Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
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350 Rovellen mit ihnen, erkundigte ſich, ob man auch daran gedacht habe, ihnen paſſende Zimmer anzuweiſen, und ob es in denſelben auch an nichts für ihre Bequemlichkeit fehle. Gleichzeitig dankte er auch allen anweſenden Perſonen für die ihm zu Theil gewordne Sorgfalt. Die folgende Nacht war nicht ſehr unruhig; Auguſt, ſein treuer Kammerdiener, und Gemmy Brandus wachten wechſelsweiſe an ſeinem Krankenbett. Mon⸗ tag Morgens gegen halb ſechs Uhr bat er um etwas Bouillon, ſtieß einen Seufzer aus und entſchlief wie ein Kind. Da er am 5. September 1791 geboren iſt, ſo hat er ein Alter von 72 Jahren 8 Monaten erreicht.

Man hat viel von einem Briefe geſprochen, den man nach ſeinem Tode in ſeinem Notizbuche gefunden habe. Die Angabe iſt eine Thatſache, und es ergiebt ſich aus den darin für den Fall ſeines Todes getroffenen Anordnungen, daß ihn die Idee lebendig begraben zu werden im Leben ſehr beſchäf⸗ tigt hat, denn er hat die ſorgfältigſten Anordnungen getroffen, damit ein ſolcher Fall nicht eintreten könne. In Folge dieſer Anordnungen mußte man ſeinen Leichnam vier Tage lang auf ſeinem Sterbebette liegen laſſen und dem Leichname in jede Hand eine Klingel geben. In Folge deſſen konnte Doc⸗ tor Gannal auch erſt nach Verlauf dieſer vier Tage zur Ein⸗ balſamirung des Leichnams ſchreiten, welche ſofort den von dem Verſtorbenen ausſtrömenden Leichengeruch beſeitigte. Außerdem hatte Meyerbeer ſeinem in Berlin wohnenden Secretair ein Duplicat der Note, die man in Paris fand, anvertraut. Die beiden Schriftſtücke endigen ſich mit den folgenden Worten, welche die religiöſen Geſinnungen deſſen bezeugen, der ſie geſchrieben hat:

Der Wille Gottes geſchehe, und ſein Name ſei im Him⸗

mel und auf der Erde geheiligt und geſegnet. Amen! Meyerbeer's Teſtament iſt in Berlin bei ſeinem Notar niedergelegt, und man ſieht mit Spannung den Anorduun

gen entgegen, welche er in Betreff ſeiner hinterlaſſenen, noch nicht veröffentlichten Werke, ſelbſt ſeinerAfrikanerin gi⸗

troffen haben mag.

Ein ſonderbares Geſchick! Der Zufall iſt in ſeinen

unbegreiflichen Geſetzen oft unergründlich. Meyerbeer be

ſaß in Berlin ein faſt fürſtliches Hotel, das er beinah nie be⸗ wohnte. Als Künſtler Kosmopolit, ein unermüdlicher Rei⸗ ſender, der aus Liebe für ſeine Kunſt die gemeinen Sorgen

und Weichlichkeiten des Lebens verſchmähte, unaufhörlich au den Landſtraßen und Eiſenbahnen ſich bewegte, ſtirbt de große Componiſt in einem Hôtel garni, und ſeine Leichen feier wird in einem Bahnhofe gehalten.

hätte wohl die in Trauerkleidern erſchienenen Tauſende vo Zuſchauern faſſen können, die ihn zum letzten Mal begrüße und ihm eine Ehre bezeigen wollten!

Sein Leichenbegängniß war gewiſſermaßen improviſir

Es hatte ſich in der Eile eine Commiſſion gebildet, damit der tigſten Werke des Maeſtro. große Tode in ſeinem Sarge wenigſtens in einer paſſenden Saales errichtet, waren

Art escortirt werde, da der Maeſtro angeordnet hatte, daß großer Trauer, Künſtlern, Schri Franzoſen und Ausländern, die ſich dem Trauergefolge nicht

ſein Leichnam fern von Paris in ſeinem Familienbegräbn

Und welcher Saal, und wäre er ſelbſt ſo groß geweſen, wie er ihn ſich für die Darſtellung eines ſeiner Meiſterwerke hätte träumen können,

Zeitung.

ſerlichen Garde, des erſten Regiments der Grenadiere der

Garde und des dritten Bataillons der Nationalgarde gingen

vor dem Trauerwagen und ſpielten verſchiedene Muſikſtücke des Verblichenen, unter Andern den Schillermarſch, den Marſch aus dem Propheten und Chöre aus Robert und dem Pardon de Ploërmel.

Die Zipfel des Leichentuches wurden von dem preußi⸗ ſchen Geſandten, Graf von der Goltz, und dem Surinten⸗ danten der Theater, Graf Baciocchi, an deren Stelle unter⸗ wegs Camille Doucet und der erſte preußiſche Geſandtſchafts

ſecretär traten, von den Mitgliedern des Inſtituts de Giſors und Beulé, dem Präſidenten der Commiſſion der dramatiſchen Schriftſteller de Saint-Georges, dem Präſidenten der Aſſo⸗ ciation der dramatiſchen Künſtler, Baron Taylor, dem Direc⸗ tor des Conſervatoire, Auber, und dem Director der Opéra, Perrin, gehalten.

Unmittelbar nach dem Leichenwagen folgten zwei Die⸗ ner in Trauerlivrée, von denen der Eine auf einen Kiſ⸗ ſſen die dem Maeſtro verliehenen Ordenszeichen, der Andre eine Krone von Immortellen trug. Der Sarg war mit Blu⸗

men bedeckt.

Unter den officiellen und eingeladenen Perſönlichkeiten bemerkte man die Marſchälle Vaillant und Magnan, den Baron von Rothſchild, Emile Pereire und alle in der Lite⸗ ratur, den Künſten und der Politik bekannte und berühmte Männer.

Den Trauerzug eröffnete Jules Beer, der Neffe des Verſtorbenen, und zwei andere Mitglieder der Familie⸗ Dann folgten die Commiſſion, welche für das Leichenbegäng⸗ niß Meyerbeer's ſich gebildet hatte, die Mitglieder des iſrae⸗ litiſchen Conſiſtoriums, die muſikaliſche Sectien des Inſtituts, die Geſellſchaft der dramatiſchen Schriftſteller und Componi⸗ ſten, die Geſellſchaft der Artiſten, die Opéra, die Opéra-Co mique, das Théatre-Lyrique, das Conservatoire ꝛc. Funf⸗

ze ſen den Zug. Von der rue Montaigne bis zum Bahnhof

zug, ohne ſich zu rühren, erwarteten.

wimmelten von unzähligen Köpfen.

r da nur höchſt ſelten ſieht.

Das Leichengefolge hatte zwei Stunden Zeit bedurft, um ſich durch einen Theil der Avenue des Champs-Ely- sées, die rue royale, die Boulevards, die rue Drouot und die rue Lafayette nach dem Bahnhofe zu begeben. Der frühere Bahnhof der Nordeiſenbahn, den der Baron von größten Eifer und der vollkommenſten Gefälligkeit angeboten hatte, war ganz ſchwarz ausgeſchlagen.

n i Rothſchild mit dem

in Berlin an der Seite ſeines Vaters ſeine Ruheſtätte finden hatten anſchließen können, beſetzt.

ſollte.

mittags Punkt 1 Uhr. zählige Menſchenmenge drängte ſich an beiden Seiten d Chaussée des Champs-Elysées. Das Peloton an der Spi

des Leichenzugs und das Spalier wurden von der National⸗ garde gebildet. Die Muſikchöre der Gendarmerie der kai⸗ Marſch aus dem Propheten, der von dem Orcheſter ſehr gut

ſchwache Töne.

hn Trauerwagen und ein Peloton der Nationalgarde ſchloſ⸗

e hatten ſich mehr als 200,000 Perſonen aufgeſtellt, welche den Leichen⸗ Balcons, Fenſter, Dächer, ja ſelbſt die Mauern der im Bau begriffenen Häuſer Es war eins jener im⸗ fponirenden Schauſpiele, wie man ſie nur in Paris und auch

t. Schilder oberhalb der Tapeten enthielten die Titel der wich⸗

Tribunen, längs der Seiten des von mehreren Reihen Damen in ftſtellern und von vornehmen

Ein Chor aus dem Propheten und ein andres aus dem Der Leichenzug verließ das Sterbehaus am 6. Nach⸗ Pardon de Ploërmel wurde von den Künſtlern der Opéra 8 Das Wetter war herrlich; eine un⸗ und der Opéra-Comique ge

er loren ſich in dieſem enormen Saale, und an das der Eſtrade te der Sänger entgegengeſetzte Ende gelangten kaum einige Dagegen machte der bewundernswerthe

ſungen, aber die Stimmen ver⸗