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Es iſt ein Fortſchritt des Taktes der Sittlichkeit, daß ſie nach und nach außer Gebrauch kommen und man die Todten mit der ſtillen Würde begräbt, die dabei ſchicklich iſt. 6.
Scharfſinn des Wolfes.
Colonel W. Campbell erzählt in ſeinem Werke„My Indian Journal“ unter vielem Intereſſanten auch Folgendes:
„Ich erforſchte wie gewöhnlich bei Tagesanbruch mit meinem Fernrohr den Horizont, um zu ſehen, ob irgend ein Wild in Sicht ſei, und hatte eine kleine Heerde Antilopen entdeckt, welche auf einem Felde weidete, von dem die Ernte kürzlich eingebracht worden war, und ſtand eben im Begriff, das Glas von meinem Auge zurückzuziehen, um den Grund und Boden zu recognosciren, als ich in einem entfernten Winkel des Feldes, der den Antilopen durch ein kleines da⸗ zwiſchen ſtehendes Gebüſch verdeckt war, in einem grauen Zwielicht ſchwach ein Rudel von ſechs Wölfen unterſchied, welche wie Hunde auf ihren Hintertheilen ſaßen und augen⸗ ſcheinlich in einer tiefen Berathung begriffen waren. Offen⸗ bar bedurften ſie, eben ſo wie ich, des Wildprets und jeden⸗ falls hatten ſie zu dieſem Zweck die Antilopen ins Auge ge⸗ faßt, und da ich neugierig war, Zeuge des Verfahrens dieſer vierfüßigen Wilddiebe zu ſein, ſo beſchloß ich ihre Bewegun⸗ gen zu überwachen. Ich ſtieg deshalb von meinem Pferde, das ich der Aufſicht des Towar übergab, kroch der Scene der Action ſo nahe, als ich es thun konnte, ohne entdeckt zu wer⸗ den, und verbarg mich dann hinter einem Gebüſch. Die Wölfe, welche augenſcheinlich ihren Angriffsplan entworfen hatten, trennten ſich von einander; der eine von ihnen blieb ruhig an Ort und Stelle, und die übrigen fünf krochen vor⸗ ſichtig um den Rand des Feldes herum, wie Hühnerhunde, die ein Volk ſcheuer Vögel zu ſtellen haben. In dieſer Art umgaben ſie die ganz unbeſorgte Heerde, ſo daß an jeder Ecke des Feldes ein Wolf lag, während der fünfte ganz ſtill nach dem, Mittelpunkte des Feldes zukroch, wo er ſich in ei⸗ ner tiefen Furche verſteckte. Der ſechſte Wolf, der ſich noch nicht von ſeiner Stelle bewegt hatte, ſprang nun von ſeinem⸗ Verſteck hervor und machte einen Angriff auf die Antilopen. Die auf ihre unvergleichliche Schnelligkeit vertrauenden ſchö⸗ nen Geſchöpfe warfen wie mit Verachtung ihre Köpfe in die Höhe und rannen in fliegenden Sprüngen davon, ſo daß ſie ihren Verfolger bald weit hinter ſich ließen. Kaum näher⸗ ten ſie ſich aber dem Rande des Feldes, als einer der ſich verſteckt haltenden Wölfe aufſprang, ihnen entgegen eilte und ſie nach der entgegengeſetzten Richtung jagte, während ſein keuchen der Gefährte ſich an ſeiner Stelle niederlegte, um für eine neue Jagd friſchen Athem zu ſchöpfen. Die ſpringende Heerde eilte wieder über das Feld, indem ſie hoffte, auf der ent⸗ gegengeſetzten Seite entfliehen zu können, doch dort bot ihnen wieder eins dieſer liſtigen reißenden Thiere die Spitze, das nun ſeinerſeits die Jagd der Antilopen übernahm und ſie verfolgte, bis es an einer andern Ecke wieder von einem andern Wolfe abgelöſt wurde. In dieſer Art wurden die verfolgten Thiere von einer Seite zur andern, von einer Ecke zur andern ge⸗ jagt und bei jeder Wendung ſahen ſie einen friſchen Feind ſich gegenüber, bis ſie zuletzt vor Furcht vollkommen betäubt ſchienen und ſich gleich erſchrocknen Schafen zuſammendräng⸗ ten und ſich in immer engern Kreiſen herumzudrehen anfin⸗ gen. Während dieſer ganzen Zeit hatte der Wolf, der in der Nähe der Mitte des Feldes in einer Furche ſich verſteckt bielt, ſich nicht von ſeiner Stelle bewegt, obgleich die Antilo⸗
Novellen⸗Zeitung.
pen nur wenige Fuß von ihm entfernt wiederholt auf und ab vorbeigelaufen, ja vielleicht ſogar über ihn geſtolpert waren; die Zeit, wo er handelnd auftreten mußte, war noch nicht ge⸗ kommen. Es war jetzt ſichtbar, daß die unglücklichen Antilo⸗ pen bald ganz erſchöpft ſein mußten, und es erſchien wahr⸗ ſcheinlich, daß die ſie umgebenden Wölfe dann vereinigt ei⸗ nen Angriff auf ſie machen und die erſchreckte Heerde dann in die Mitte des Feldes treiben würden, wo dann der Wolf, der ſich dort verſteckt hielt, in ihre Mitte ſpringen und wenig⸗ ſtens ein Opfer feſthalten würde. Ich konnte indeſſen nicht zugeben, daß die Sache ſo weit getrieben wurde. Ich war mit dem, was ich geſehen, befriedigt und beſchloß das Spiel gegen meine Freunde, die Wölfe, zu wenden, indem ich in der ſich ſchnell nähernden letzten Scene des Trauerſpiels eine kleine Aenderung vornahm. Demgemäß gebot ich, als die Antilopen eben zum Stillſtand getrieben zu ſein ſchienen, dem weiteren Verfahren von Seiten ihrer raubgierigen Feinde Halt, indem ich dem nächſten Lauſcher eine Büchſenkugel durch den Kopf jagte, daß er ſofort ſeinen Geiſt aufgab; wo⸗ rauf ſeine ſcharfſichtigen Gefährten, welche ſahen, daß ihr Spiel verloren war, weil der Menſch mit ſeinem Schießge⸗ wehr eine Rolle darin übernommen hatte, ſich eilig zurückzo⸗ gen, ohne mir das Feld weiter ſtreitig machen zu wollen. Ich hätte mit dem zweiten Lauf meiner Büchſe leicht eine Anti⸗ lope erlegen können,— die armen Thiere ſchienen vor Furcht ganz betäubt zu ſein—, doch nachdem ich mich ihrer Sache ſo weit angenommen hatte, ſo fühlte ich, daß es von meiner Seite Verrätherei ſein würde, wenn ich mir dieſen Vortheil zu Nutze machen wollte, und demzufolge ließ ich ſie in Frie⸗ den ihres Weges ziehen.“ C.
Die Maſulah-Gonte.
Dieſe Boote, in denen Waaren und Reiſende durch ee berüchtigte Brandung vor Madras befördert werden, ſind, obgleich ſie ſehr plump und wunderlich ausſehen, für den Zweck, für den man ſie anwendet, doch bewundernswerth ge⸗ eignet. Sie haben einen vollkommen platten Boden mit hohen perpendicularen Seiten und ſind ganz ohne Hülfe von Nägeln gebaut; die von weichem, ſchwammartigen Holze, das wie Kork nachgiebt und nicht zerſplittert, gebildeten Bohlen werden mit ſtarken Bindfaden an einander befeſtigt. Dieſe Bauart giebt ihnen eine große Schwimmkraft und macht ſie ſo biegſam und elaſtiſch wie einen Korb; ſo daß ſie nicht blos mit voller Sicherheit über die rieſengroßen Meereswogen fahren, die ſich ſelbſt bei dem ſchönſten Wetter an der Küſte von Madras brechen, ſondern auch wenn ſie von der letzten Brandung vorangetrieben und mit einer Heftigkeit auf den Strand geworfen werden, welche das ſtärkſte europäiſche Boot in Stücke zerſchmettern würde, ſo geben ſie dem Stoße nach, ohne irgend eine Beſchädigung davon zu erleiden, und da der flache Schiffsboden eine feſte Grundlage bildet, auf der es ruhen kann, ſo bleibt das Boot aufrecht ſtehen und ſtürzt nicht um, wie es mit einem Boote von gewöhnlicher
Bauart geſchieht, wenn die Woge von ihm zurückfällt. Die
Mannſchaft beſteht aus zehn oder zwölf Ruderern nebſt einem Bootsführer, welcher in dem Hintertheil des Bootes auf ei⸗ ner erhöhten Stufe ſteht und mit einem Steuerruder bewaff⸗ net iſt. Derſelbe beobachtet den Lauf der See, ſagt ſeinen Leuten, wenn ſie voran rudern ſollen, und führt ſein plumpes Fahrzeug mit wundervoller Geſchicklichkeit und Geiſtesgegen⸗ wart durch die furchtbare Brandung. C.
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