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enthalten. Auch aus dieſem Grunde erwähnte keines der Mitglieder des Freundeskreiſes der Handlungen, womit ſich Hugh befleckt, gegen den glücklichen Bräu⸗ tigam. Den nächſten Tagen waren alle dieſe Ent⸗ hüllungen vorbehalten. William's Empörung war groß, als ihm die Mittheilung über die Beleidigung wurde, welche ſeine heißgeliebte Hedwig durch Hugh er⸗ V fahren. Er ſprach gleich ſeinen Freunden die Hoffnung aus, dieſem Menſchen nie wieder auf ſeinen Lebens⸗ wegen zu begegnen.
Aus den Eröffnungen William's an Toni über deſſen Anſprüche erhielt dieſer die Gewißheit, daß Lord Elgin als wahrer Freund gegen ſeinen verſtor⸗ benen Oheim gehandelt. Obgleich der Baronet Hugh. Carlton dem Lord durch Verwandtſchaft nahe ſtand, ſo hatte dieſer doch nicht einen Augenblick gezögert, dem Rechte ſeine Anerkennung zu verſchaffen.
Aus dem Berichte des Lord Elgin heben wir nur das Folgende wörtlich hervor:
„Als Teſtaments⸗Vollſtrecker meines Freundes, des Lord Edward Richton, war ich zu deſſen Bruder gereiſt, hielt ihm ohne Umſchweife ſeine jetzt an's Tageslicht gekommenen ſchlechten Handlungen vor,
und obgleich der alte Hugh ſehr verwirrt und beſtürzt
wurde, ſo verſuchte er doch zuerſt zu leugnen. Als ich ihm aber die rechtsgültigen Beweiſe der Thatſachen vorlegte, da war er in ſich gegangen und geſtand mir Alles. Die Aufzeichnungen ſeiner unglücklichen, ver⸗ ſtoßenen Frau brachten beſonders die Umwandlung hervor, denn als er ſie geleſen, weinte dieſer in Sün⸗ den ergraute Mann bitterlich und gleich darauf legte er mir ein reuiges Bekenntniß ab und gelobte mir, daß er nichts unterlaſſen würde, um ſeine ſchwere Schuld gut zu machen.
Seinen Sohn Hugh Anton erkannte er als legi⸗ tim in allen Stücken an, räumte ihm auch alle Rechte als Erſtgeborenem und die ſofortige Uebernahme der Erbſchaft, wie es ſein Bruder beſtimmt, ohne Einwen⸗ dungen ein, indem er ſeine Entſagung aller der ihm zuſtehenden Rechte vor dem Grafſchafts-Richter und Zeugen zu Gunſten ſeines Erſtgebornen, Hugh Anton, in meinem Beiſein unterzeichnete, und dieſe Acte dem Kanzler des Oberhauſes durch mich überſenden ließ. Nur Eins erbat ſich mein unglücklicher Schwager, und zwar allein wegen ſeiner auch von ihm ſo ſchrecklich verrathenen Ellen, meiner theuren, verklär⸗ ten Schweſter, daß ihr Sohn Hugh aus dieſer Ver⸗ bindung als Zweitgeborner, und ſomit ſeine zweite Ehe als rechtmäßig vor der Welt anerkannt bliebe. Dies zu erfüllen habe ich dem nunmehrigen Erben vorbehalten. Ihm allein, dem ſo viel Unrecht wider⸗
fahren, ſteht die Entſcheidung zu. Ich kann nur
Novellen⸗Zeilung.
für den unglücklichen Mann meiner verſtorbenen Schweſter bitten, und daß ich dies nicht vergebens thue, nehme ich faſt für gewiß an, denn wer durch meinen theuren edlen Edward erzogen worden, der wird keine bittere Vergeltung auszuführen vermögen.
In dieſem Sinne habe ich geglaubt, die Bitte des Baronets Hugh beantworten zu müſſen, und ihm ver⸗ ſprochen, ihm den Ausſpruch ſeines Sohnes ſobald als möglich zuſenden zu wollen. In England wollte und konnte er nicht bleiben, und nachdem er mir Alles, was er bis jetzt im Namen ſeines Bruders verwaltet, übergeben, iſt er nach dem Süden Frankreichs abge⸗ reiſt. Dort will er ſich einen ſtillen, einſamen Platz ſuchen, um ungeſtört durch aufrichtige Reue ſein Un⸗ recht zu ſühnen und ſich dadurch die Vergebung des himmliſchen Richters zu erringen. Die Hoffnung, daß ſein Sohn Anton ihm vergeben und ihn auch ſpäter in ſeiner Einſamkeit aufſuchen wird, begleitet den Unglücklichen in die Fremde.
Zu ſeinen Exiſtenz⸗Mitteln hat er nur das ange⸗ nommen, was ihm als nachgebornem Sohn zukommt. Für ſeinen Sohn Hugh hat er Alles abgelehnt, indem er mir das Vermögen meiner Schyeſter für denſelben übergeben hat. So lange er lebt, wird er für ihn ſorgen; nach ſeinem Tode fallen ihm ja dann, wenn der ältere Bruder ihn anerkennt, ſchon ſeine Reve⸗ nuen zu.
Meinen Berichten füge ich nur noch den dringenden Wunſch hinzu, daß der junge Lord Hugh Anton recht bald nach England zu mir kommen möge, um aus mei⸗ ner Hand die Erbſchaft ſeines Onkels zu empfangen und mir die Billigung meiner Maßnahmen ſelbſt zu bringen.
Mit inniger, tiefſter Rührung habe ich das Ver⸗ trauen meines theuren, verſtorbenen Freundes empfun⸗ den. Es iſt der ſprechendſte Beweis für mich, daß ſein edles, treues Herz nie Groll gegen mich, der ihn doch ſo ſchwer beleidigt, gehegt! 1
Möge Gott mir die Gnade erzeigen, daß ich das an ſeinen Kindern gut mache, was meine verblendete Leidenſchaft verſchuldet!“
Durch dieſe Mittheilungen wurde Toni's Herz einer Centnerlaſt enthoben, denn gegen den eigenen Vater, und wenn er auch noch ſo unnatürlich gegen ſein Kind gehandelt, ernſtlich mit Hülfe der Behörden einſchreiten zu müſſen, wird Jedem, wenn er auch nur etwas Gemüth beſitzt, immer ſchwer werden; wie viel mehr mußte dies bei Toni der Fall ſein, der ein ſo feines Gefühl trotz ſeiner feſten Männlichkeit beſaß.
Dieſer beglückenden Gewißheit Worte zu leihen, war ihm ſofort Bedürfniß. Er that dies in einem Briefe an Lord Elgin, auch ſchloß er dieſem einen fuͤr ſeinen


