Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
427
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Vierte Folge.

Und verſank in tiefes Sinnen. Ich gedachte frührer Zeiten,

Wo durch dieſe öden Weiten, Wohlbewehrt mit Pfeil und Bogen, Wilde Reiterſchwärme zogen, Deren Held im Steppenzelt Herrſcher war der halben Welt. Fürſten hielten ihm die Bügel, Schrecken herrſchte, wo er naht', Der, wie niedre Maulwurfshügel, Mächt'ge Reiche niedertrat, Seine roß-beſchwingten Krieger Mordend in die Völker hetzte, Seinen Fuß, ein ſtolzer Sieger, Auf der Kön'ge Nacken ſetzte.

Alſo ließ ich alter Zeiten

Bilder bunt vorübergleiten Meinem Blick, und auferweckte Todte Völker.... plötzlich ſchreckte Fernes, donnerlautes Toben

Mich empor ich ſah nach oben: Langſam und gewitterſchwer Wogte ſchwarz Gewölk einher. Wieder hört' ich Donner rollen Lang, mit kurzem Unterbrechen, Wie wenn mächt'ge Eiſesſchollen

In den Strömen krachend brechen.

Fromm bekreuzten die Koſaken

Sich bei Donnerſchlag und Blitz, Spähten mit gebognem Nacken Scheu umher vom Satteſſitz.

Immer ſchwärzer überzogen

Ward es ringsum, ſchwüler, trüber, Dichte Schwärme Vögel flogen Tiefen Flugs an uns vorüber.

Wie ſo vorwärts, ſeitwärts immer Spähend meine Blicke ſchweifen, Seh' ich fern im hellen Schimmer Einen breiten, rothen Streifen Keinen jäh vom Blitz erzeugten, Der ſchnell kommt und ſchnell verſchwindet, Auch von keinem Wetterleuchten: Denn ſtets heller, breiter windet Sich der Streifen um das Land. Ein Koſak wirft ſich vom Pferde, Drückt ſein lauſchend Ohr zur Erde, Springt dann auf, mit Angſtgebehrde Starr dem Streifen zugewandt: Himmel! hilf, ein Steppenbrand! Hat der Blitz ins Kraut geſchlagen? Ward die Steppe angeſteckt?

Keiner weiß es, und das Fragen

Iſt umſonſt doch aufgeſchreckt Tragen uns die zähen Pferde Flücht'gen Laufes, langgeſtreckt,

Daß der Hufſchlag auf der Erde Kaum vernehmbar bei dem Reiten. Und durch ungemeſſne Weiten Fliegen wir mit Windesſchnelle, Spähend oft das Auge wendend Nach der grauſ'gen Flammenhelle... Schwarzen Rauch nach oben ſendend Wälzen ſich die wilden Gluthen, Wie empörte Meeresfluthen,

Unter mächt'gem Praſſeln, Ziſchen,* Immer näher, und dazwiſchen Schallen fernher Jammertöne, Schrill, wie Sterbender Geſtöhne. Sieh' dort: flücht'ge Dromedare, Die der Karawan' entrannten,

Alle andern ſchon verbrannten;

Und uns ſträuben ſich die Haare Vor Entſetzen um uns wehen Wolken Rauches kaum noch ſehen Wir im immer ſchwärzern Qualme Unter uns die Steppenhalme. Schakalſchwärme wimmern, heulen, Fliehend vor den Flammenſäulen, Die mit Rieſenſprüngen nahn. Tod, Verzweiflung allerorten,

Und es glüht, als ob die Pforten Sich der Hölle aufgethan.

Thier' und Menſchen ſind verloren; Nirgends Hülfe. Wir befehlen

Gott im Himmel unſre Seelen,

Drücken krampfhaft noch die Sporen

In der Pferde blut'ge Weichen,

Daß ſie wie die Windsbraut ſtreichen Durch die Steppe vor den Flammen. Plötzlich bricht mein Pferd zuſammen Um uns rauſcht's wir ſind gerettet! In des Kuban Strom gebettet.

Und kaum haben wir die Fluth Ueberſchwommen und ein Kurzes

Von dem Sturmritt ausgeruht,

Als es ungethümen Sturzes

Strömend aus den Wolken bricht,

Daß man vor dem Regen nicht

Mehr die Gluth am Horizonte

Noch die Steppe ſehen konnte. 1 Bald erloſchen war das Feuer, Das, ein lechzend Ungeheuer, Mit Millionen Flammenzungen, Was die Steppe trug, verſchlungen,