304 Novellen⸗Zeitung.
über einander liegender Begräbnißplätze heraus, welche der Freundin, mit der ſie ſich veruneinigt hatte, bei dem König Zeit angehörten, wo Leichname in ſteinernen Gräbern bei⸗ verleumdet worden ſein. Sie erinnerte ihn mehrmals an geſetzt wurden. Die Verſchiedenheiten aber, welche in der ſein Verſprechen, und beſonders wünſchte ſie von ihm ein ei⸗ Art der Beerdigung und in der Form der Särge beſtanden, genes Haus zum Geſchenk. Es wurden ihr aber auf ihre ließen ſofort erkennen, daß der obere Begräbnißplatz ein Bitten nur kleine Geſchenke zugeſandt, und im Jahre 1773
chriſtlicher war, während der darunter liegende dem Zeitalter des Heidenthums angehörte.
Sobald dieſe Thatſache feſtgeſtellt war, ging Herr de Pibrac, dem man die Leitung der Nachgrabungen anvertraut hatte, weiter und er vermuthete, daß das, was man ſuche, ſich vielleicht unter dem zweiten Begräbnißplatze finden möge. Seine Vermuthungen ſtellten ſich als richtig heraus, denn nach dreiwöchentlichen Nachforſchungen traf man endlich in
einer Tiefe von 4 Metres unterhalb des frühern Niveau des
Grund und Bodens auf das erſte vollſtändige Grab vermit⸗ telſt des Verbrennens, das in den— Stadt Or⸗ leans aufgezeichnet iſt.
Die Begräbnißgeräthſchaften, die ſich darin fanden, be⸗ ſtehn in einer gläſernen ſphäriſchen Urne von der Größe ei⸗ ner Orange, mit zwei Henkeln; zwei gleichfalls gläſernen Schalen von einer ſehr eleganten Form, von denen die eine einige verkalkte Stoffe enthält; ein ſehr hübſches Thränen⸗ glas und ein ſehr ſchönes bronzenes Armband, von einer Form, die den Archäologen in Orleans unbekannt iſt, und in deſſen Mitte eine Schnalle war, um es am Arme zu be⸗ feſtigen.
Um dieſe Gruppe, die noch ganz ſo war, wie ſie früher — ſicher vor mehr als 1600 Jahren— der Erde anvertraut wurde, gab es keine menſchlichen Gebeine, woraus Herr de Pibrac ſofort den Schluß zog, daß dieſelbe aus der Zeit ſtamme, wo die Leichname verbrannt wurden.
Man wird die Nachgrabungen fortſetzen und ſieht weitern intereſſanten Entdeckungen entgegen. C.
Misrellen.
Die bekannte Dichterin Anne Luiſe Karſchin wurde dem König von Preußen Friedrich II. auf ſein Verlangen in Sansſouci vorgeſtellt, und er machte ihr Hoffnung für ſie zu ſorgen. Allein ſie erhielt von ihm nur ein Geſchenk von 50 Thalern, mit dem Bedeuten, daß ſie ſich wieder melden ſolle. Ehe ſie dies that, ſoll ſie durch Veranlaſſung einer
eerhielt ſie auf einen ihrer Mahnbriefe 2 Thaler durch die Poſt mit der Beiſchrift:„Zwei Thaler zum Geſchenk für Deutſchlands Dichterin,“ wahrſcheinlich um ſie auf immer von ähnlichen Bitten abzuſchrecken. Aber ſie hatte den Muth, auf ein Blatt zu ſchreiben: „Zwei Thaler giebt kein großer König! Ein ſolch Geſchenk vergrößert nicht mein Glück; Nein, es erniedrigt mich ein wenig: Drum geb' ich es zurück.“ und das Geld wieder eingeſiegelt zurückzuſchicken. Ihre Kühnheit hatte zwar keine nachtheiligen Folgen für ſie; aber es wurde dadurch auch nichts zu ihrem Vortheile bewirkt. Etwas Aehnliches that ſie 1783, wo ihr, wahrſcheinlich auf abermaliges Bitten um ein Haus, 3 Thaler zugeſchickt wurden. Sie ſchrieb anſtatt der Quittung folgende Reime: „Seine Majeſtät befahlen Mir, anſtatt ein Haus zu baun, Doch 3 Thaler auszuzahlen.— Der Monarchbefehl ward, traun!
ömpt und treulich ausgerichtet, Und zum Dank bin ich verpflichtet.
er für 3 Thaler kann In Berlin kein Hobelmann Mir mein letztes Haus erbaun. Sonſt beſtellt' ich ohne Graun Heute mir ein ſolches Haus, Wo einſt Würmer Tafel halten,
Und ſich ärgern übern Schmaus
Bei des abgegrämten, alten
Magern Weibes Ueberreſt,
Die der König darben läßt.“ Ludwig XIV. frug einſt den Herzog von Vivonne, den Bruder der Frau von Monteſpan, welcher ſehr viel Geſchmack an der Lectüre fand:„Wozu nützt eigentlich das Leſen?“ „Sire,“ erwiderte der Herzog, der wohlbeleibt und von blühender Geſichtsfarbe war,„die Lectüre iſt für den Geiſt das, was Ihre Rebhühner für meine Wangen ſind.“— e.
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