Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
334
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334 Novellen⸗Zeitung.

Feuilleton.

Die Moſchee in Meſched.

Der Engländer Eaſtwick giebt in ſeinem WerkeThree Xears Residence in Persia die folgende Beſchreibung von dieſer Moſchee in Meſched oder Thus, der Hauptſtadt des Diſtricts Thus in Khoraſſan, der nordöſtlichſten Provinz Perſiens:

Wir traten durch eine Art von Alkoven, ohngefähr zehn Fuß über dem Fußboden, in das Viereck der Moſchee, das auf den beſondern Befehl des Maſchir oder Reichskanzler prachtvoll erleuchtet worden war. Das Viereck war mit Leuten gefüllt, von denen Viele mit ihren Gebeten beſchäftigt waren, während ſich noch Hunderte durch die großen Bogen⸗ gänge hereindrängten. Es waren wahrſcheinlich nicht weni⸗ ger als ſieben- bis achttauſend in Allem, und es entſtand plötzlich eine große Stille, als der Hüter des Heiligthums mit einem verfluchten Ungläubigen an ſeiner Seite, welcher die verhaßte Kleidung der Franken trug, in das Heiligthum eintrat. Es war ganz gewiß ein kritiſcher Augenblick. Ich muß geſtehen, daß ein Verdacht in mir aufſtieg, weil ich wußte, wie ärgerlich die Behörden darüber waren, daß die

Thore geöffnet worden, um das Volk in das Adytum oder die innere Moſchee zuzulaſſen, wo das mit einem ſilbernen Git⸗ ter und goldenen Knöpfen umgebene Marmorgrab von Iman Rizah iſt. Es führte eine Reihe von Stufen zu dieſen Thü⸗ ren, und jenſeits derſelben waren zwei kleinere mit Juwelen beſetzte Thüren. Der Maſchir ſagte mir, daß die Rubinen außerordentlich ſchön ſeien, was ich übrigens in dieſer Ent⸗ fernung nicht ſehen konnte. Die innere Moſchee konnte ge⸗ gen dreitauſend Perſonen faſſen. Ueber dem Grabe erhob ſich eine ganz mit Gold gedeckte Kuppel mit zwei Minarets an den Seiten, die gleichfalls ganz vergoldet waren. Zur Rechten von dem Grabe Iman Rizah's iſt das von Abbas Mirza, Vater von Muhamed Schah und Großvater des re⸗ gierenden Schah. In deſſen Nähe ſind einige andre Prin⸗ zen und ausgezeichnete Männer begraben. Oberhalb der goldenen Kuppel war eine kleinere Kuppel von einem glän⸗ Fenden Blau, die zu der erſtern einen ſehr auffallenden und ſchönen Gegenſatz bildete. Hier fängt die oſchee von Gauhar Schah an. Das Quadrat iſt größer als das von Schah Abbas, und an der öſtlichen Seite iſt eine ſehr große

engliſche Regierung wegen Herat nicht einſchreiten wollte, daß blaue Kuppel, aus der eine Menge Gras hervorwuchs; der man mich ganz abſichtlich in dieſe Gefahr gebracht habe, um Platz ſoll zu heilig ſein, als daß man ihn betreten dürfte. das Volk gegen die Engländer zu erbittern und in dieſer Art Vor der Kuppel erhoben ſich zwei mit blauen Ziegeln bedeckte das Verlangen nach einem Religionskriege zu unterſtützen. ſtolze Minarets. Dieſes ganze große Gebäude war mit

Obwohl ich ganz gewiß einen Angriff bei dem Verlaſſen der Moſchee erwartete, ſo hielt ich es indeſſen doch für das Beſte, keine Unſchlüſſigkeit zu zeigen, und ich trat ein und ließ mich auf den Seſſel nieder, den der Maſchir mir anwies, und be gann dann meine Augen an einem Anblick zu ergötzen, wel⸗ cher derArabiſchen Nächte würdig war. Das Viereck der Moſchee, in dem ich mich befand, ſchien ohngefähr 150 Quadratſchritte groß zu ſein. Es war mit großen Stein⸗ platten gepflaſtert, und in der Mitte desſelben war ein ſchö⸗ ner Kiosk oder Pavillon, der mit Gold bedeckt war und ſich über dem Waſſerbehältniß für die Abwaſchungen erhob. Dieſer Pavillon iſt von Nadir Schah erbaut worden. Rings der nördlichen, weſtlichen und ſüdlichen Seite des Vierecks

einer Menge Lampen erleuchtet und dicht gedrängt voll von einer Menge Perſonen, und unter der Maſſe derſelben befand ſich nicht eine Perſon, deren Augen nicht auf mich gerichtet geweſen wären. Die Menge zertheilte ſich in kleine Grup⸗ dpen, die alle von dem Eindringling ſprachen und zornig auf uns blickten. Selbſt der Muezzin auf der Spitze des gro⸗ ßen Minarets vor dem weſtlichen Bogengange gaffte über das Gitter nach mir, und ich konnte ihn in einer Haltung ſehen, als ob er ganz erſtaunt ſei. Während ich dieſe wun⸗ dervolle Scene betrachtete, zeigte der Maſchir mir die Be⸗ rechnung der täglichen Ausgaben der Moſchee und bemerkte dabei, daß im Laufe des Tages 751 Pilgrime angekommen und mehr als 200 abgereiſt ſeien. Während des Jahres

lief ohngefähr zehn Fuß über dem Fußboden eine Reihe don bis zu dieſem Tage, fügte er hinzu, hätten mehr als 50,000

Alkoven, die dem ähnlich waren, worin ich ſaß, gefüllt mit

Mulas in weißen Turbans und Anzügen. An jeder dieſer Seiten war ein rieſiggroßer Bogengang, deſſen Mauer in Quadratform oberhalb des Eingangs aufgeführt worden war. Die Höhe bis zur Spitze dieſer viereckigen Mauer muß 90 bis 100 Fuß geweſen ſein. Die Alkoven waren weiß, dem Anſchein nach von Stein oder Mörtel, aber die Bogengänge waren mit blauem Firniß oder blauen Ziegeln mit ſchönen Inſchriften in Weiß und Gold bedeckt. Ueber dem weſtlichen Bogengange war ein weißer Käfig, der für den Muezzin von Elfenbein gemacht zu ſein ſchien, und an der Außenſeite war ein 120 Fuß hohes gigantiſches Minaret, das in ſeinem Um⸗ fange der Säule des Herzogs von York in London gleich war. Die Schönheit dieſes Minarets kann nicht übertrieben wer⸗ den. Es hat einen ſehr ſchön geſchnitzten Knauf und darü⸗ ber eine leichte, dem Scheine nach zehn Fuß hohe Säule, die, ſowie der Schaft unterhalb des Knaufs, etwa zwanzig Fuß lang mit Gold bedeckt waren. Dieſer ganze Theil der Mo⸗ ſchee iſt von Schah Abbas gebaut worden. In dem Mittel⸗ punkte der öſtlichen Seite des Vierecks waren zwei ſehr große

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Pilger das Heiligthum beſucht. Da ich in der Zwiſchenzeit meine Augen an dem Anblick geſättigt und ſeit etwa fünfzehn Minuten in der Erwartung geſeſſen hatte, in jedem Augen⸗ blick den Ruf ertönen zu hören: Schlagt den Ungläubigen todt! ſo ſtand ich auf, dankte dem Maſchir für das Geſeh uud ſagte ihm, daß es der Mühe werth ſei, von Engl vierher zu kommen und es zu bezeugen, und dann bat un die Erlaubniß mich entfernen zu dürfen. Gerade in die⸗ ſein Augenblick beſchäftigte ſich das Volk mit der Berathung, ol, man mich und den Maſchir auf der Stelle todtſchlagen ſoſle oder nicht, und hätten wir uns eine oder zwei Minuten läfiger aufgehalten, ſo würde das Reſultat der Berathung deſe Tod geweſen ſein. Doch noch zur rechten Zeit erhob ſich deß alte Herr, und wir verließen die Moſchee, kehrten durch diß langen Gänge zurück, und ich ſagte ihm Lebewohl und riſtt fort. Als ich mein Pferd beſtieg, war ein großes Ge⸗ drfänge um mich her, doch es wurde nicht ein Wort geſagt.

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