Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
315
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Molche im Baſſin fangen, vorzeigen und mit derſel ben Wichtigkeit behandeln zu können, ſo erkaltet das Intereſſe oder ſtirbt ganz, und was er wieder in's Waſſer ſetzt, iſt ein Fiſch, der oft nur auf dem Rücken weiter ſchwimmt.

Es liegt in dem vielſeitigen Material, daß es die Literatur in dieſem Unterordnen der Illuſtratio⸗ nen viel weniger leicht hat, als der Maler in ſeiner geiſtig und gegenſtändlich einfacheren Welt.

Dieſes Aufrechthalten einer organiſchen Lebens⸗ kraft von freier Strömung werden Sie in Brunier's Arbeit vermiſſen. Er gefällt ſich in häufigem Ab ſpringen von der maßgebenden Sache, und dabei mehr Studien als Geſchmack und Geiſtesſchärfe verrathend, geht er auf ſehr entfernt liegende Zuſtände ein und verweilt oft bei Fragen, die längſt durch eine genü⸗ gende Beantwortung keine mehr ſind. Es hört aber auf, eine Vertheidigung oder nützliche Beſchäftigung zu ſein, wenn man fortfährt, auch den todten Wolf noch zu ſchlagen. Die populär⸗philoſophiſchen und literaturgeſchichtlichen Erörterungen, die der Verfaſſer nicht ſelten an ſeinen Gegenſtand knüpft und zwar ſehr geſucht knüpft, ſind häufig nicht blos weit ab⸗ führend, ſondern ſehr ſchwächlich in ihren Argumen⸗ tationen und zeigen hin und wieder ſtarke Begriffs⸗ verwechſelungen.

Dennoch kann es nicht fehlen, daß dies Buch zum Theil manches beachtenswerthe Alte wieder auf friſcht, zum Theil Neues von Intereſſe zu Tage för dert. Auch der anekdotenhafte Genre findet ſich hin und wieder vertreten, da hierfür das Bühnenleben nicht arm an draſtiſchen Momenten iſt. Solche Züge gehören nur ſelten zu den wichtigern, doch liefern ſie oft ein Detail zur Literaturgeſchichte, und ich will hier zum Beweis, wie anders geartet ehemals der Theaterenthuſiasmus war, nur einen Fall anführen. Demoiſelle Werthen, die ſpätere Madame Hartwig in Dresden, war im Jahre 1792 bei einem großen Theile des Schweriner Publicums der verzogene Lieb⸗ ling. Nun ward dieſe junge Schauſpielerin plötzlich von der Blatternkrankheit ergriffen, die, wie man weiß, im achtzehnten Jahrhundert ſo verheerend wirkte, denn auch die ſchöne berühmte Charlotte Ackermann hatte dadurch an ihrem Teint eingebüßt. Die Nach⸗ richt vom Leiden des Fräulein Werthen erfüllte die vielen Verehrer derſelben mit dem höchſten Schrecken. Zum Glück nahm die Krankheit keinen tödtlichen Aus gang, ſondern wandte ſich nach kurzer Gefahr zur Beſſerung. Nun ſollte die Geneſende, um womöglich ihre friſche Haut wieder zu bekommen, häufig Bäder von friſcher Milch nehmen. Damit nun die friſche Milch rechtzeitig an jedem Morgen in die Badewanne

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gelange, hatten ſich die die Künſtlerin anbetenden Herren beim erſten Morgengrauen von ihrem Hauſe in der Apothekerſtraße bis nach Oſtdorf, einem über zwanzig Minuten von der Stadt entfernt liegenden Vergnügungsorte, aufgeſtellt. Die Enthuſiaſten reich⸗ ten ſich nun in langer Kette die von Oſtdorf bezogene Milch in zierlichen Eimern einer dem andern zu. Es iſt nur zu wünſchen, daß ſie in Bezug auf die Haut⸗ pflege mit dem Erfolg ihrer Bemühungen zufrieden geweſen ſind. Man läßt zwar auch in der Gegen wart die geſunde Vernunft und die verſtändige Hal⸗ tung ein Rad ſchlagen, wenn es darauf ankommt, einer Kunſterſcheinung Tempel der Verehrung zu bauen; doch ſind die Ueberſtürzungen anderer Natur, und der idylliſch wandernde Milcheimer behält mit ſeiner Naivetät damonartiger Anbetung, die das Nütz⸗ liche mit dem Schönen, Ritterlichen zu verbinden ver⸗ ſteht, einen charakteriſtiſchen Beigeſchmack.

Ueber den Tod der Charlotte Ackermann giebt der Verfaſſer in ſo fern ein leſenswerthes Reſumé, als aus dieſer trüben Epiſode durch die Bemühungen der Romanſchriftſteller mancher Zug der Wirklichkeit verwiſcht oder übermalt iſt. Charlotte, die vielleicht genialſte und größte Künſtlerin, welche Deutſchland hervorgebracht hat, war bekanntlich Schröder's Stief⸗ ſchweſter und wirkte unter ſeiner Direction. Dorothea Ackermann war eine zweite weniger begabte Stief⸗ ſchweſter.

Schröder hatte bei ſeiner vielleicht zu großen Aengſtlichkeit, daß der Ruf ſeiner Schweſtern Gefahr laufen könne, häufig häusliche Scenen mit ihnen, da er oft in Dingen etwas fand, die ſie in ihrer arglo⸗ ſen Jugend als ganz harmlos betrachteten und bei denen auch die Welt nichts Uebles dachte. So wollte er ſeinen Schweſtern durchaus nicht geſtatten, daß ſie ritten, obgleich ſowohl Dorothea wie Charlotte dies ſehr liebten und namentlich Charlotte bei ihrem lei denſchaftlichen und leicht aufwallenden Naturell ſich nicht dazu verſtehen wollte, auf eine Bewegung zu verzichten, die ihr ſo angenehm war und die ſie zu⸗ gleich für ſo geſund hielt.

Während des Aufenthalts der Ackermann'ſchen Geſellſchaft in Schleswig war Schröder mit ſeinen beiden Stiefſchweſtern ſo wie mehreren andern Büh⸗ nenmitgliedern, zu denen er wegen ihres anſtändigen Benehmens in freundſchaftlichen Beziehungen ſtand, vor das Thor hinaus ſpaziert. Es war am zwölf⸗ ten März 1775. Die Sonne ſchien mild und freund⸗ lich, ſo daß man ſchon den Odem des kommenden Frühlings empfand. Schröder, nachdem er ſich an der ſchönen Luft erquickt hatte, ging mit ſeinen Be⸗ kannten in ein an der Landſtraße befindliches Wirths⸗