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Vierte Folge. 331
eine entſetzliche Laſt, die mit Centnerſchwere zu Bo⸗ den drückte und den Weg furchtbar machte.
Bei dem Anblick des lebloſen Vaters ertönte von beiden Mädchen wie aus einem Munde nur ein Schrei, dann ein krampfhaftes Schluchzen und hierauf ein lautes, herzzerreißendes Weinen. Das Alles war nur ein Moment, im zweiten verloren die Mädchen den Halt, ſie wollten zu Boden fallen. Ich unterſtützte Eliſe, der junge Mann ſeine Braut; ſo führten wir Beide zur Mutter zurück und ließen ſie dort ausweinen.
Der Förſter war todt. Bei der Beſichtigung der Leiche fand ſich nur eine Wunde, ſonſt keinerlei Verletzung vor. Ein Kampf konnte daher der Ver⸗ wundung nicht vorhergegangen ſein, die Wunde mußte den Tod urplötzlich herbeigeführt und gewiß auch ſchmerzlos gemacht haben, denn ſie befand ſich gerade in der Mitte des Herzens. Es war ein Königsſchuß.
Der junge Mann hatte die Leiche gefunden. Er hatte, wie er mir ſagte, mit den Damen den Förſter in der Laube vor dem Hauſe erwarten wollen. Als der Schuß, den auch ſie ganz deutlich gehört, gefallen, ſei der Hund aufgeſprungen und davon gelaufen. Kurze Zeit ſpäter ſei er und ein Jägerburſche dem Hunde gefolgt. Sie hätten vielfach gerufen, auf kei⸗ nen Ruf aber Antwort erhalten und den Hund erſt in geringer Entfernung von der Leiche bemerkt. Daß der Hund auf ihr Rufen nicht geachtet, habe ſie auf⸗ merkſam gemacht und Schlimmes befürchten laſſen. Der Jägerburſche habe von Zeit zu Zeit ein Schwefel⸗ hölzchen angezündet, um die nächſte Umgebung zu er⸗ leuchten. Nur dadurch ſei das Auffinden der Leiche möglich geworden. Die Leiche, welche noch warm geweſen, habe in einer Blutlache mit dem Geſichte auf der Erde gelegen und die Arme und die Hände unter ſich gehabt. In der Umgebung, die allerdings nicht weiter unterſucht worden war, ſei ihnen nichts Auffälliges aufgeſtoßen, auch die Kleidung habe ſich nicht in Unordnung befunden, und eben ſo wenig ſei Etwas vermißt worden.
Für die Thäterſchaft konnten natürlich keine Ver⸗ muthungen aufgeſtellt werden; der Förſter ſchien ſich über den Vorfall mit meinem Wirth gar nicht aus⸗ geſprochen zu haben.
Ich ließ mich durch den Jägerburſchen an Ort und Stelle führen, unterſuchte hier die Umgebung in einem weiten Umkreiſe, vermochte jedoch weder eine Fußſpur, noch ſonſt ein Zeichen aufzufinden, aus dem ich hätte ſchließen können, woher der Thäter gekom⸗ men und wohin er gegangen, oder in welcher Rich⸗ tung der Schuß abgefeuert worden war. Kein Zweig war geknickt, kein Blatt verletzt, an keinem Stamme zeigte ſich eine Rinde beſchädigt.
Der Thäter, ſo konnte ich nur annehmen, mußte dem Förſter auf dem geraden, feſtgetretenen Wege begegnet ſein, ihn hier angegriffen und ſich dem— nächſt auf demſelben Wege geflüchtet haben.
Die Leiche wurde bis zur Ankunft der Gerichts⸗ ärzte bewacht. Die Vornahme von irgend welchen Veränderungen war von mir unterſagt worden.
Ich ging nach Neitzſch zurück. Mein Wirth war zwiſchen fünf und ſechs Uhr zurückgekehrt und in ſeinem Hauſe verhaftet worden. Der Bürgermeiſter, welcher die Verhaftung ausgeführt hatte und mir bei meiner Rückkehr Mittheilung machte, war bei der Ausführung dieſes Geſchäfts ſo alterirt geweſen, daß er mir nicht einmal ſagen konnte, in welcher Kleidung mein Wirth angekommen war.(Schluß folgt.)
Literariſche Briefe von Otto Banck.
Carl Maria von Weber. von Max Maria von Weber. Keil. 1864.
Es war die Bewältigung eines ungeheuer großen Materials dazu erforderlich, um die bedeutende Per⸗ ſönlichkeit, welche Sie hier geſchildert ſehen, dem Leſer ſo deutlich werden zu laſſen, daß ſich zu dem klaren Bilde, welches für intelligente Kreiſe vom Ton⸗ dichter Weber bereits exiſtirt, auch ein ebenſo durch⸗ ſichtiges von demſelben Genius als Menſchen zugeſellt.
Der große Componiſt hat ſich leider eines viel kürzeren irdiſchen Daſeins zu erfreuen gehabt, als es für die Kunſtentwickelung wünſchenswerth war; es iſt ihm nicht im vollſten Umfange vergönnt worden, aus dem innern Schacht ſeiner Seele heraufzubeför⸗ dern, was an productiver Geſtaltungskraft darin wal⸗ tete; nur für einen Theil dieſer erhabenen Schätze fand er Zeit, ſie künſtleriſch zu feſten Gebilden zu ver⸗ klären. Ein anderer vielleicht größerer Theil blieb unenthüllt, da die ſchwache Kraft des Körpers nur zu bald von der heiligen Lohe aufgezehrt wurde, die den Geiſt und das ganze Weſen dieſes kühn aufwärts ſtrebenden Mannes fortwährend in Flammen ſetzte.
Sie werden aber bekennen müſſen, daß ein Men⸗ ſchenleben nicht inhaltvoll und reich durch die Länge ſeiner Zeitdauer, ſondern nur durch die Summe der Kämpfe und Thaten wird, welche aus der Macht des ſich wandelnden, zum Höheren durch Nacht zum Licht anſteigenden Individuums ureigen hervorgehen.
In dieſer Beziehung hat Weber's Laufbahn einen ſeltenen Reichthum folgeſchwerer Bewegungen, eine
Ein Lebensbild Leipzig, bei Ernſt


