übrigen Provinzen. Man bemerkt unter den Frauen ſogar Blondinen. Das lichte Haar macht einen effect⸗ vollen Contraſt mit den dunkeln, feuerblitzenden Au⸗ gen, die ſie wohl mit allen Spanierinnen, beſonders mit den ſchönen Catalaninnen, zumal mit denen in der Umgegend von Barcelona und im Thale des Llo⸗ bregat gemein haben.
Nachdem ich an's Land getreten war, fand ich außer einer Reihe neuer Speicher längs des Marino faſt Nichts verändert. Selbſt die mir begegnenden fröhlich ausſchauenden Menſchen ſchienen mir dieſel⸗ ben zu ſein, die ich vor langen Jahren hier verlaſſen hatte, und ich wunderte mich faſt darüber, daß Nie⸗ mand im kleinen Städtchen mich kannte.
Auch nach unſerem Abzuge aus Spanien hatte man ſpäter von den Stürmen des Bürgerkrieges, welche das unglückliche Land ſo oft heimſuchten, nur wenig in Villanova erfahren. Es führte ſo wenig jetzt wie früher eine ordentliche Straße von Villafrauca oder von Barxcelona nach Villanova; die Verbin⸗ dung mit den Küſtenſtädten wurde wie ehemals durch die Schifffahrt unterhalten. Carliſten hatte man mehr dem Namen nach, als dem Anſehen nach kennen ge⸗ lernt. Selbſt die Truppen der Königin hatten nur ſelten einen Poſten dort aufgeſtellt, weil eine Lan⸗ dung der feindlichen Partei wegen mangelnder Mittel nicht zu fürchten war. Villanova in Spanien iſt, ſeine alten und ſeine gegenwärtigen Zuſtände betref⸗ fend, mit dem Fürſtenthum Monaco in Italien zu vergleichen, deſſen Bewohner eſſen und trinken, ſchla⸗ fen und ſpielen, während die Donner des Krieges und der Aufſchrei blutiger Revolution, die Italien ſeit einem halben Jahrhundert durchbrauſen, an ſeinen engen Grenzen immer ſpurlos für die patriarchaliſche Familie innerhalb derſelben verhallten.
Don Ramon, in deſſen ſauberer Locanda ich einſt für mehrere Tage ein heiterer Gaſt war, war ſeinen Vätern in's Jenſeits gefolgt. Die damaliger Zeit in der Blüthe des Lebens ſtehenden Töchter waren ehr⸗ bare Matronen geworden, und Seüor Mannele, der Sohn, der mir ganz wie der Vater vorkam und ſich meiner vielleicht erinnert haben würde, wenn ich in der beziehenden Uniform der„Schwarzen Huſaren“ mit dem Todtenkopfe am Czako vor ihn hingetreten ſein würde, ſchien aus ſeiner Jugendzeit nur dunkele Erinnerungen behalten zu haben, trotz der merkwür⸗ digen Geſchichtsperiode, mit der ſie zuſammenlief.
Haben die Frauen vielleicht ein beſſeres Gedächt⸗ niß für den ſchönen Traum der Jugend? Nina, die nach dem Tode ihres Gatten wieder zum Bruder ge⸗ zogen war, redete lange und heimlich mit ihm, nach⸗ dem ſie mich, während ich mit der Bitte um Nacht⸗
Novellen⸗Zeitung.
herberge für mich und meinen Freund heraustrat, aufmerkſam einige Zeit betrachtet hatte. Wir ſaßen Abends beim Eſſen und ließen uns die ſchönen, halb⸗ getrockneten Trauben, die würzigen Feigen und Man⸗ deln gut ſchmecken und lobten die auserleſenen Ge⸗ richte, mit denen die ſtattliche Frau uns zuvorkommend bewirthet hatte; da ſagte ſie lächelnd:„Und doch, Seüor, ſchmeckte es Ihnen viel beſſer bei uns vor vielen Jahren,— wiſſen Sie noch— als Sie zwi— ſchen Mariette und Roſalie, den ſchönen Töchtern unſeres Nachbarn, ſaßen; ach, die Armen ſind nun auch ſchon lange geſtorben.“
„Alſo doch erkannt!“ rief ich voller Freuden. Ich hätte ſie dafür umarmen mögen, die Frau mit dem feinen ſchmerzlichen Geſicht einer madre dolorosa.
Sie nickte unter einem leichten Lächeln zu mir herüber und ſchritt langſam, dem Bruder unſere fer⸗ nere Bedienung überlaſſend, aus dem Zimmer. Sie trug noch Trauerkleider, und was ſie in dem Augen⸗ blick ſo tief bewegte, das vermochte ich halb und halb wohl zu errarhen. Ich hatte mit ihrem verſtorbenen
Gatten, der unter den Tänzern beim Fandago der
ſchmuckſte und ein ſo muthiger und gewandter Books⸗ führer w daß ein Admiral ihn vor allen andern zum Capitain ſeiner Staatsbarke gemacht haben würde, während meines früheren Aufenthaltes in Villano⸗ va eine Art Freundſchaft geſchloſſen, in der Art, wie man's etwa in Venedig thut, wenn man einen Gondoliere einmal in's Vertrauen gezogen hat; er war allerletzt noch mein Führer auf einem Wege nach Villafranca geweſen, den vor mir der Fuß keines britiſchen Soldaten betreten. Es war dies der Pfad, der ſpäter das calabreſiſche Freicorps in der Nacht⸗ ſchlacht auf dem Col de Ordal vor der franzöſiſchen Gefangenſchaft bewahrte.
Es iſt in der Ordnung, wenn junge Leute ein beſſeres Gedächtniß als die Alten haben. Doch es gebricht auch älteren Leuten nicht immer daran! Die unter Umſtänden oft ſchon in wenigen Stunden in einem fremden Lande gemachte herzliche Bekanntſchaft läßt ſehr oft einen unvertilgbaren Eindruck zurück. Es iſt das der Grund, weshalb wir uns ſpäter ſo oft nach den fernen Gegenden zurückſehnen, wo wir den Frühling des Lebens verſchwärmten, wo wir gleich Schmetterlingen um Blumen flatterten, von denen wir im glücklichen Rauſche nicht glaubten, daß ſie gleich uns auch einſt verwelken würden.
Wie Mancher hat ſich nicht ſchon geirrt, wenn er die Tochter als die ihm aus früherer Zeit bekannte Mutter begrüßte, ohne den Irrthum eher gewahr zu werden, als bis dieſe ihm in wohlbekannter Stimme zuflüſterte:„Ach, wie alt ſind wir doch Beide gewor⸗
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gen bis nun „Schlafe ſic ſchicke no klecht über d alo gewöhuli heim Frühſtuͤ in der Eben Wohl; begaben wir 6 war hing wohnlich als waren ſo nett Ausſicht aben Meeresfläche hin, ſo daß Straße, die Das Klingen und niederre ſobald einn unfertigen hauſes irge Töne vom nachdem de dachte ich mdan Lon des Gedanke der Stlaf; camerad, der war, ſch zu ſchnarae Es we der uns, aus unſere. „Es i lächelnd, al den braung iumer noch dungend ſ


