Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
343
Einzelbild herunterladen

eei ihren zu ſein glitt ein uͤber ihr

3 Nen t, daß a vegungen, Verdruß Hmit in⸗

on Seiten

e jungen e die Un⸗ der ſehr ſie auf gicht we enntniſſe ds un⸗ gen und lll. Das Hedwig zu zieben, eerſt ſehr nicht auf⸗ en, ſtand ion mit ler füͤhle,

die Paſto⸗ Aufbruch. da aber ihm das ſen Abend jfbruch gk⸗ brigen v⸗ ihm noch

a folat) ung folt

und beklagte noch weit mehr, daß das Unglück ge⸗ rade zum Feſte habe kommen und die Feſtfreude habe

ſtören müſſen.

Bald nach meinem Eintreffen verkündeten die Glocken laut den Anbruch des erſten Feſttags und

riefen zur Kirche.

Ich hatte dafür keinen Sinn, mich zog es an jenem Tage mit unpiderſtehlicher Gewalt nach einem Orte hin, wo man ſelten Gebete ſprechen hört, wo in der Regel nur Gottesläſterungen, Verwünſchungen und die ſchmutzigſten Reden laut werden, zum Ge⸗

fängniſſe; ich wollte den Mann ſehen und ſprechen,

der durch ſeine verabſcheuungswürdige That unaus⸗

ſprechliches Wehe und Herzeleid über eine bis dahin glückliche Familie gebracht hatte.

Ich hatte keine Furcht und keine Scheu, als ich dorthin ging, ich empfand nur tiefes Mitleid, inni⸗ ges Bedauern über das Verlorenſein eines Menſchen, der, wenn er in andern Verhältniſſen gelebt, wenn ihn nicht die Sorge für die alte, kranke Mutter, die grenzenloſe Noth, die er nicht hatte bekennen wollen, zu Boden gedrückt hätte, gewiß, wie viele ſeiner Mit⸗ bürger, unbeſcholten durch das Leben gegangen wäre. Ich wußte es ja aus eigener Wahrnehmung, daß der Mann ſich die größten Einſchränkungen auferlegt, daß er auf alle Bedürfniſſe ſeiner Standesgenoſſen verzichtet, daß er nur ſelten ein Gaſthaus beſucht, für ſeine Perſon jeden Aufwand vermieden hatte, um es nur der alten Mutter an Nichts fehlen zu laſſen, ihre Leiden zu mildern und ſie durch die ſelt ſamſte Liebe weich zu betten; ich wußte es, daß er kein ſchlechter, kein verdorbener Menſch, daß er nur der Verſuchung unterlegen war; mein Beſuch galt daher auch nicht dem Verbrecher, ſondern dem gefalle⸗ nen, bedauernswerthen Menſchen.

Ich fand den Mann gefeſſelt an Händen und

Füßen.

Er hatte das, wie mir geſagt wurde, geſchehen laſſen, ohne irgendwie Widerſtand zu leiſten oder auch nur ein Wort zu verlieren. Die Manneskraft ſchien gebrochen, er ſchien hülflos wie ein Kind zu ſein.

Als ich eintrat, ſaß er auf dem Schemel, den Kopf tief herabgebeugt, das Haar wirr um denſelben herumhängend. Er blieb in dieſer Stellung, ohne ſich zu rühren, und ſchien meinen Gruß gar nicht zu hören, ganz theilnahmlos zu ſein. Erſt nachdem ich durch den Beamten die Handfeſſeln hatte fortnehmen

laſſen, richtete er ſeine Augen voll unausſprechlichen Dankes auf mich, dann ließ er den Kopf wieder ſin en und war ruhig und ſtill wie vorher.

Das Schuldbewußtſein, ſo nahm ich an, hatte

Vierte

Folge.

brochen, die grauenhafte That den Haß getilgt, die Rache geſühnt und die Reue, als hinkender Bote, alles Leben erſtickt. Ich war davon ſo feſt überzeugt, daß ich gar kein Geſtändniß hören, daß ich nur die näheren Umſtände, unter welchen die That verübt worden war, erfahren wollte.

Der Mörder hatte ſeinen Sitz auf dem Schemel unverändert behalten. Ich ſetzte mich neben ihn auf dieſelbe Bank und nahm ſeine Hand, die Hand, welche die Waffe getragen, geführt und nach dem Willen des Mörders gebraucht haben mußte, in die meinige. Die Hand war eiſig kalt. Dieſe Kälte, die ſo ganz natürlich war, weil die Feſſel den Umlauf des Blu tes gehemmt und dadurch eine Erſtarrung der Hand herbeigeführt haben mußte, durchſchauerte mich, und unwillkürlich drängte ſich mir der Gedanke auf, daß, wie die Hand, auch das Herz kalt und erſtarrt ſein könne, und daß es meine Aufgabe ſein müſſe, dies Herz zu erwärmen und für Troſt zugänglich und empfänglich zu machen.

Wir ſind allein, Meiſter, unterbrach ich das Schweigen und legte in meine Worte Waͤrme und Innigkeit;ich bin auch nicht als Richter zu Ihnen gekommen, mich hat das mnigſte Mitleid mit Ihrer unglücklichen Lage hierher geführt, ich will, ſo weit ich das vermag, Ihnen Rath, Hülfe und Troſt bringen.

Ein leiſes, kaum fühlbares Zucken der Hand zeigte mir, daß ich gehört und verſtanden worden war, ſonſt blieb der Mann ſtill.

Ich meine es wahrhaftig gut mit Ihnen; aber

wenn Sie ſich nicht ausſprechen, wie kann ich da N

helfen?

Auch dieſer Zuſpruch blieb ohne Wirkung. Ich ließ mich nicht abſchrecken und machte einen neuen Verſuch.

Haben Sie mir denn gar Nichts zu ſagen?

Keine Antwort, keine Regung. Im Tone des Bedauerns fuhr ich fort:Ich hatte gedacht, daß Sie mindeſtens noch einen Gruß an die alte, gute Mutter haben würden, die Sie nicht wieder ſehen ſollen, die Sie nicht zur letzten Ruheſtätte zum Grabe geleiten dürfen.

Das half, die Rinde, die ſich um das Herz ge⸗ legt hatte, ſchien weich zu werden, die krampfhaften Zuckungen des Körpers verriethen mir das. Der Mund blieb indeß noch immer geſchloſſen. Indem ich die Hand feſter umfaßte, ſagte ich:

Ich werde Ihre Stelle einnehmen, für Sie die

Gebete am Grabe ſprechen, für Sie die Hand voll

Erde auf den Sarg legen, für Sie wünſchen, daß die uit gewaltiger Macht den Trotz dieſes Mannes ge⸗ Erde der Mutter eine lei

chte Decke ſein möge..

343