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7.
Vierle Folge.
Und die mit ihrem tiefen, dunkeln Auge Nimmt liebend ſie in ihren weichen Arm;— Sie weht ſie an mit leiſem, lindem Hauche,— Sie drückt ans Herz ſie ſtumm und liebewarm.
Und aus dem Himmel, aus dem weiten, dunkeln, Bricht ernſt und bleich des Mondes Licht hervor; Und viele, viele Tauſend Sternlein funkeln;
Die Erde blickt wie träumeriſch empor.—
Und auch mein Herz durchzieht ein traumhaft Beben, Und träumeriſch auch ſtreift mein banger Blick
Zum Sternenzelt;— doch höher möcht' er ſtreben, Als ſuch' er droben ein verborgen Glück;
Als ſtrebte er nach einem fernen Ziele.— Da ſenkt ſich's nieder, mild und liebewarm; — Die Erde ruht in ihrer dunklen Hülle,— Mein Herz ruht ſanft in Gottes treuem Arm.
Sonett.
Was ſind's für trübe, düſtere Gefühle,
Die oft ſo bang durch meine Seele ziehen?
Und alle meine Jugendfreuden fliehen; Alllein ſteh' ich im großen Weltgewühle.
Ein Sehnen fühl' ich in dem Buſen glühen Nach einem ſchönen, immer fernen Ziele;
Und was ich heiß in meinem Herzen fühle,
Ach, nimmer wird mir's hier auf Erden blühen.
Zerronnen ſind die ſchönſten Ideale, Mein Jugendglück,— es iſt dahingeſchwunden, Geblieben ſind des Herzens tiefſte Wunden.
Doch hoffen darf ich noch, ja ſelig hoffen, Ob auch der größte Schmerz das Herz getroffen: Die Hoffnung glänzt ihm noch im hellſten Strahle.
Literariſche Briefe von Otto Banck.
Leicht geſchürzt. Bunte Skizzen von C. Spielmann. Leipzig, bei Kollmann.
Laſſen Sie uns dieſe Edition nur zum Anſtoß nehmen, um einige Bemerkungen daran zu knüpfen, zu denen hundert ähnliche Bändchen eine Unterlage geboten haben könnten.
Die hier vorliegenden Novellen ſind allerdings
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ſehr leicht geſchürzte und äußerſt bunte Skizzen, für deren Aufbau der Stoff hergenommen iſt, wo er ir⸗ gend zu finden war. Dennoch ſind die loſen Dar⸗ ſtellungen des nicht wenig ſchreibenden Verfaſſers keineswegs ohne die modernen Eigenſchaftswörter und Ausdrucksweiſen, welche doch jetzt genug Anziehungs⸗ kraft haben müſſen, um Erzählungen, die außer ihnen weiter keinen andern Werth beſitzen, für gewiſſe Leſer⸗ kreiſe ſchmackhaft zu machen.„Unwiderſtehlicher Zau⸗ ber vornehmſter Eleganz“,„unnachahmliche Grazie“, „verführeriſche Wellenlinien“,„üppige Formen, Arme, Schultern“ oder gar„Haare“ und nicht minder derar⸗ tige Situationen bringen bei der Lectüre ſolcher Fa⸗ daiſen wahrſcheinlich die Stunden der Andacht mit ſich. Auch muß wohl der Mangel pſychologiſcher Folgerichtigkeit und Zuſammengehörigkeit in der Hand⸗ lung beim Leſen eine Erleichterung darbieten, indem man weder ſtreng aufzufaſſen noch nachzudenken braucht und ſo zu ſagen ein Spiel vor ſich hat, das man mitſpielen kann, ohne die Karten, geſchweige denn die Regeln zu kennen.
Dieſe Eigenſchaften charakteriſtren einen großen Theil der neuſten Novellen überhaupt, und wie ſie das Leſen derſelben zwar für die höheren Anforde⸗ V rungen verzweiflungsvoll, für den niedern Genuß aber vequem machen, ſo erleichtern ſie auch ihren Verfaſ⸗ ſern das Schreiben ſo ſehr, daß bei einem gewiſſen Grad von Halbſchlummer oder Geiſtesabweſenheit ihre Production immer noch eine die Nerven aus⸗ ruhende indifferente Dilettantenbeſchäftigung bleibt,
vor Tiſche anregend für den Appetit und nachher för⸗ dernd für die Verdauung.
Wie ſchwer würde ſich nun dieſe Gattung von Novelliſten ihre Arbeit machen, wenn ſie nur auf
einige pedantiſche Anforderungen, die man an eine gute Erzählung macht, eingingen, an Anforderungen als da ſind: Charakterzeichnung, gehörige Motivirung der Aetion, guter Styl, oder endlich gar geiſtvoller Dialog und, was das Peinlichſte iſt, eine Art von Gedanken!
Dergleichen Qualitäten ſind allerdings ein geiſti⸗ ger und künſtleriſcher Luxus, den nicht Jeder haben kann; und könnte ihn auch Dieſer oder Jener errei⸗ chen, ſo würde es doch mit Nachdenken und Zeitver⸗ luſt verbunden ſein. Statt deſſen erſcheint es natür⸗ lich den betreffenden Autoren viel zweckmäßiger, leicht geſchürzt und bunt ſkizzirt den praktiſchen Weg des
Materialismus einzuſchlagen.
Sie componiren nicht nach innerer Nothwendig⸗ keit der Seelenmalerei, nach den Regeln der Schön⸗ heit, Wahrheit und des Geſchmacks, ſondern ſtellen blos einzelne Situationen kaleidoſkopartig zuſammen,


