſt todtgeſchlagen, allein der arme Sam konnte dadurch nicht wieder erweckt wer⸗ den. Moye entfloh auf dem beſten Pferde ſeines Herrn, und die arme Witwe Sam's ertränkte ſich in dem nächſten Fluß.

Derſelbe Moye hatte kurz vorher in anderer Weiſe den Tod eines jungen Sclaven herbeigeführt. Er hatte dieſen in eine ſumpfige Gegend, welche na⸗ mentlich für junge Leute, welche noch im Wachſen begriffen ſind, ſehr ungeſund iſt, zur Arbeit geſchickt. Der Knabe magerte ſichtlich ab. Moye kehrte ſich nicht daran, der Beſitzer der Pflanzung war abwe⸗ ſend. Als er zurückkam, war der Knabe ſchon ſo elend geworden, daß er nicht mehr zu retten war. Er ſtarb trotz aller ihm von ſeinen Eltern und Herrn Kirke erwieſenen Pflege.

Bei Gelegenheit des Streites zwiſchen Sam und Moye brachte Herr Kirke das Verbältniß des Letztern zur Frau des Erſtern zur Sprache; der Plantage⸗ veſitzer lachte darüber und ſagte:

Iſt das Alles? Gott behüte! Er hat ſie nicht verführt. Von Verführung kann bei dieſen Weibern gar nicht die Rede ſein. Sam's heftiges Blut war ſchuld an Allem. Sein Vater war der ſtolzeſte Mann in Virginien, und Sam glich ihm ſo ſehr, als ein Neger einem Weißen gleichen kann.

Herr Kirke antwortete:Das Blut kann ſein wie es will, ein ſolcher Unmenſch treibt zur Rache.

Darauf entgegnete der Beſitzer:Ach, mein lieber Mann, Sie kennen dieſe Menſchen nicht. Ich will meine Plantage gegen ein Glas Branntwein wetten, daß nicht ein einziges tugendhaftes Weib mit einem Tropfen ſchwarzen Blutes in ihren Adern in ganz Süd⸗Carolina iſt. Sie ziehen die Weißen vor, und ihre ſchwarzen Männer ertragen es, als ſich von ſelbſt verſtehend.