Vierte
liegt, genau betrachten will, dann gebraucht man über einen Tag, um dorthin zu gelangen.
Noch weiter führen Gänge in die Berge hinein, aber gewöhnlich kehrt man in der Feengrotte um; trotz aller groß⸗ artigen Naturſchönheiten, die man dort unten geſehen, athmet die Bruſt freier auf, wenn das lachende Thal des Green River, von der Sonne beſchienen, wieder vor den Augen des aus der Mammuthgrotte Zurückgekehrten liegt.
Wir entnehmen dieſen Bericht als eine Naturſchilde⸗ rung von ſehr allgemeinem Intereſſe der geographiſchen
Zeitung. 9.
Die Künigin der Jagas.
In Winwood Reade's„Savage Africa“ leſen wir:
„Die Königin, welche den Fußſtapfen des großen Zimbo folgen wollte, beabſichtigte, die Welt in eine Wildniß zu ver⸗ wandeln; ſie wollte alle lebenden Thiere tödten und alle Wälder, Gräſer und Vegetabilien, die zur Nahrung dienen, verbrennen. Ihre Unterthanen ſollten ſich mit Menſchen⸗ fleiſch ernähren und Menſchenblut ſollte ihr Getränk ſein. Sie befahl, daß alle männlichen Kinder, alle Zwillinge und alle Kinder, bei denen ſich die Zähne in der obern Kinnlade früher als in der untern einſtellen, von ihren eignen Müttern getödtet werden ſollten. Von den Leichnamen derſelben ſollte in der Art, wie ſie es zeigen werde, ein Salbe gemacht werden. Die weiblichen Kinder ſollten für den Krieg er⸗ zogen und dafür ausgebildet werden; der männlichen Kriegs⸗ gefangenen ſollte man ſich, ehe ſie getödtet und deren Fleiſch gegeſſen werde, zur Fortpflanzung bedienen. Nachdem die junge Königin ihre Anrede mit der Veröffentlichung anderer Geſetze von einer geringern Wichtigkeit beendigt hatte, ergriff ſie ihr Kind, das ſie an ihrer Bruſt ernährte, warf es in ei⸗ nen Mörſer und zerſtampfte es zu einem Brei. Sie ſchüt⸗ tete denſelben in einen irdenen Topf, that Wurzeln, Blätter und Oele hinzu, das ſie Alles zu einer Salbe verarbeitete, mit welcher ſie ſich in der Gegenwart Aller einrieb, indem ſie ihnen ſagte, das mache ſie unverwundbar und nunmehr könne ſie ſich die ganze Welt unterwerfen. Ihre Unterthanen, die ſofort von einem wilden Enthuſiasmus ergriffen wurden, tödteten ihre männlichen Kinder, und es wurden ſehr große Quantitäten von dieſer Menſchenſalbe gemacht. Die Jagas verſichern, es fänden ſich noch fortwährend von dieſer Salbe, die ſie Magija Samba nennen, Vorräthe bei ihnen.
Es iſt deutlich genug, daß die Königin Tembandumba von dem Wunſche beſeelt war, ein Reich von Amazonen zu begründen, wie ſolche unter den alten Scythen, in den Wäl⸗
dern Südamerikas und in Centralafrika beſtanden haben.
Sie ſchärfte nicht blos das Tödten der Kinder männlichen Geſchlechts ein, ſondern ſie vepbot auch, das Fleiſch von Frauen zu genießen. Um aber ihre Abſichten auszuführen, hatte ſie einen Inſtinct zu bekämpfen; ſie kämpfte gegen die Natur und ſie unterlag ihr zuletzt. Mütter bedienten ſich ſo vieler Künſte, um das Leben ihrer Kinder männlichen Ge⸗ ſchlechts— welche ſie gewöhnlich mehr lieben als die ihres eigenen Geſchlechts— zu bewahren, daß die Königin ſich ge⸗ zwungen ſah, Beamte zu ernennen, welche allen Entbindun⸗ gen beiwohnen und Gehorſam gegen ihr Geſetz erzwin— gen mußten; als aber die Unzufriedenheit allgemein wurde, erlaubte ſie, daß die im Kriege gefangen genommenen Kin⸗ der geopfert und ihre Leichname zur Bereitung der Magija Samba benutzt wurden. Sie unterjochte große Gebiete, blos um ſie wüſte zu legen und zu entvölkern und die Geißeln
Folge. 303 der Hungersnoth und Krankheiten über ihr eignes Heer zu verbreiten. Sie verhütete indeſſen eine Rebellion, indem ſie ihre Soldaten immer in Kriegen beſchäftigte, in denen ihre Tapferkeit, Beharrlichkeit und ihr militäriſches Talent ihr die Bewunderung und die Folgſamkeit ihrer Anhänger bewahrte. Als ſie älter wurde, nahm ihre Grauſamkeit, Wolluſt und ihr Eigenſinn zu. Sie umarmte heute Einen ihrer Liebhaber, deſſen Fleiſch am folgenden Tage auf ihrem Tiſche erſchien. Doch trotz dieſer Unbeſtändigkeit gerieth ſie zuletzt in eine Falle, und diejenigen Leidenſchaften der Köni⸗ gin, die Andern ſo unheilvoll geworden waren, wurden in einer geſchickten Art gegen ſie ſelbſt gekehrt.“ C.
— Oſtexeier. D azette des Etrangers“, welche die Stelle eines kleinen Moniteur in Angelegenheiten des„high life“ ver⸗ tritt, offenbart das Ausbrüten zweier Oſtereier von einem wunderbaren Glanze. Sie erzählt:
„Vor einigen Tagen fand bei einer ſchönen Dame ein großes Diner ſtatt. Ein Wagen, der von zwei ſtarken Pfer⸗ den gezogen wurde, fuhr in den Hof des Hotels, trug aber kein Ei, ſonderü eine ſehr große Kugel, eine wahrhafte Ma⸗ ſchine von einem ganz ungewöhnlich großen Umfang, welche die Form eines rieſenhaften Eies hatte. Dieſe Eiform war blau bemalt, mit Bändern und Vergoldungen verziert und trug in großen Lettern die Inſchrift:
Nolite timere.
Man eilt herbei, umgiebt dieſes geheimnißvolle Ei; man befragt den Fuhrmann, welcher nichts mitzutheilen wußte. Endlich durch die lateiniſche Inſchrift beruhigt, welche beſagt: „Fürchtet nichts!“ öffnet man das Ei.
Es enthielt... ein Roß, ein prachtvolles Thier mit ei⸗ nem engliſchen Sattel und vollſtändig geſchirrt, um ſich auf demſelben ſofort nach dem Boulogner Wäldchen begeben zu können, das ſogleich ſich zu bäumen und zu wiehern anfängt, als es aus ſeinem eleganten Gefängniß ins Freie gekom⸗ men war.
Die anweſenden Kenner ſchätzten dieſes Pferd einſtim⸗ mig zu dem niedrigſten Preiſe von 15000 Fr.
Jetzt mag man es einmal wagen, ein Oſterei von einem Zuckerbäcker anzubieten, enthielte es ſelbſt einen Cachemir!
Das iſt aber noch nicht Alles: es war eine Manie, die zu einer Wuth geworden iſt.
Wiſſen Sie, was eine andre Dame als Oſterei erhal⸗ ten haben ſoll?
Das Schloß Chenonceaux, deſſen öffentlicher Verkauf für den 12. d. M. angezeigt iſt und das zu dem niedrigſten Preiſe von 1,800,000 Fr. ausgeboten werden wird; oder wenigſtens den Betrag, um es kaufen zu können.
Ein königliches Geſchenk, wenn die Nachricht wahr iſt!“
C.
Archüologiſche Torſchungen.
Die Municipalität in Orleans hat die Umgebungen von Saint Euverte unterſuchen laſſen, um einen Begräbniß⸗ platz aus der Zeit, wo die Leichname verbrannt wurden, zu entdecken. Dieſe wichtigen Forſchungen ſind mit Erfolg ge⸗ krönt worden.
Zunächſt ſtellte ſich das Vorhandenſein zwei früherer


