Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
344
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Ich mußte einhalten, denn mit ungeheurer An⸗ ſtrengung preßte der Mörder die Worte heraus:Ja, ja! Dann war er wieder ſtill.

Ja, ja! wiederholte ichdas Alles will ich thun. Aber haben Sie ſelbſt denn keine Worte, die ich der Mutter noch zurufen ſoll? Iſt denn die Liebe, die Sie und die Mutter im Leben ſo glücklich machte, in Ihrer Bruſt ſo ganz und gar, ſo mit einem Male erſtorben?

Der Mörder ſchüttelte, während ich das ſagte, mit dem Kopfe, lehnte ſich dann zurück an die Wand und ſchloß die Augen. Der Ausdruck ſeines Geſichts war ruhig, nur das geſchloſſene Augenlid zuckte hin und wieder, als ob es ſich feſter ſchließen, oder als ob es hinter ſich Etwas verbergen und feſthalten wolle und dazu doch nicht Kraft genug beſitze. Die Augen⸗ winkel wurden bald darauf feucht, ein Tropfen groß und ſchwer löſte ſich los, rollte über die Wange hinab und fiel auf die Bruſt nieder. Dann folgten in kür⸗ zeren Pauſen mehrere. Der Mörder weinte; er mußte nun auch ſprechen.

Ihre Mutter wird Ruhe finden da tief unten, denn ſie war eine gute Frau. Haben Sie nicht auch den Wunſch, Ruhe zu finden, wieder ruhig ſchlafen und der Zukunft, was dieſe auch bringen möge, mit Ruhe entgegenſehen zu können?

Ich hatte damit eine ſchwache klangvolle Saite berührt. Meine Hand wurde haſtig und heftig ge⸗ drückt und gleichzeitig hörte ich, daß der Mörder, wie im Selbſtgeſpräch, leiſe ſagte:Ach, Ruhe, wenn ich Ruhe finden könnte, um jeden Preis nur Ruhe!

Sie werden, fiel ich hier ein,Ruhe finden, wenn Sie das Böſe, was Sie gethan haben, offen bekennen und im Herzen aufrichtig bereuen. Nur dann, verſtehen Sie mich, nur dann dürfen Sie hof⸗ fen, ruhig zu werden.

Ich hatte erwartet, daß dieſen Worten ein un⸗ umwundenes Geſtändniß folgen müſſe, ſtatt deſſen wurde mir jedoch mit vielen Unterbrechungen erwidert:

Herr Aſſeſſor, Sie ſind ſtets gütig gegen mich geweſen, deshalb will ich Ihnen auch ſagen, weshalb ich Ruhe nicht finden kann. Es iſt nicht die Strafe, die ich zu erwarten und die ich verdient habe; es iſt auch nicht die Verachtung, die mich hier trifft und die mich nöthigen wird, Haus und Hof zu verlaſſen und in der Fremde eine neue Heimath zu gründen. Das Alles würde ich ohne Murren ertragen haben, aber daß ich allein gehen ſoll und allein gehen muß, das kann ich nicht ertragen, das macht mich todt. Zwei Nächte habe ich vor ihrer Thür gelegen wie ein Hund, zwei Nächte habe ich vor ihrer Thür gewinſelt und geheult

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Jeitung.

funden; der Dieb iſt ihr verhaßt geworden, ſie will von dem Diebe Nichts wiſſen.

Was ſollte das bedeuten? Ich war erſtaunt über dieſe lange Rede und verſtand auch deren Sinn nicht ganz.

Von wem, fragte ich deshalbreden Sie denn? Von ihr rede ich, entgegnete er eifrig,die mir Alles war, nein, die mir noch jetzt Alles iſt, die mich am Leben erhält, deren Verachtung mir die Beſinnung nimmt und den Tod giebt, deren Namen ich nicht ausſprechen will, nicht ausſprechen darf. 3 Sie ſagten, verſetzte ich,Sie wären zwei Nächte in ihrer Nähe, vor ihrer Thür geweſen. Waren dies die beiden letzten Nächte?

Ja, die beiden letzten Nächte!

Er ſagte das ſo ruhig, ſo beſtimmt, ich möchte ſagen, ſo ungekünſtelt, daß ſeine Worte überzeugen konnten. Aber wie war es denn, er ſprach ja nur von dem Diebe, er ſchien ja zu vergeſſen, daß er auch ein Mörder war. Ich mußte ihn darauf zurück⸗ führen.

Wiſſen Sie denn, Meiſter, fragte ich,weshalb Sie ſich hier befinden?

Darauf erhielt ich nicht ſogleich Antwort, der Mann überlegte offenbar erſt, was er ſagen wollte, und auch dann ſprach er auffallend langſam:

Nun doch, ſagte er,weil ich dem Foͤrſter er ſtockte, das Wort wollte nicht aus dem Munde her⸗ ausein Stück Holz fortgenommen habe. Sie wiſ⸗ ſen ja, daß ich das nicht abgeleugnet habe.

Ach nein, entgegnete ich,deshalb befinden Sie ſich nicht hier. Der Förſter iſt in der vorigen Nacht ermordet, im Walde erſchoſſen worden, und Sie ſind verdächtig, dieſe That verübt zu haben.

Kaum hatte ich dies ausgeſprochen, ſo ſprang der Mann auf wie eine Feder, die von dem Drucke befreit iſt. Er nahm beide Hände, bedeckte damit ſein Geſicht und blieb ſo einige Augenblicke ſtehen. Dann ließ er die Hände wieder fallen, ſah mir mit unbeſchreiblicher Angſt in das Geſicht und ſagte:

Nein, nein, es iſt nicht möglich! ich habe gewiß nicht richtig gehört! Nicht wahr, Herr Aſſeſſor, Sie haben nicht geſagt, daß ich den Förſter ermordet ha⸗ ben ſoll? Sehen Sie, mein Kopf iſt ganz verſtört, ich bin verwirrt. Was haben Sie von dem Förſter geſagt? Wiederholen Sie es noch einmal, aber lang⸗ ſam, daß ich's faſſen kann.

Err ſprach dies ſchnell, wie in fteberhafter Auf⸗ regung und hörte, mit dem Oberkörper vorgebeugt, um mir näher zu ſein, mit der geſpannteſten Auf⸗ merkſamkeit zu, als ich die Beſchuldigung wiederholte⸗

wie ein Hund, und keine Erhörung, kein Mitleid ge⸗

Auf meine Frage, ob er mich nun richtig verſtanden

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