Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
353
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Eine Mlochenchronik für

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3. Juni 1864.

Schickſalswege. Novelle

Agnes Leſſad. (Fortſetzung.)

Walther ordnete, beſtimmte und bereitete Alles zur Reiſe nach England vor. Dr. Grün, der immer ſein treuer Freund und Rathgeber geblieben, der auch von allen eingetretenen Ereigniſſen Kenntniß erhal⸗ ten, bat Walther, die Ausführung der Reiſe noch wenigſtens acht Tage zu verſchieben, damit ſein Kör⸗ per ſich wieder einigermaßen erholen könnte. Mit Widerſtreben gab er dieſem Rathe nach. Er benutzte dieſe Zeit, um wichtige Beſtimmungen zu treffen, vor Allem die bekannten Sachen mit dem Paſtor Weimuth zu ordnen. Er ſagte dieſem, daß er ihn im Falle ſeines Ablebens zum Vormunde ſeiner Hedwig und zum Rathgeber ſeines Toni teſtamentariſch, berufen habe; bat ihn eindringlich, wenn es uerſſst

geſtattet ſein ſollte, Toni's Geburtsrechte von ſeinem Bruder anerkannt zu ſehen, Alles aufzubieten, daß dies bald ſtattfinde. Am Schluß ſeiner Rede ſetzte er mit gehobener Stimme hinzu:

Nie, nie, Weimuth, darf dieſer Hugh, der mir ſo ſehr mißfällt, in den unrechtmäßigen Beſitz meiner ſchönen Güter, meiner Untergebenen gelangen und der Herr meiner Pächter werden!

Bei einem dieſer Geſpräche äußerte er einmal gegen den Pfarrer, daß er wohl wünſche, daß das gegenſeitige Intereſſe, welches William und Hedwig gegen einander zeigten, ſich zu einer innigen Neigung ſteigern möchte, nie ſolle es aber geſchehen, daß Hugh die Hand ſeines Kindes erhalte, wie er faſt zu wün⸗ ſchen ſcheine.

Aehnliche Geſpräche fanden faſt täglich zwiſchen Eduard und ſeinem Freunde ſtatt. Eines Abends hatten ſie ebenfalls viel darüber geſprochen. Walther war ſehr milde, faſt wehmüthig geſtimmt, indem er mehrere Mal hervorhob, daß er ſeinem Bruder das

Hihm perſönlich zugefügte Leid längſt vergeben.