ten⸗ eine daß
gen,
lel,
luflage,
Vierte Folge.
301
Es ſtrömt die Luft— die Knaben ſtehn und lauſchen, Doch iſt's das flehendſte von den Gebeten,
Vom Strand herüber dringt ein Mövenſchrei; Das iſt die Fluth! Das iſt des Meeres Rauſchen; Ihr kennt es wohl; wir waren oft dabei.
Von meinem Arm in dieſer letzten Stunde Blickt einmal noch ins weite Land hinaus,
Und merkt es wohl, es ſteht auf dieſem Grunde, Wo wir auch weilen, unſer Vaterhaus.
Wir ſcheiden jetzt, bis dieſer Zeit Beſchwerde Ein andrer Tag, ein beſſerer, geſühnt;
Denn Raum iſt auf der heimathlichen Erde Für Fremde nur und was dem Fremdeu dient.
Ihr mögt dereinſt, wenn mir es nicht vergönnt, Mit feſtem Fuß auf dieſe Scholle treten, Von der ſich jetzt mein heißes Auge trennt!—
Und du mein Kind, mein jüngſtes, deſſen Wiege Auch noch auf dieſem theuren Boden ſtand, Hör' mich!— denn alles Andere iſt Lüge— Kein Mann gedeihet ohne Vaterland!
Kannſt du den Sinn, den dieſe Worte führen, Mit deiner Kinderſeele nicht verſtehn,
So ſoll es wie ein Schauer dich berühren, Und wie ein Pulsſchlag in dein Leben gehn!
Feuilleton.
Eine Wunderwelt unter der Erde.
Nicht weit von der Stadt Louisville in Kentucky fließt der Green River, ein hübſcher kleiner Fluß, der ſeinen Na⸗ men„grüner Fluß“ mit Recht trägt. Er bewäſſert den rei⸗ chen, üppigen Boden Kentucky's und zieht ſich in Schlangen⸗ windungen zwiſchen prächtigen Buchenwäldern, die mit Nuß⸗ bäumen, Eichen, Ulmen und Eſchen untermiſcht ſind, nach dem Ohio hin, mit dem er ſeine Fluthen vereinigt. Südlich von Louisville umgeben den Fluß mächtige Kalkfelſen; die mit ſchwärzlicher Moosvegetation bedeckt ſind, und deren wild durch einander geworfene Blöcke dem Thale ein roman⸗ tiſches Ausſehen verleihen. Um die Beſucher der weit und breit berühmten Mammuthsgrotte aufzunehmen, haben die Amerikaner an dieſer Stelle einen großen Gaſthof,„Mam⸗ muthshotel“, gebaut, das nicht weit entfernt vom Eingange der Höhle liegt. Dieſer kleine, in einer Schlucht liegende und zum Theil mit Buſchwerk überwachſene Eingang der Höhle läßt nicht vermuthen, daß hinter ihm die größte der bis jetzt bekannten Höhlen ſich öffnet. Um ſie ganz zu durch⸗ wandern, ſoll man fünf bis ſechs Tage gebrauchen; doch ſind nur etwa ſechs bis ſieben engliſche Meilen genau erforſcht.
Beim Beſuch der Höhle verſieht man ſich gewöhnlich gerade ſo, als ob man in ein Bergwerk anfahren will, mit ſtärkeren, ſchützenden Kleidern. Ein kleiner in den Felſen gehauener Fußſteig führt zum Eingang, aus dem ein kalter Luftſtrom hervordringt.
In der Vorhalle der Höhle, deren bedeutende räumliche Ausdehnung ſchon den Beſucher ahnen läßt, was er zu er⸗ warten hat, findet man gewöhnlich einige mit Grubenlichtern und Fackeln verſehene Neger, die als Führer dienen. Zu— nächſt ſteigt man 50 bis 60 Treppenſtufen hinab, um in eine etwa 60 Fuß breite und hohe Gallerie zu gelangen, die den Namen des berühmten Naturforſchers Audubon trägt. Die Länge derſelben beträgt etwa 2500 Fuß, und dieſe Ab⸗ theilung der Höhle bietet außer dem ſtarken Salpeteraus⸗ ſchlag nichts Beſonderes dar. Sie grenzt an einen großen Saal, die Rotunde, von welchem mannigfache Gänge aus⸗
V
abſchüſſigem Boden; er endigt in ein herrliches Kirchenſchiff, das wegen der täuſchenden Aehnlichkeit mit einem Dome und wegen der ſonderbaren Stalaktiten, welche in Strebepfeiler⸗ form daſtehen, die Bezeichnung„gothiſche Kirche“ erhalten hat. Der Name iſt glücklich gewählt, und der Eindruck, welchen die alabaſterartigen, durch Infiltration entſtandenen kalkigen und kieſeligen Säulen mit ihren Verzierungen her⸗ vorbringen, gleicht in der That dem Säulenwald eines Do⸗ mes; man unterſcheidet deutlich, ohne viel Phantaſie auf⸗ zuwenden, Kirchenſtühle und eine hübſche Kanzel, auf der ſo⸗ gar ſchon gepredigt worden iſt. Die gläubigen Chriſten, welche, mit Fackeln in der Hand, den Geiſtlichen umſtanden, ſollen genau an die erſten Bekenner des Evangeliums ge⸗ mahnt haben, welche gezwungen waren, ihren Gottesdienſt in Katakomben abzuhalten.
Beſchaut man dies Prachtgebilde der Natur beim hellen Schein der Fackeln und der dadurch bewirkten Lichteffecte länger, dann glaubt man immer mehr, daß man in einem von Menſchenhänden aufgeführten Kunſtwerke ſich befände. Alle ſonderbaren, fratzenhaften Bildwerke, welche die Stein⸗ metzen des Mittelalters an den gothiſchen Bauwerken an⸗ brachten, die Krappen, Sternblumen, Maſtwerke, Conſolen und Kragſteine zeigen ſich in täuſchender Nachbildung, ja ſelbſt eine koloſſale Orgel mit Hunderten von mächtigen Pfeifen fehlt nicht. Ihr zur Seite ſcheinen die Statuen von Heili⸗ genbildern in ſtummer, gläubiger Gebehrde auf hohen Sockeln zu ſtehen.
Ein gothiſcher, reich ausgeſchmückter Gang führt in die Geiſterkammer, welche ihren Namen von den Indianermu⸗ mien führt, welche die erſten Beſucher der Grotte dort auf⸗ fanden. Dieſer alte Kirchhof eines untergegangenen Ge⸗ ſchlechtes iſt ſonderbarer Weiſe der beliebteſte und am meiſten beſuchte Platz der Höhle.
Man fand 1813 in derſelben eine noch bekleidete Frauenleiche von 5 10“ Länge; ſie ſaß zuſammengekrümmt in einem Loch von drei Quadratfuß Oeffnung, auf welcher ein platter Stein lag. Die Daumen waren mit einer ſtar⸗ ken Schnur zuſammengebunden und, gleich den Knieen, der
laufen. Einer derſelben iſt von bedeutender Länge und ſehr Bruſt genähert. Der Körper war in zwei gegerbte Hirſch⸗
H


