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ſtanden Pfeifen, Tiſch und Boden waren mit Tabak beſtreut, das Tintenfaß auf dem Tiſche ausgetrocknet. Nach einer mehrmaligen Wanderung durch den engen Raum blieb der junge Mann ſtehen und öffnete mechaniſch das Fenſter. Die Morgenluft ſtrömt friſch und erquickend herein, die Sonne beſtrahlt ein fahles, abgelebtes Geſicht, das wie eine welke Blume zum Morgen hinausſchaut. Matt ſtützt er den Kopf in die Hand, auf das Fenſterſims gelehnt.
Aber der Herbſthimmel kann keinen theilnahm⸗ loſen Menſchen ſehen, belebend und ſiegesgewiß ſendet er ſeinen Hauch und mit warmen Strahlen begießt er das müde Haupt. Wie es der Jüngling wieder erhob, hatte ſein Geſicht einen veränderten Ausdruck: die Augen hatten Leben gewonnen, um die Lippen zuckte ein zufriedenes Lächeln und die ſchwarzen Haare hingen über ein weniger ſchlaffes Geſicht herunter.
„Alſo noch einmal ſoll mein Leben Werth be⸗ kommen! In der gansen Welt fand ich keinen Punkt, der mir in den Wuſt als Rettung hineinleuchtete. Mein Herz war abgeſtorben. Und jetzt? Großer Gott, jetzt ſoll es wieder anders werden! Die Flamme der Liebe ringt mit der Nacht in mir; ja, ſie ſoll ſich lichten und die Geiſter des Abgrundes, die mich ge⸗ fangen hielten, ſollen abziehen, daß ich wieder da⸗ ſtehe wie ein Knabe mit reinem Sinn für Menſchen und Natur, mit einem liebenden und nach hohen Zwecken ſtrebenden Gemüthe. Und ſie, mein retken⸗ der Engel, ſoll es wiſſen, was ſie mir iſt. Ich werde bald als ein anderer Menſch vor ſie treten und ihr ſagen: Siehe, Du Segenverbreitende, ich bin Dein Werk; nimm es hin und gebiete über mein Herz, das noch den neubetretenen Weg nicht ſicher wandeln kann. O, mir ſchwindelt! Und dann die armen Mei⸗ nen! Sie ſollen nicht länger um ihren Sohn und Bruder weinen müſſen.“
Der Poſtbote brachte einen Brief. Carl erkannte die Hand ſeiner Mutter und lächelte:„Dein nächſter Brief ſoll mit freudigerem Herzen geſchrieben werden.“
„Mein lieber Sohn, ich weiß nicht, ob ich nach dieſem Briefe noch die Kraft zu einem andern haben werde. Ich fühle, daß es mit mir bald zu Ende ſein wird. Komm, empfange meinen Segen und meine letzten Ermahnungen.“
Es waren die Schriftzüge einer zitternden Hand. Als nach einer Viertelſtunde der Reiſeſack mit dem Nöthigſten verſehen und Carl im Begriffe war, ihn zu ſchließen und ſich zur Poſt auf den Weg zu
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Novellen⸗Jeitung.
machen, polterte es zur Treppe herauf und ſingend käm zur Thüre herein ein junger Studio mit blühen⸗ dem Geſicht, das Cerevis keck auf den ſorgfältig fri⸗
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ſirten Locken, eine dampfende Cigarette zwiſchen Zeige⸗ und Mittelfinger.
„Guten Morgen, lieber Carl,“ rief er und fuch⸗ telte mit der Reitpeitſche.„Ein friſcher Tag das! habe ſo eben einen Ritt durch die Gärten gemacht, um den Champagnerdunſt von geſtern Abend verflie⸗ gen zu laſſen. Es war ein ſchöner Ball; habe mir wieder ſo ein halbes Dutzend Damen geködert, die Backfiſche abgerechnet. Das Repertoir iſt nun wieder auf lange Zeit voll. Seit die verdammte Hofräthin, die abſolut meinte, ich müßte mit ihrem Gänschen Ernſt machen, mir ihre Gunſt entzog, meine feinſten Complimente mit jener gewiſſen Miene, Du weißt, entgegennahm und in ihren Geſellſchaften hie und da
ſo etwas von einem leichtſinnigen Menſchen fallen
ließ, da ſchien mir eine Stockung einzutreten. Pah, Du weißt, das war mir zum Lachen: dieſes Volk kann nicht ohne leichtfertige Courmacher ſein. Aber in Kukuk. was machſt denn Du für ein Geſicht? da weiß ich ein Zouiſe von B.* e war und von hat?“
Drirror.— Weißt Du auch, daß ſie auf der einem gewiſſen Carl Hermann geſ. „Wie? Du haſt Louiſe geſpro „Schau, wie das wirkt! Komm Dich. Louiſe war richtig geſtern bei 2 kannſt Dir denken, daß ſie umſchwärn auch ich mir eine Tour ausbat und ſoga Nichts dagegen haſt, den Cotillon. Von Du Nichts zu befürchten. Wenn ich auch ei terling bin und ſie ein Engel in Menſchenge halte ich doch etwas auf die offene, ehrliche ſchaft. Und bei ihr käme ich auch recht an. bemerkte etwas ſpitzig, Du und ich und der Li nant und der Doctor ſeien wohl recht intime ich begriff nicht, was ſie mit der ſonderbq nung wollte, aber nach einigen ihrer bekan Wendungen hatte ich heraus, daß ſie nich konnte, wie Du geſetzter, ſolider und geiſtre mit uns verkehren möchteſt. Das war de
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für, daß ich, um für Dich zu forſchen, ſie ãt hatte. Nichts deſto weniger unterließ ich nicht als einen Ausbund von Gelehrſamkeit zu ſchildern, es iſt mir heute unbegreiflich, wo ich alle die men von Fächern herbekam, in denen Du ein wo Licht ſeieſt.“ 1
„Sage mir, Adolf, glaubſt Du, daß ich gleichgültig bin?“
„Gleichgültig? Du haſt wenig Selbſtu Als Louiſe von B. in den Saal trat, ſa wohl, wie ſie aufmerkſam in dem Meuſſhz etwas ſuchte. Glaube mir, ſie hat Dichz
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