Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
333
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productiven Naturen ihr Seitenſtück finden. Die Auf gabe, ſolche Bilder zu geben, muß indeß ſelbſtverſtänd⸗ lich etwas mehr als Peinliches in einem Falle haben, wo der Held zugleich der Vater des Verfaſſers iſt, und es ließe ſich darüber ſtreiten, wo und in wie weit der Letztere ſeinem Taktgefühl der Decenz als Sohn vielleicht zu wehe gethan habe. Jedenfalls konnte es nur dem einmal für allemal ergriffenen Princip gelingen, ohne Rückſicht auf die der Seele eingepflanzte Pietät kindlicher Scheu, die, höheren ſittlichen Geſetzen folgend, durch das ganze Leben vorhält und ſomit immer kindlich bleibt, den Autor über deren gewohnte Grenzen hinwegzuleiten. Vor⸗ züglich bei den hiſtoriſchen Enthüllungen über das Liebesleben mit der eigenen Mutter und bei der Mit⸗ theilung des daraus hervorgegangenen Briefwechſels wollen wir dem Biographen gern die inneren Kämpfe zu gute ſchreiben, welche ihm dieſes Opfer gekoſtet haben mag. Es wird die Entſchuldigung oder Ver⸗

urtheilung eines ſolchen Verfahrens immer ein ſehr

mißlicher Punkt bleiben, da über die Entſcheidung dieſer Frage verſchiedene Richter, die geſchichtliche Gewiſſenhaftigkeit und der menſchliche Zartſinn, zu Gericht ſitzen und beide keineswegs nach dem gleichen Geſetzbuch ihr Urtheil ſprechen. Die letzten Conſe⸗ quenzen, welche ſich ein Strebender aufbaut, werden immer das Lob des Muthes verdienen, ſich aber nicht eben ſelten als feindliche Klippen der Abstraction einer rein menſchlichen Harmonie des Gelingens ent⸗ gegenſtellen.

Mit eben ſoviel Fleiß als Geiſt und ſcharfer Urtheilskraft hat Max Maria von Weber oft die ge⸗ ſellſchaftlichen und kunſtgeſchichtlichen Zuſtände, im eigentlichen Sinne des Worts die Hintergründe ge⸗ ſchildert, von denen er das bewegte Lebensbild ſeines Vaters entrollt. Die Perſonen ſind häufig treffend und überzeugend charakteriſirt. Bei dieſen bedeutſa⸗ mern Abſchnitten ſind auch Styl und Darſtellungs⸗ weiſe vortrefflich, die bei dem Referat trockener Ma⸗ terien ab und zu wieder zu einem Niveau herabſinken,

das zwar immer noch durch allgemeine Correetheit

inmitten unſerer leichtfertigen Literatur reſpectabeſ

aber nicht mehr geeignet iſt, höhere Anforderungéu

zu befriedigen. Dieſelben können ſich mit einem oft gegen Klarheit und guten Geſchmack verſtoßenden Bilderſchmuck nicht einverſtanden erklären.

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Folge. 333

Da Max von Weber ſeinem Lebensbilde ſchon in der Art der Anlage, noch mehr aber in der Aus führung des fertigen erſten Bandes, der bis zu des Tondichters Anſtellung in Dresden geht, eine unge⸗ wöhnliche Breite gegeben hat, ſo wurde dadurch um ſo häufiger jenes in das Muſiviſche gehende Herab⸗ ſinken des literariſchen Vortrags herbeigeführt, als es der Fall geweſen ſein würde, wenn ſich der Biograph den Plan vorgeſteckt hätte, ein kürzeres, aber dafür mehr geſchloſſenes, lebendiger fortſchreitendes Gemälde zu geben. Ich kann hier nicht gut wiederholen, was ich erſt ganz kürzlich in Hinſicht auf dieſe Faſſungs⸗ und Behandlungsweiſe einer Biographie bei Gelegen⸗ heit von Brunier's Leben des Schauſpielers Schrö⸗ der geſagt habe, möchte aber die geehrten Leſer darauf zurückweiſen.

Im Grunde hat der Biograph ſeine Arbeit nicht ſo einrichten wollen, daß ſie zugleich eine Kritik und Charakteriſtik der Weber'ſchen Werke umfaßt, und was an Urtheilen in Anbetracht dieſes Punktes vorhanden iſt, wird Muſikern von Fach weder neue Phaſen der Anſchauung eröffnen, noch ihnen ein äſthetiſches Ge⸗ nüge bieten. Es geht in jener Subjectivität auf, die im Naturell einer außerhalb der ſtreng muſikaliſchen Welt ſtehenden Perſönlichkeit wurzelt.

Uebrigens konnte es auch der deutſchen Kunſtwelt weniger darauf ankommen, ihre im Weſentlichen ge⸗ ſchloſſenen Acten über Weber's ſchöpferiſchen Genius noch erweitern zu wollen, als es ſowohl den Fach⸗ leuten wie den weitern intelligenten Kreiſen höchſt angenehm ſein muß, ein Werk zu empfangen, welches ihnen neben dem wohlbekannten Componiſten auch den Menſchen Weber in ſeiner noch ſehr wenig be⸗ kannten Individualität mit ſpeciellſtem Detail vorführt.

Es iſt in der Kunſtgeſchichte nicht verborgen ge⸗ blieben, daß der Tondichter des Freiſchütz und der vorzügliche Dirigent und Pfleger claſſiſcher Muſik in Dresden nicht die Aufmunterung und ſegensreiche Stellung erhielt, die ihm zum Gedeihen der guten Sache hätte willig und mit Achtung vor ſeinen Fä⸗ higkeiten bereitet werden ſollen. Das Erſcheinen des zweiten Bandes, dem man mit Spannung entgegen⸗ ſieht, wird über dieſes in Deutſchland noch immer übliche Mißverhältniß zwiſchen Kunſtpflege und Kunſt⸗ einſicht jedenfalls ohne Scheu mehr Licht verbreiten helfen.