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Vierte Folge.
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Eine Mlochenchroni für Iiteratur, Aunst, ſchöne Miſſenſchaſten und Geſellſchaſt.
Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.
No. 20.
Leipzig, am 13. Mai 1864.
II. Jahrgang.
Abonnementspreis jährl. 5 ½ Thlr.
Schickſalswege.
Novelle von
Agnes Leſſad. (Fortſetzung.)
Endlich gab der Arzt ſeine Einwilligung zur Reiſe; den Nachmittag vor derſelben ging das junge Paar mit Toni noch einmal nach dem Friedhofe. Hier ſollte der Kleine zum letzten Male an den Grä— bern ſeiner Eltern beten; Eduard hatte ſie mit hüb⸗ ſchen eiſernen Kreuzen und Blumen ſchmücken laſſen. Hedwig war gerührt, als ſie dieſen neuen Beweis des edeln Herzens ihres Mannes ſah; Toni freute ſich ebenſo, doch natürlich nach Kinderart, der das wahre, tiefe Erkenntniß noch fehlt. Vom Kirch⸗ hofe gingen ſie nach der Schlucht; Eduard und Hed⸗ wig wollten noch einmal das Hüttchen, worin ſie ſich hatten kennen und lieben gelernt, ſehen; das Wetter war wunderſchön, die Schlucht in ihrer wilden, ro⸗
mantiſchen Schönheit entzückte ſie wieder ganz; Hed⸗ wig wollte auf jeder Stelle, wo ſie geweſen, nochmals weilen. Sie durchlebte in Gedanken die wechſelnden Gefühle, die ſie dort empfunden, heute wieder; Wonne und Zweifel hatten dazumal ſie oft beherrſcht; der letztere war nun verſchwunden, die erſtere war geblie⸗ ben, doch paarte ſie ſich jetzt mit dem Schmerz um den geliebten Vater. Eduard trieb nun aber zur Eile; er beſorgte, daß die bereits aufſteigenden Nebel Hedwig ſchaden könnten. Mit bewegtem Herzen nah⸗ men ſie von der ihnen ſo theuer gewordenen Gegend Abſchied.
Früh am andern Morgen reiſten Brigitte und Carl in dem Wagen des Geheimraths; Walther mit ſeiner Frau und Toni folgten einige Stunden ſpäter in dem von Eduard. Da in jenen Jahren noch keine längeren Eiſenbahnlinien beſtanden, der Dampf die Reiſenden noch nicht im Fluge von einem Ort zum andern trug, ſo bedurften ſie zur Reiſe eine längere Zeit als heute, zumal ſich unſere Freunde nicht ſehr beeilten.
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