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geworden, zog ſeinen jungen Freund William Raleigh
340 zählt, kennen zu lernen. Er bat und ſchmeichelte ſo viel, daß ich denn meine Bedenklichkeiten, die ich gegen einen ſo zahlreichen Beſuch hatte, aufgab. Ich ſtieg mit in den bequemen Wagen, nachdem die Poſtpferde zur nächſten Station auf der Route nach Reichheim ge nommen, und ſo, theurer Freund, kamen wir ſoeben hier in Reichheim zu Dreien an. Meine Begleiter ſind im Kruge geblieben; ſie wollen ſich auf einige Tage dort einlogiren, dann weiter reiſen und mich
ſpäter in München aufſuchen. Wenn Du es erlaubſt,“
ſo ſchloß der Profeſſor ſeine Worte,„ſo machen Dir meine jungen Freunde nachher einen Beſuch, doch vor Allem bringe mich zu Deiner Frau, daß ich ſie be— grüße.“
„Nein, jetzt noch nicht, beſter Schweiger, erſt muß ich Dir ſagen, wie unendlich freudig mich Deine Mittheilung bewegt, und wie unendlich dankbar ich dem ſtets getreuen Gotte für ſeine wunderbare Lei⸗ tung bin.“
Nun erzählte Weimuth Alles, was wir kennen, und was den Inhalt des eben an ihn abgeſandten Briefes bildete. Kaum hatte er das letzte Wort be⸗ richtet, als die Freunde die beiden jungen Engländer auch ſchon auf das Pfarrhaus zukommen ſahen. Sie wurden auf's Herzlichſte vom Hausherrn begrüßt und willkommen geheißen, und dann ſofort an ſie die For— derung geſtellt vom Kruge nach der Pfarre überzu⸗ ſiedeln.
Ohne Umſtände wurde das freundliche Anerbieten dankbar angenommen und der junge Hugh erſucht, die nöthigen Anordnungen zu treffen, damit ihre Die⸗
ner den Umzug ausführten. Profeſſor Schweiger, der durch die eben vernom⸗
menen Mittheilungen des Freundes ſehr aufgeregt
bei der erſten eingetretenen Pauſe in der Unterhaltung bei Seite, um ihn zu bitten, ihm auf einige Augen—
Novellen⸗Zeitung.
er hätte, da alle von ihm und dem Bruder des Ver⸗ ſchwundenen angeſtellten Nachforſchungen vergeblich geblieben, nie recht froh werden können.
Nachdem der Profeſſor dieſen Worten aufmerkſam zugehört, fragte ihn William, was der Grund zu den eben beantworteten Fragen geweſen. Schweiger er⸗ widerte ſeinem jungen Freunde nun, daß der Paſtor Weimuth ihm wichtige Mittheilungen über den ver⸗ ſchollenen Lord Edward machen könne, und wenn er es wünſche, ſo würde er ihn gleich herſenden.
William bat darum und erwartete mit Ungeduld den Pfarrer. Dieſer theilte nun dem Sir Raleigh Alles das mit, was er aus Walther's Munde er⸗ fahren.
Der junge Zuhörer gerieth in großen Zorn. Mit lebhaften Farben ſtand der bittere Schmerz, den der unglückliche Edward ſo viele lange Jahre erdul— det, vor ſeiner Seele, aber auch ebenſo lebhaft die Schlechtigkeit ſeines Onkels, des Baronets Sir Hugh. Carlton, der die Schweſter ſeines Vaters, die jetzt zum Glück verſtorbene Lady Ellen, zur Frau gehabt, aus deren Ehe der einzige Sohn, Hugh Carlton, ſein jetziger Reiſegefährte, entſproſſen. Aber wie wurde die Empörung William's noch erhöht, als er von dem Daſein Toni's, des aus erſter Ehe ſtammenden legi⸗ timen Sohnes, Kenntniß bekam!
Mit großer Mühe gelang es dem ehrwürdigen Pfarrer, den jungen Mann zu beruhigen und dahin zu bewegen, daß er den Beſuch bei'm Lord Richton, unſerm Eduard Walther, bis zum morgenden Tage verſchob, ſowie auch ſeinen Bitten, ſich ganz ſchweigend über alles Vernommene gegen ſeinen Vetter zu ver⸗ halten, nachgab.
Sobald es die Zeit am andern Morgen erlaubte, ging Weimuth nach dem Herrenhauſe, um ſeinem Freunde die nöthigen, aber das Herz des guten Paſtors ſo ſchwer belaſtenden Mittheilungen zu machen. Er
blicke in den Garten zu folgen, während der Pfarrer zu ſeiner Gattin eilte, ihr den freudigen Beſuch zu melden, damit ſie die häuslichen Anordnungen zzu treffen vermöchte.
Der Profeſſor legte zunächſt in ſeiner Unterhal⸗ tung mit dem jungen William nur die bezüglichen Fragen über ſeinen Vater vor. Aber wie groß war ſeine Freude, als er von ihm hörte, daß ſein Vater und der vermeintlich von dem Lord Edward Richton im Duell erſchoſſene Lord Elgin ein und dieſelbe Per⸗ ſon ſei! Auch erzählte der junge Mann weiter, daß er von ſeinem Vater den beſondern Auftrag erhalten, auf ſeinen Reiſen Nachforſchungen über den Lord anzuſtellen, denn der Vater hinge noch mit der gan⸗ zen Liebe ſeiner Jugendjahre an ſeinem Freunde, ja
fand den Lord leidlich wohl; nicht mit dem, was doch einmal geſchehen mußte.— V So behutſam nun auch die Eröffnungen von Weimuth gemacht wurden, ſo war der Eindruck, den ſie auf den leidenden Eduard hervorbrachten, doch ſo überwältigend, daß der Pfarrer die höchſte Beſorgniß hegen mußte. Freude, Schmerz, Zorn und Empörung ſtürmten und kämpften zugleich in der Bruſt des ar⸗ men Mannes!
Lange dauerte es bis die Freude Siegerin blieb. Er fühlte ja doch nun erſt jetzt die wahre Erlöſung nach der vierundzwanzigjährigen Pein der inneren Vorwürfe! Er wußte ja nun, daß ſein lieber Jugend⸗ freund lebe, daß er nicht von ſeiner Hand gefallen, daß ſeine Mutter, die ihm allerdings in der erſten
daher zögerte er auch


