Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
336
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Misxrellen.

Ludwig XIV. war in ſeiner Jugend dem Tanze ſehr ergeben und betheiligte ſich bis zu ſeinem zweiunddreißigſten Lebensjahre auch bei den Ballets, welche am Hofe aufgeführt wurde. Da gab man eines Tags in St. Germain denBri⸗ tannicus, worin folgende Stelle vorkommt:

Nicht Thatendurſt, nicht Stolz entflammte ſeinen Sinn, Des Wagenlenkers Ruhm ſucht' er ſich zu bereiten,

Um ſeiner mächt'gen Hand unwürd'gen Preis zu ſtreiten, Stellt' er vor Römern ſich im niedren Spiele hin.

Dieſe Worte machten einen tiefen Eindruck auf Ludwig, von dem Augenblicke an tanzte er nie wieder. Der Dichter hatte den König bekehrt. e.

Wenn Ludwig XIV. einem Bewerber eine vacant ge⸗ wordene Stelle verlieh, pflegte er zu ſagen:Ich mache damit hundert Unzufriedene und einen Undankbaren.

e.

Die Herzogin von Bouillon war angeklagt, mit mehre⸗ ren Prieſtern verkehrt zu haben, welche die Zukunft vorher⸗ ſagten und Geiſter, ja ſelbſt den Teufel erſcheinen ließen. Der Präſident der Anklagekammer, der Staatsrath La Reynie, welcher ſie zu vernehmen hatte, fragte die Herzogin, ob ſie den Teufel geſehen habe.Ich ſehe ihn eben jetzt, antwor⸗ tete ſie,er iſt ſehr häßlich und ſehr albern, er hat ſich als Staatsrath verkleidet. Das Verhör wurde hierauf nicht weiter fortgeſetzt. e.

Kleine Kritiken.

Shakeſpeare in ſeinen höchſten Charakter⸗ gebilden. Enthüllt und entwickelt und allen Bewunderern des Dichters gewidmet von Prof. Dr. H. Th. Rötſcher. Dresden, bei Meinhold und Söhne, 1864.

Es bedarf keiner Frage, daß von den vielen zur Shake⸗ ſpearefeier erſchienenen Büchern dieſe Unterſuchungen Röt⸗ ſchers einen hervorragenden Platz einnehmen.

Rötſcher gehört zu der nicht großen Zahl der Aeſthetiker und Kritiker, die mit weihevoller Pietät an die Analyſe claſ⸗ ſiſcher Meiſterwerke gehn und denen es voller Ernſt um die

Novellen⸗Zeitung.

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ſeinen Berichten über das Berliner Theater bewieſen, und noch deutlicher und umfangreicher liegt es in ſeinen andern Schriften zu Tage. Auch hier iſt das Gleiche der Fall.

Nachdem der Verfaſſer eine natürlich dem Stoffe nach ſehr kurze biographiſche Skizze von Shakeſpeare gegeben und die Löſung einiger äſthetiſch⸗ poetiſcher Fragen über das Grundweſen ſeines Dichtens und Wirkens angeſtrebt hat, geht er auf eine Beleuchtung von fünfzehn Hauptcharakteren aus des Dichters bedeutſamſten Dramen über.

Der liebevolle Detailblick des Autors macht dabei ſehr ſcharfe und feine, ſinnige Bemerkungen und ergänzt mit Glück ſo manche kritiſche Grundzüge, die bereits von Ulrici, Gervinus und Andern aufgeſtellt ſind. Es läßt ſich anneh⸗ men, daß der Fachkenner nicht, ohne manchen angenehmen Fund zu thun, dieſe Erörterungen verfolgen wird; es kann aber auch nicht verhehlt werden, daß nur von einem kleinen Kreis ſpecieller Shakeſpearefreunde dieſe Arbeit zu erwarten iſt, denn eine Arbeit und zwar eine nicht müheloſe muß es genannt werden, ſich durch die wohlgemeinten und würdigen Studien des verehrten Kritikers durchzuarbeiten. Eine der lebenswarmen Gedankenbildung und plaſtiſchen Geſtaltungs⸗ kraft feindliche philoſophiſche Abstraction neigt ſich zu ſehr zu einer breit, didaktiſch und ſchulmäßig ausgeführten Male⸗

rei Grau in Grau hin, um ſich daneben noch ein anregendes

farbenfriſches Element für die nothwendige literariſche Dar⸗ ſtellungskunſt zu retten. Die bleichen, durch einen ſchlep⸗ penden Styl noch ſtarrer werdender Reflexionen heben ihre Wirkungen gegenſeitig auf und beſeitigen einander oft nach dem alten Spruch: laßt die Todten ihre Todten begraben.

Und doch keimt aus dieſer Saat etwas Erfreuliches auf, das man feſt⸗ und hochhalten muß: es iſt das Zeugniß ide⸗ aliſtiſchen Trachtens nach klaren Anſchauungen des philoſo⸗ phiſchen Bewußtſeins, nach äſthetiſchen Begriffen, überhaupt der Drang, das Geiſtige in ſeinen erhebenden Wirkungen zum Eigenthum der eigenen Seele zu machen. Unſere mate⸗ rielle Zeit läßt dieſe idealiſtiſche Richtung nur noch ſehr ver⸗ einzelt und gewöhnlich blos in der ſogenannten unreifen, aber allem Schönen offenſten Jünglingsperiode erſtehen, und wo wir ſie bei älteren Perſonen durch das ganze Leben, wie bei Rötſcher, treu gepflegt finden, da müſſen wir dieſe der Gedan⸗ kenwelt dargebrachten Opfer mehr nach der Reinheit und

Sache iſt. Der Genannte hat das ſeit langen Jahren in all

Treue ihres Wollens, als nach dem formellen Erfolg ehrend amerkenning O. B.

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