Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
436
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men Nachricht danken? Viel Unglück und Jammer leſe ich aus dieſen Linien; eine Himmelsgabe wird Euer Kind über Glück und Ruhm in das Verder⸗ ben führen, Euch, arme Eltern, aber in Verzweiflung.

Die beiden Landleute ſtarrten ſich erſchrocken an, und Liſe zog ihr Kind krampfhaft an die Mutterbruſt, als wollte ſie ihm da eine Freiſtatt gegen das Un⸗ glück gewähren. Als ſie ſich aber umwandte, um noch eine Frage an die Prophetin zu ſtellen, war dieſe verſchwunden.

Sie mußte eiligen Schrittes das Dorf verlaſſen haben.

Der Graf von Brenken, einer der erſten Adeligen des Landes und ein hochangeſehener Mann bei Hofe, war geſtorben, ploͤtzlich und unerwartet noch in den beſten Mannesjahren. Das alte, ruhmvolle Geſchlecht war jetzt nur noch auf zwei Augen geſtellt, und die⸗ ſer einzige Sproſſe, der Sohn des Verſtorbenen, weilte beim Tode ſeines Vaters in Italien und durchſtreifte mit einem Jugendfreunde, Baron von Löwen, dieſes ſchöne Land- Man hatte ja den Tod des kräftigen Mannes, der kaum erſt Fünfziger geworden war, nicht erwarten können er ſelbſt hatte am wenigſten daran

gedacht, und deßhalb ſeinem Sohne mit Vergnügen

eine Reiſe geſtattet, welche er früher, in Begleitung einer jungen, längſt dahingeſchiedenen Gattin, ſelber einmal gemacht hatte, und zwar noch ehe die ver⸗ ſchiedenen Eiſenbahnſtrecken die Verbindung erleichter⸗ ten, wie jetzt, wo Oskar von Brenken ſeine Reiſe unternahm.

Er war zweinndzwanzig Jahre alt, hatte noch

wenig Hofluft genoſſen, wohl aber die friſchere und Sache völlig klar gemacht hatte.

geſündere Sphäre einer mitteldeutſchen Univerſitäts⸗ ſtadt, und hatte noch keinen jener Jugendträume ein⸗ gebüßt, welche diejenigen jungen Leute faſt immer hegen und jahrelang bis zur ſchmerzlichſten Ernüch⸗ terung pflegen, welche ein offenes Herz für Kunſt und Schönheit und ein zartbeſaitetes Gemüth mit in die Welt bringen.

Oskar von Brenken war eine ſenſitive Natur, ein edler Schwärmer, mit den hochherzigſten Ideen für eine allgemeine Menſchenbeglückung erfüllt, ohne bis jetzt Gelegenheit gefunden zu haben, ſolche in das Werk zu ſetzen.

Sein Vater hatte dieſe Schwärmerei belächelt, ohne ihr zu wehren. Er wollte nicht vorzeitig Blü⸗ then des Jünglingsherzens brechen, die doch verblühen müſſen und eine Frucht praktiſcher Erkenntniß treiben, welche mit den Jahren reift und den Jüngling zum rechten Manne macht. Aber gebrochene Blüthen treiben keine Frucht, und arm und kahl, einſam, ſchau⸗

Novellen⸗Zeitung.

rig ſteht derjenige im Leben, dem die Ideale ſeiner Jugend mit gewaltſamer Hand geraubt wurden.

Das wußte Graf Brenken, und er liebte ſeinen Sohn. Obgleich dieſer beſtimmt und durch ſeine hohe Geburt dazu berechtigt war, einmal eine der erſten Rollen an dem Königshofe zu ſpielen, ſo erzog ihn der Vater doch nicht nach höfiſchen Schablonen. Er war ſelbſt nie Speichellecker und Schranze geweſen, und ſein Sohn ſollte ebenfalls ein rechter Mann werden. Deßhalb ließ er ihn gewähren und geſtattete ihm, ohne die Verwunderung des hohen Adels zu be⸗ achten, ein freies Studienleben, welches Oskar wohl benutzte, und ſeine Schwärmerei für Kunſt und alles Schöne, welche man bei Hofe freilich vornehm belä⸗ cheln durfte, die aber den jungen Grafen und ſeinen gleichgeſtimmten und doch ſo ganz anders gearteten Freund nach Italien zogen.

Graf Brenken hatte mit Vergnügen die Reiſe geſtattet und dem zwei Jahre ältern, aber wenig ver⸗ mögenden Baron Löwen ein Reiſeſtipendium bewilligt, damit er ſeinen Sohn begleite.

Rudolph von Löwen war eine ernſte, praktiſche Natur, die Alles, wofür ſie ſich intereſſirte, mit war⸗ mer Liebe und Begeiſterung, aber ohne Schwärmerei aufgriff und ihm treu anhing. Er hatte einen ſchär⸗ fern Blick und ausgezeichnetern Verſtand als Brenken; während dieſer immer das Gemüth herrſchen ließ und

nur zu oft Thörichtes unternahm, wenn es ihm Her⸗

zensſache war, ließ Löwen ſtets den Verſtand zuerſt ſprechen und ſtellte deſſen Stimme höher, als die des Herzens. Brenken handelte oft im Antriebe unkla⸗ ren Empfindens; das that Löwen niemals; er han⸗ delte erſt dann, wenn ihm verſtändiges Erkennen die

Graf Brenken hatte dieſe Eigenſchaften ſeines Sohnes und deſſen Freundes recht wohl erkannt und war zufrieden, daß die Beiden Reiſegefährten waren. Oskar liebte den Freund mit jugendlicher Schwär⸗ merei, und wurde von dieſem nicht minder, nur we⸗ niger excentriſch geliebt, und ſo ließ ſich erwarten, daß der verſtändige Löwen heilſamen Einfluß auf den leicht erregbaren, ſchnell und unbedacht handelnden Freund üben würde.

Es war auch ſo gekommen. Die beiden Freunde hatten eine höchſt genußreiche Reiſe gemacht und be⸗ fanden ſich zum zweiten Mal in Rom, als die Nach⸗ richt vom Tode des Grafen Brenken ſie erreichte und in die Heimath zurückrief.

Oskar wurde durch den Verluſt furchtbar erſchüt⸗ tert. Er hatte in einer glücklichen Jugend den Schmerz noch nicht kennen gelernt, denn als die Mutter ſtarb, vermochte der Knabe ſolchen Verluſt noch nicht zu

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