Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
342
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machte. Indem er William mahnte, daß ſie längſt zu

342 Novellen⸗Zeitung.

iſt. Ihre Verlegenheit ſtieg dadurch nur höher; ſie entzog ſie ihm endlich, wurde aber noch verwirrter, bis der gute Paſtor, der ſtets dazu berufen ſchien, als Rettender eintrat und dieſer Noth ein Ende

Hauſe erwartet würden, ſagte er nur noch mit weni⸗ gen Worten Hedwig, daß ihr Vater ihn und ſeine Hausgenoſſen zum Abend eingeladen, und nun ſie grüßend, empfahlen ſich die Herren, ihren Weg fort⸗ ſetzend.

Am Abend erſchien der Paſtor mit den Seinigen und den Gäſten im Herrenhauſe. Sie wurden im Gartenſalon vom Hausherrn und ſeiner Tochter em pfangen; Walther erſchien ruhig, begrüßte ſeine Gäſte freundlich, aber Weimuth, der ſeinen Freund ſo ge⸗ nau kannte, ſah wohl, wie in der Seele deſſelben nichts weniger als Ruhe herrſche, ſah wohl, wie es am Munde zuckte, als er Hugh Carlton willkommen hieß. Hedwig, die von ihrem Vater alles Bezügliche über die Gäſte erfahren, hatte ſchon mit zagendem Herzen die Geſellſchaft erwartet; jetzt, wo ſie eintrat, ſchlug es hörbar, und das ſuchende Auge William's, welches das ihrige traf, verwirrte ſie ſo, daß ſie nicht gleich begrüßende Worte zu finden vermochte. Dieſe Verlegenheit machte ſie aber nur noch reizender. William ſtand wie verzückt, nie hatte er einen be⸗ zaubernderen Anblick gehabt. Hugh wurde ebenfalls von dieſer hinreißend lieblichen Erſcheinung ſo be⸗ troffen, daß ſein Blick die ſo ſchöne Geſtalt verſchlin⸗ gen zu wollen ſchien.

Zur Erlöſung von dieſen auf ſie gerichteten erregten, brennenden Blicken eilte jetzt Marie auf die Freundin zu, umarmte ſie und zog ſie in eine Fenſter⸗ niſche, um ihr leiſe und geheimnißvoll, aber voller Seligkeit mitzutheilen, daß Oskar dieſen Nachmittag ihr ſeine Liebe geſtanden und ſie gebeten, die Sei⸗ nige fürs Leben zu werden. Die Eltern hätten ihren Bund geſegnet, wollten es aber noch einige Tage geheim gehalten wiſſen; ihrer lieben Hedwig es mit zutheilen, ſei ihr aber erlaubt worden. Mit wahrer Herzlichkeit und größter Freude umarmte Hedwig die Freundin und wünſchte ihr Glück. Sie als treue, einzige Vertraute wußte ja, wie ſehr dieſe längſt ihren Verlobten liebte. Die Abſonderung der jungen Mäd⸗ chen wurde nicht länger geſtattet; Hedwig wurde am Theetiſch verlangt, um welchen ſich bald die jungen Leute gruppirten. Marie, in ihrer Lebhaftigkeit und heute doppelt freudig erregt, wußte die Unterhaltung bald belebt zu machen.

Unter dieſem Entſchluß gewann die junge Wir⸗ thin ſehr bald ihre ganze Faſſung wieder; unbefan⸗

aufhörte ſich zu bemühen, ihr kleine Dienſte bei ihrem Geſchäft zu erweiſen, nur allein für ſie da zu ſein ſich beeiferte, nur allein mit ihr ſprach, ſo glitt ein Schatten der Verlegenheit und Verſtimmung über ihr ſchönes Geſicht.

William's Benehmen war ganz das Gegentheil von dem ſeines Vetters; er ſprach wenig, ſeinen Stuhl hatte er aber ſo zu ſtellen gewußt, daß er Hedwig gegenüber ſaß und ſo jede ihrer Bewegungen, jede ihrer Mienen verfolgen konnte. Mit Verdruß ſah er die Zudringlichkeit Hugh's, aber auch mit in⸗ niger Herzensfreude die kalte Abfertigung von Seiten Hedwig's.

Nachdem der Thee eingenommen, die jungen Herrſchaften ſich zu den alteren geſetzt, wurde die Un⸗ terhaltung eine allgemeine. Der Profeſſor, der ſehr geiſtreich, allgemein feſſelnd ſprach, wußte ſie auf intereſſante Gegenſtände zu lenken und war nicht we⸗ nig erſtaunt, als er hierbei die wirklichen Kenntniſſe der jungen Mädchen bemerkte. Er äußerte dies un⸗ verhohlen, machte ſie aber dadurch befangen und ſchweigſamer, beſonders Hedwig wurde ſtill. Dies benutzte Hugh, zog ſeinen Stuhl hinter den Hedwig's und ſuchte ſie in eine leiſe Unterhaltung zu ziehen, doch dies gelang ihm nicht; ſie antwortete erſt ſehr einſylbig, dann gar nicht, und da er doch nicht auf⸗ hörte, ſie mit ſeinem Geſpräch zu beläſtigen, ſtand ſie auf, ging zu ihrem Vater und fragte ihn mit ſorgenvoller Liebe, ob er ſich nicht unwohler fühle, da er ſo leidend ausſehe.

Obgleich er dies verneinte, ſo wurde die Paſto⸗ rin jetzt auch aufmerkſam und mahnte zum Aufbruch. Walther nöthigte zwar noch zum Bleiben, da aber ſein Befinden, durch die Aufregung, die ihm das Kommen des Hugh Carlton bereitete, dieſen Abend beſonders ſchlecht war, ſo ließ er den Aufbruch ge⸗ ſchehen und bat nur William, von den Uebrigen un⸗ bemerkt, ihn morgen früh zu beſuchen, da er ihm noch Mehreres mitzutheilen habe.(Jortſetzung folgt.)

(Schluß.)

Das Städtchen befand ſich in einer außerordentt lichen Aufregung. Das entſetzliche Ereigniß wa ungeheuer ſchnell bekannt geworden. Die äͤlteſten Leute wollten ſich nicht erinnern, daß in Neitzſch od in der Umgebung ein Mord vorgekommen ſei. Meh

gen und natürlich plauderte ſie, nur wenn Hugh nicht

bedauerte den Ermordeten, verdammte den Mörd

Der Schützenkünig. V