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ſtellte oder wirklich nicht wußte, welcher weiblichen Liſt er die gediegener Selbſtkritik das triviale Element nur um ſo meh zur Ausdehnung gebracht.
Der Wahrheit bin ich es ſchuldig zu erklären, daß die nen haben, wenn es ſtatt 160 nur 60 Seiten enthielte, un
Palme der Unſterblichkeit verdankte.
Novellen⸗Jeitung.
Das Büchelchen würde gewon
Thatſache, zu deren Geſchichtsſchreiber ich mich gemacht, um zu zeigen, wie werth und würdig das Beſſere ſeines Ir
ſich nicht in der Académie française zugetragen hat.
halts wäre, nicht von Mißlungenem beeinträchtigt und de⸗
Es iſt vielleicht nützlich, dieſe Erklärung gewiſſen Na⸗ durch in unpaſſende Geſellſchaft gebracht zu werden, ſei hie men gegenüber abzugeben, welche die Laune der Herren Un⸗ eine kleine Reihenfolge von den vorzüglichſten, durch der ſterblichen in dieſes Heiligthum der Wiſſenſchaften zugelaſſen manierirten Titel„Quinten“ bezeichneten Verſen mitgetheilt
hat, wo ſie ſich die Aufgabe geſtellt zu haben ſcheinen, ſeit einigen Jahren die wahren Vertreter der franzöſiſchen Lite⸗ ratur daraus zu verbannen. G
Treue Liebe.
Vor einiger Zeit wurde in London der Banquier Sir John Dean Paul wegen betrügeriſchen Bankerotts zur Deportation nach Auſtralien verurtheilt. Seine Gemahlin realiſirte ſofort nach der erfolgten Verurtheilung ihr perſön⸗ liches Vermögen, reiſte damit nach Auſtralien und kaufte ſich dort in der Umgegend von Sydney eine ſchöne Beſitzung. Kaum hatte ſie ſich in ihrer neuen Wohnung eingerichtet, als ihr Gatte am Bord des Schiffes ankam, das die Verurtheil⸗ ten von Oſtindien nach Auſtralien bringt. Sofort machte ſie von dem Privilegium des engliſchen Geſetzes Gebrauch: ſie bat darum und erlangte es, ihren Gatten zum Diener zu nehmen. Es bedarf keiner Erwähnung, daß der Diener, ſo⸗ bald er erſt ins Haus getreten war, von neuem der Herr wurde, und ſeit dieſem Augenblick iſt Sir John Dean Paul mit der Art, wie er ſeine Strafzeit zu beſtehen hat, ziemlich zufrieden. C.
Kleine Kritiken.
Quinten. Kleine Gedichte von J. S. Tauber. Leip⸗ zig, bei Brockhaus. 1864.
Was der Verfaſſer hier gegeben hat, ſind eigentlich vor⸗ waltend ſpruchartige Sinngedichte kürzeſter Form, vorzüglich in die Gattung der Xenien und des Epigramms einſchlagend. Lyriſche Farben hat man nicht darin zu ſuchen und wird ſie nur vereinzelt in ein paar Uebergängen finden.
Unter der Maſſe unerfreulicher moderner Gedichtbücher zeichnet ſich das vorſtehende durch die angenehme Eigenſchaft aus, daß man ſcharfſinnige Lebensbeobachtungen(und zwar dieſe mehr als gereifte Lebenserfahrungen) und gut pointirte Einfälle, ja ſogar nicht ſelten hervorſtechende Ideen in größe⸗ rer Anzahl darin antrifft. Oft iſt der Verfaſſer witzig und amüſant, oft hat er ſich bewußt oder unbewußt mit der Lö⸗ ſung der Aufgabe beſchäftigt, allgemeine ſprüchwörtliche oder doch in manchem Munde und Buche bereits befindliche Wahr⸗ heiten und Lebensmaximen in gereimter knapper Versform hier annehmbar auszuſprechen. Daneben wimmelt es von reiner Menge bedeutungsloſer, halber und gar zu landläufiger Apergüs, die ohne Wahl geſammelt und ohne allen künſtle⸗ riſchen Reiz gefaßt ſind. Da es ſchon nicht des Autors Na⸗ tur zu ſein ſcheint, in's Productive mit individueller Schö⸗ pfungskraft hineinzugehen und neben einer vorherrſchend trocken abstracten, wenn auch oft glänzenden Reflexion nicht
minder dem Tiefſinn eine Arena zum Gedankenſpiel und als auch zugleich das kampf zu eröffnen, ſo wird durch den angedeuteten Mangel“ Feder bewegt.
Mit Aberglauben wollen feſt Despoten ſich die Ohren ſtopfen;— Wer große Geiſter knebeln läßt, Hört kleine gerne klopfen. Du eilſt zum Faß„Vergnügen“ Mit weitgebauchten Krügen; Zu dem Belehrungsſcheffel Schleichſt du mit kleinem Löffel.
Wie warnend auch die Alte ſpricht, Die junge Fliege hört ſie nicht;
Sie ſtrebt, dem Adler gleich, zur Sonne Und fällt— verſengt in's Kerzenlicht.
Erſchreckt durch ſolches Mißgeſchick, Zieht ſchnell die Alte ſich zurück
In's finſtre Winkelchen,— da faßt ſie Die grimme Spinne beim Genick.
„Nicht allzu klug, nicht genial keck,
Dabei komm ich am beſten weg!“ Summt die Schmeißfliege ſelbſtgefällig
Und— ſetzt ſich wieder auf den Dreck.
Erſtaune nicht zu oft, mein Beſter, Erſtaunen iſt der Dummheit Schweſter.
Wie Themis war, ſo ſind
Die meiſten ihrer Jünger; Die Göttin war nicht blind, Sie ſah nur durch die Finger.
Wer in Demuth Meiſt ſich zeigt, Iſt zum Hochmuth Dreiſt geneigt.
Der Feuerwein ſchmeckt doppelt gut, Wenn er im Eiſe ſtand;. Umſtell' auch deines Herzens Gluth Mit kühlendem Verſtand.
Mich rührt die weiche ernſte Weiſe, Die tiefe Männerliebe ſingt, Sie iſt ein klagend Lied, das leiſe
Aus hoher Memnonsſäule klingt.
Obgleich dieſe Proben den Perlen dieſer Edition nommen ſind, ſo werden ſie doch ebenſo wohl den he Kopf des Autors auf vortheilhafte Weiſe bekunden hel Genre charakteriſixen, in den ſich ſe.
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Redigirt unter Verantwortlichkeit von Ouls Stiedrich Dürr in Leipzig.— Verlag der Durr'ſchen Buchhandlung in Leipzig.— Druck von A. Edelme
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