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zarte, richtige Verſtändniß, welches Hedwig dabei ausſprach, beglückte Walther unendlich, und je mehr er ſie kennen lernte, deſto mehr fühlte er, welchen Schatz er in ſeiner Hedwig beſaß. War nicht die Ehe, die er mit ihr führte, das verwirklichte Ideal, welches ihm ſeine Jugendträume vorgeſpiegelt?
Und doch bei all dem Glücke, welches ſie ihm gebracht, wurden die alten Vorwürfe und Zweifel in ihm wach gerufen. Von ſeiner Vergangenheit wußte ſeine Frau noch immer kein Wort; ſo oft er hatte ſprechen wollen, verſchloß ihm doch ſtets der ſchon ſo unzählige Mal durchdachte Gedanke, daß ſie dann ihm ihre Liebe und Achtung entziehen würde, den Mund. Ihr Glück, ihre Zufriedenheit durfte er nicht ſtören; dies war auch immer die Rechtfertigung, die das Herz dem Geviſſen zurief.
Und würde ſich Hedwig wirklich von ihm gewandt haben? Wir glauben nicht; im Gegentheil, ſie würde bei ihrem ſo richtigen Gefühl, bei ihrer ſo heißen, innigen Liebe zu ihrem Manne Mittel und Wege zu finden gewußt haben ihn mit der Vergangenheit zu verſöhnen. So glücklich ſie ſich fühlte, ſo legte doch die Zurückhaltung ihres Gatten über ſein früheres Leben zuweilen einen leichten Schatten über ihr Glück. Hatte ſie in den erſten Wochen ihrer Verbindung nach
ſeinen Eltern und Verwandten gefragt, ſo war er
traurig und verſtimmt geworden; dies merkend, hatte ſie die Unterhaltung auf andere Gegenſtände gelenkt und ſeitdem auch jede weitere Frage darüber vermie⸗ den. Wäre ihre Seele nicht ſo edel geweſen, ſo würde ſie vielleicht Mißtrauen oder Verdacht geſchöpft haben, doch dies lag ihr ſo fern, daß nicht der geringſte Zweifel über ihren Mann in ihrem Herzen aufſtieg.
So waren faſt zwei Jahre in ungetrübtem Glück vergangen, und jetzt ſchien dieſes noch ſeinen Höhe⸗ punkt durch die Geburt eines Töchterchens erhalten zu ſollen. Die jungen Eltern waren entzückt ein Kind in ihren Armen halten zu können. Im innig⸗ ſten Dank zu Gott vereinigten ſich ihre Gebete an der Wiege des ihnen gewordenen Schatzes.
Die junge Mutter erholte ſich zur Freude ihres Mannes früher, als Walther bei ihrer zarten Geſund⸗ heit gehofft.
Das Kind war getauft und hatte den Namen ſeiner Mutter Hedwig erhalten. Der Tag, wo dieſe heilige Handlung fiel, war heiter und ſonnenklar, aber ſehr kalt. Dem Ende des Februars hatte es noch einmal gefallen, das winterliche Kleid anzuziehen; eine leichte Schneedecke breitete ſich über Wieſen und Felder, und ein ſcharfer Oſtwind ließ die Wärme der Sonne keinen Einfluß gewinnen. In der Kirche war
Uierle
Folge. 309
die überſtandenen Leiden noch empfänglicher, mußte ſich erkältet haben, denn gleich nach dem Kirchgange fühlte ſie ſich unwohl. Um aber nicht die Freude des Tauffeſtes zu ſtören, verhehlte ſie es, doch da das Fieber, welches ihre Glieder durchbebte, zunahm, ſo wurde Dr. Grün, der auch Taufzeuge geweſen war, aufmerkſam und nachdem er den Puls unterſucht, ſo bat er ſie, ſich niederzulegen; doch hiervon wollte ſie nichts wiſſen, ſie wußte ja, wenn ihr Eduard ſie krank wußte, wäre ihm alle Freude vernichtet, und dies durfte an dem Tauftage ihres Kindes nicht ſein! Bis gegen Abend beherrſchte ſie ſich, doch da nahm ihr Uebelbefinden ſo zu, daß ſie ſich zurückzog; die Ge⸗ ſellſchaft verließ das Haus, nur Dr. Grün blieb auf ausdrücklichen Wunſch Eduard's.
Der Arzt erklärte das Leiden für Erkältungsfie⸗ ber und machte danach ſeine Anordnungen. So ſtark das Fieber aufgetreten, ſo ließ es doch bald in ſeiner Heftigkeit nach; im Verlauf einiger Tage fühlte ſich Hedwig viel beſſer, es währte auch nicht lange, ſo durfte ſie das Bett, aber noch nicht das Zimmer ver⸗ laſſen. Bis auf einen Huſten und Mattigkeit fühlte ſie keine Beſchwerden; doch dieſe wollten trotz ange⸗ wandter Mittel nicht weichen.
Der Frühling zögerte dieſes Jahr beſonders lange ſein Recht zur Geltung zu bringen; der Oſtwind mit ſeinem eiſigen Hauche hielt die Vegetation zurück und wirkte auch nachtheilig auf alle Leidende ein; daher meinte Hedwig mit ihrer Umgebung, daß dies auch bei ihr der Fall ſei.
Wenngleich Dr. Grün gleichfalls ſehr auf die warme, milde Luft hoffte und ſich eine günſtige Aen⸗ derung für Hedwig verſprach, ſo fürchtete er doch, daß das Leiden einen tieferen Grund haben könnte; er verrieth dieſen Gedanken aber nicht gegen Walther und die Kranke, ſondern ſprach Erſterem immer Muth zu, wenn dieſer in ſeiner unendlichen Liebe über das ſich hinziehende Leiden ſeiner Hedwig ernſtlich beun⸗ ruhigt wurde.
Der April brachte endlich Frühlingswetter; Alles beeilte ſich nun in der Natur hervor zu brechen und
empor zu blühen. Die kleinen Keime, ſo lange in den Banden der braunen Knospe gehalten, ſprengten dieſe mit Ungeſtüm, ſahen nun mit ſaftige grünen Blättchen neugierig in die Welt und entfalteten ſich täglich mehr zu einem ſchön vollendeten Blatte.
Hedwig empfand wohl die milde Luft, doch eine wirkliche Hebung ihrer Kräfte wollte ſich noch nicht bemerkbar machen; ſie ſehnte ſich dennoch in's Freie zu kommen; ſie hatte bis jetzt nur durch Oeffnen der
es eiſig kalt, und Hedwig, deren zarter Körper jetzt durch
Fenſter das Frühlingswehen genoſſen. Sie war noch
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