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vor die Thüre zu werfen,“ entgegnete Kuno gelaſſen, während er das Fenſter öffnete.
Rabeneck biß auf die Unterlippe, daß ſie blutete.
„Gehen Sie, mein Herr,“ ſagte Clara, indem ſie die Thüre öffnete,„ich verzeihe Ihnen den Betrug.“
Rabeneck wartete die Wiederholung dieſer Auf— forderung nicht ab. Er hatte ſeine Hoffnung auf die Leichtgläubigkeit eines liebenden Herzens geſetzt und das Spiel verloren. 3
Einer Widerlegung der Verleumdung Rabeneck's bedurfte es von Seiten Kuno's nicht. Lagen auch die Beweggründe des Verleumders nicht klar am Tage, ſo war doch die Abſicht der Verleumdung nicht zu bezweifeln. Clara hielt feſt an ihrem Vertrauen, den Himmel ihrer Liebe ſollte Niemand ihr rauben.
Kuno führte die beiden Damen zum Wagen und ſuchte ſeine Braut, welche ſich der Befürchtung nicht erwehren konnte, daß Rabeneck auf Rache ſinnen werde, zu beruhigen.
Eine halbe Stunde ſpäter hielt der Wagen vor dem Hauſe des jungen Mannes. Die Damen er⸗ ſtaunten über die Pracht der Einrichtung, welche ihre Erwartung übertraf. In dem Boudoir der Mutter Kuno's, welches dieſer ganz ſo gelaſſen hatte, wie es am Tage ihres Todes geweſen war, wurden Erfriſchun⸗ gen ſervirt. Dorthin führte Kuno ſeine Braut, hier, in dem Heiligthum ſeines Hauſes, welches er nie ohne tiefe Rührung betreten konnte, wollte er ſeiner Mutter, der vortrefflichen Frau, einige Worte widmen.
Eine Thräne trat dem Mädchen in's Auge, als der Geliebte ſie vor das Bild ſeiner Mutter führte und mit wenigen, warmen Worten den Charakrer die⸗ ſer Dame, ihre Herzensgüte und die unendliche Liebe, mit welcher ſie ihr Kind leitete, pries. Sie lernte in dieſer Schilderung das warme, treue Herz des Ge⸗ liebten bis in die innerſten Tiefen kennen.
Bis jetzt hatte Kuno die Mutter ſeiner Braut noch nicht über ihre Erlebniſſe befragt; oft ſchwebte dieſe Frage ihm auf der Zunge, aber er drängte ſie
ſtets zurück, weil er zu bemerken glaubte, daß Frau Gärtner an ihre Vergangenheit nicht gern erinnert war.
Jetzt kam die Mutter unaufgefordert auf dieſes
Thema. Sie erzählte von den erſten Jahren ihrer Ehe, von dem ſüßen, leider nur kurzen Glück, welches ſie an der Seite ihres edlen Gatten gefunden hatte. Nur drei Jahre währte dieſe Ehe, ein Unglücksfall, an den Frau Gärtner noch nur mit Entſetzen ſich erinnern konnte, riß den Gatten von ihrer Seite. Die junge Wittwe hatte durch dieſes Unglück nicht nur den Gatten, ſondern auch ihr ganzes Vermögen verloren. Allein mit dem Kinde, welches damals
Novellen⸗ZJeitung.
erſt zwei Jahre zählte, mußte ſie vor Allem auf Mit⸗ tel und Wege bedacht ſein, durch welche ſie ihre und ihres Kindes Exiſtenz ſicher ſtellen konnte. Sie war in feinen Handarbeiten ſehr erfahren, das Mit⸗ leid öffnete ihr die Thüren, bald ſah ſie ſich der Sor⸗ gen um die nächſte Zukunft überhoben. Freilich mußte ſie angeſtrengt arbeiten, aber ſie that es gern, und was wir mit Luſt und Liebe thun, fällt uns nie zur Laſt. Als Clara heranwuchs, unterrichtete die Mutter ſie, denn was blieb dem Kinde anderes übrig, als ebenfalls eine Tagelohnerin zu werden, wenn nicht im Frühling ihres Lebens ein biaver, rechtſchaffener Mann ſie zum Altar führte! Frau Gärtner war eine gediegene, gebildete Frau; durch eine Geiſt und Ge⸗ müth anregende Unterhaltung, welche bald die Lite⸗ ratur, bald Welt⸗ und Menſchenkenntniß zum Thema hatte, wußte ſie die Arbeitsſtunden ſo angenehm zu kürzen, daß Clara ſelbſt nach der angeſtrengteſten Ar⸗ beit ſich nicht ermüdet fühlte. Dieſen Geſprächen verdankte das junge Mädchen ſeine Bildung, welche, weit entfernt von moderner Oberflächlichkeit, durch ihre Gediegenheit und Gründlichkeit Kuno ſchon oft in Erſtaunen geſetzt hatte.
Die Mittheilungen der Mutter Clara's wurden durch den Eintritt eines Dieners unterbrochen, wel⸗ cher ſeinem Herrn meldete, daß der Hausarzt den Patienten geſund erklärt habe und dieſer jetzt das Haus wieder zu verlaſſen wünſche.
„Was ſicht den Alten an?“ fragte Kuno erſtaunt.
„Er bleibt ſo lange mein Gaſt, bis ich—“
„Verzeihen Sie, Herr Forſt, ich halte es in die⸗ ſem Hauſe nicht länger aus,“ fiel der Alte, welcher in dieſem Augenblick eintrat, ihm in's Wort.„Es iſt mir zu ſtill, zu einſam hier.“
Frau Gärtner hatte ſich erhoben, Leichenbläſſe deckte ihre Wangen. Jetzt fiel auch der Blick des alten Mannes auf die Damen. Er ſtieß einen mark⸗ erſchütternden Schrei aus und ſank ohnmächtig nieder.
„Mein Gott, dieſe Aehnlichkeit!“ flüſterte Frau Gärtner beſtürzt.„Wenn ich nicht wüßte, daß mein Gatte in den Flammen umgekommen iſt—“
„In den Flammen?“ rief Kuno, bereits beſchäf⸗ tigt, die Schläfen des Ohnmächtigen zu waſchen. „Verlor Ihr Gatte ſein Vermögen durch den Sturz eines Hamburger Geſchäftshauſes? Kam er zur Zeit des Brandes von ſeiner Reiſe zurück, welche er dieſes Verluſtes wegen unternommen hatte?“
„Mein Gott, woher wiſſen Sie—
„Still, er kommt zu ſich.“
Der Alte öffnete die Augen, ſein Blick fiel auf das bleiche Antlitz der todtgeglaubten Gattin, welche,
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