Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
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entfaltet wird, um das ſich Spaniens beſte Männer, wie auf dem Rütli die Schweizer, zum einigen großen Bunde gegen Tyrannenherrſchaft verſammeln wer⸗ den? Das iſt eine Frage, die gleich mancher anderen der Zeit zur Beantwortung überlaſſen bleiben muß! Gewiß aber iſt es, daß die Cortes, nach ihrer Ver⸗ treibung aus Madrid, unter Leitung des würdigen Cardinales Bourbon, das Actenſtück dort redigirten, welches der Letztere dem König Ferdinand zum Be⸗ ſchwören vorlegte, bevor er von Valencia in ſeine Hauptſtadt einzog. Die Antwort aber, als der Car⸗

dinal, ein Berwandter des königlichen Hauſes, den

Monarchen fußfällig bat, die Conſtitution zu beſchwö⸗

ren, ſie lautete:Daran, mein werther Vetter, habe ich noch nicht gedacht! Von dem Tage aber began⸗ nen die Verbannungen der edelſten Patrioten, und die Beſten endeten ihr dem Vaterlande unter unausſprech⸗ lichen Opfern geweihetes Leben auf dem Schaffot!

Literariſche Briefe van Otto Banck.

Dieſſeit und Jenſeit des Oceans. Von Guſtav Struve. Coburg, Streit'ſche Buchhand⸗

lung. 1864.

Es wird den Leſern frei ſtehn, und nur dann kann dieſes periodiſch erſcheinende Werk, von dem drei Bändchen vorliegen, auf ein größeres Publicum rech⸗ nen, ſich in demſelben mehr an die realiſtiſche,

vertheidigen.

belehrende Seite, als an die theoretiſch raiſonnirende

zu halten. Was die letztere anbelangt, ſo iſt der Verfaſſer als Politiker noch immer ſehr bös, ſtreng und radical⸗reformatoriſch geſtimmt. Wir wollen nicht unterſuchen, wo er den Nagel auf den Kopf trifft und wo er vorbeiſchlägt, wie weit er etwas Haltbares giebt,

oder blos die Gegenpartei ärgert. Laſſen wir dieſe unliebſamen Streitigkeiten ruhen über die ſtaatli⸗ chen und ſtattlichen Zöpfe, die Deutſchland hat und

die man ihm mit der großen Culturſcheere abſchneiden oder zu langen freiwallenden Demokratenhaaren aus⸗ flechten könnte. Jedenfalls iſt das Daſein dieſer Edition ein zopfloſes, unzweideutiges Zeugniß, daß es irgendwo in Deutſchland echte Preßfreiheit giebt,

denn es finden ſich hier beim Waſchen und öffent⸗ lichen Aufdieleinehangen alter und neuer politiſcher Wäſche ſehr ſtarke Laugen und Bleichungsmittel vor, die gleich dem Chlorkalk Farben und Schmutz zuſam⸗ men herausnehmen.

Doch Herr Struve hat ſich nicht blos früher in

len unterſcheiden und die

lichen Bedürfniſſe

macht, ſich geiſtig und ſittlich zu entwickeln.

Novellen⸗Zeitung.

geweſen, und was er über ſeine dortigen vielfachen Erfahrungen und über die Zuſtände jenes Landes ſchreibt, möchte größeres Intereſſe haben, als die zum großen Theile nicht neuen Relationen über unſer Vaterland.

Wir wollen hier, in den Vordergrund zu ziehen, gleich einen wichtigen Punkt hervorheben.

Ueber die Verhältniſſe der Sclaverei in Amerika, die direct oder indirect den Anſtoß zu dem noch im mer unabſehbaren furchtbarſten aller Bruderkriege gegeben hat, führt Herr Struve ein ausgezeichnetes Werk eines gewiſſen Kirke an, der vorurtheilslos zu ſein ſcheint und doch wieder recht ſehr jener großen Partei widerſpricht, welche das Loos der Sclaven Es bleibt auch auffallend, daß faſt alle in Amerika lebende Deutſche, unter denen ſich gewiß ſehr praktiſch kühle Verſtandesnaturen befinden, die ihr Urtheil nicht von Herzensgefühlen überrumpeln laſſen, ich ſage, es bleibt auffallend, daß faſt alle in Amerika lebende Deutſche zu den ſtrengſten Geg⸗ nern der Sclaverei gehören. Viele waren lange im Süden, haben die Verhältniſſe ſehr praktiſch kennen gelernt, warum ſind ſie ſo heftig gegen das Trei ben der ariſtokratiſchen Pflanzer eingenommen? Soll⸗ ten ſie nur nach dem oberflächlichen Schein richten? Es wäre ſo keck als ebenfalls oberflächlich, wenn man dies annehmen wollte.

Herr Kirke iſt der Anſicht, daß der Neger, welcher friſch von Afrika ankommt, intelligenter und kräftiger iſt, als der gewöhnliche in dem Schooße der Selaverei geborene Neger.

Das Loos der Selaven iſt unter allen Verhält⸗ niſſen ein herabwürdigendes, ein entſittlichendes. Es iſt nur ein Beweis der haarſträubenden Frechheit der Sclavenhalter und ihres Anhanges, wenn ſie zu be haupten wagen, die Sclaverei ſei das Mittel, Afrika zu civiliſiren. Selbſt wenn der Herr für die körper⸗ ſeines Sclaven gute Sorge trägt, ſelbſt wenn er dieſen freundlich behandelt, bleibt der Unglückliche immer der Gefahr ausgeſetzt, durch die Ungunſt der Verhältniſſe in die Gewalt eines geizigen und grauſamen Herrn zu kommen. Aber auch abge⸗ ſehn hiervon, iſt es dem Seclaven faſt unmöglich ge⸗ Es iſt bei ſtrengen Strafen verboten, ſie leſen und ſchreiben zu lehren. Auf den Ungehorſam ſtehen ſo ſchwere Strafen, daß der Seclave ſich unmöglich entwickeln, das heißt zwiſchen erlaubten und unerlaubten Befeh⸗ letztern zurückweiſen kann. Die Selavin kann nicht auf weibliche Tugend halten;

Deutſchland bewegt, er iſt auch lange Zeit in Amerika der Sclave kann nicht widerſtehen, wenn die Herrin

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