Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
294
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niß. Da ich Euch vereinigt weiß, ſterbe ich ruhig. Weine nicht, meine Hedwig, gönne mir die Ruhe nach den vielen Prüfungen, die mir der Herr in ſeiner Weisheit auferlegt. Habe aber, fuhr er leiſer und erſchöpfter fort,vielen Dank für Deine Liebe, Du haſt mir die letzten Jahre erleichtert und verſüßt, mein Segen wird Dir und Deinem Mann Segen bringen und Euer Glück gründen.

Nachdem er einige Augenblicke geſchwiegen, ſagte er zu Eduard:

Beſter Walther, es würde mir mein Sterben noch mehr erleichtern, wenn ich meine Hedwig Dir durch den kirchlichen Segen verbunden ſähe; willſt Du es, ſo ſende zum Pfarrer, daß er herkommt und Euch gleich vereinigt.

Als der Baron ſchwieg, bat Eduard Brigitte, ſeinem Johann ſagen zu wollen, daß er den Paſtor er⸗ ſuche, gleich herzukommen, damit die Trauung voll⸗ zogen werden köunte.

Als Brigitte gegangen, ſagte der Kranke, er wün⸗ ſche mit Walther allein zu ſein. Hedwig und der Arzt zogen ſich zurück. In oft von Schwäche unter⸗ brochenen Worten theilte der Geheimrath Eduard mit, daß er kein Teſtament gemacht; was er ſeiner Toch⸗ ter hinterlaſſe, ſei unbedeutend, aus den vorhandenen Papieren würde Walther erſehen, welche Verluſte er gebabt. Er bat ihn Alles zu ordnen, auch hinſichts ſeiner Amtsacten; was da wäre an Geld und Sachen, gehöre natürlich Hedwig, die laufenden Jahresrech⸗ nungen müßten bezahlt werden, als ſeinen Schwie gerſohn beauftrage er ihn mit Allem. Zuletzt bat der Baron, daß Eduard Brigitte nicht verlaſſen möchte, auch würde es ihn ſehr freuen, wenn er Carl, ſeinen vieljährigen Diener, zu ſich nähme. Nach dieſen Be⸗ ſtimmungen war der Kranke einen Augenblick ſtill, dann ſprach er noch ſeine letzte Bitte aus, ihn nach Reichheim bringen, ihn dort in die Gruftenſeiner Familie, neben ſeiner theuren Frau, beiſetzen zu laſſen.

Dann iſt das Gewölbe voll, der letzte Rothen⸗ fels hat dann doch dort, Gott ſei Dank, ſeine letzte Ruheſtätte gefunden, ſagte der Kranke noch mit gro⸗ ßer Anſtrengung und lehnte ſich zurück.

Walther drückte ſeine Hand und ſicherte ihm die ſtrengſte Erfüllung aller ſeiner Wünſche zu. Jetzt durchzuckte ihn der Gedanke, dem Vater Alles zu offenbaren, was auf ihm laſte, doch ein Blick auf den Leidenden ließ ihn verſtummen; er ſchien ſo erſchöpft, daß eine derartige Mittheilung gleich den augen⸗ blicklichen Tod herbeigeführt haben würde; jetzt mußte er ſchweigen.

Als Hedwig nach einer ihr ſo unendlich lang er⸗ ſcheinenden Zeit, von Beſorgniß getrieben, leiſe die

Novellen⸗Zeitung.

Thür öffnete, um ſich zu überzeugen, wie es dem ge⸗ liebten Vater erginge, winkte ihr Eduard; ſie ſetz⸗ ten ſich vereint an's Bett und belauſchten jeden Athemzug des unruhig Schlummernden.

Nach Verlauf von zwei Stunden trat der Geiſt⸗ liche in Begleitung des Arztes, Küſters, Brigittes und Johann's in das Gemach. Beim Geräuſch der Schritte ſchlug der Baron die Augen auf, gab das Zeichen, daß der Geiſtliche ſich ihm nahe, gab ihm die Hand und winkte, daß die heilige Handlung vollzogen werden möchte. Kein äußeres Zeichen ſchmückte das Brautpaar, kein Myrthenkranz, kein Schleier zierte die Stirn der Braut, kein rauſchender Atlas umwallte ihre zarte Geſtalt; nicht einmal Ringe waren vorhanden, um der Verei⸗ nigung das Bild des äußeren Symbols zu verleihen. Doch dieſen Mangel beſeitigte der ſterbende Vater: er zog ſeinen und ſeiner Frau Trauring vom Finger und gab ſie dem Geiſtlichen. Nach einigen tief er⸗ greifenden Worten ſegnete derſelbe das Paar ein. In der tiefſten Bewegung kniete es nieder, um auch den Segen des geliebten Vaters zu erhalten; ſo ſchwach er war, ertheilte er denſelben mit deutlicher Stimme. 47

Die arme Hedwig erlag faſt dem Schmerze; Eduard ſtützte und hielt ſie; Troſtesworte zu ſprechen verſuchte er nicht, hier war menſchlicher Troſt zu ſchwach, hier konnte nur Gott durch ſeine Gnade Troſt und die Zeit Milderung des Schmerzes ſenden!

Der Kranke verlangte jetzt das heilige Mahl. Der Pfarrer gab ihm die Abſolution nach den Regeln der evangeliſchen Kirche, das heilige Mahl und den Segen mit zitternder Stimme, während der Anweſen⸗ den lautes Schluchzen ſeine Worte begleitete. Dann nahm der Sterbende von ſeinen Kindern und allen Umſtehenden Abſchied, indem er auch Brigitte und Carl noch die Hand reichte. 4*.

Einige Ruhe trat nach dieſen ergreifenden Auf⸗ regungen ein; der Geheimrath ſchlief ſanft. Eine, ſchwache Hoffnung keimte ſchon in dem Herzen Hed⸗ wig's auf, doch ſollte ſie ſich nur zu hald als truͤglich erweiſen. Gegen Morgen trat nochmals ein Schlag⸗ anfall ein, und nach einigen Minuten hauchte der Vater in den Armen ſeiner Kinder den letzten Seuf⸗ zer aus.

Hedwig war ſtarr vor Schmerz, keine Thräne entfiel ihrem Auge, keine Sylbe ihren Lippen, re⸗ gungslos hielt ſie das Haupt ihres Vaters an ihre Bruſt gedrückt. Walther, der Arzt, der Pfarrer ver⸗ ſuchten ſie zu bewegen die Leiche zu verlaſſen, doch die liebevollſten, beſchwörendſten Worte ihres Mannes,

die ermahnendſten des Paſtors und des Arztes ver⸗

mochten nicht die Starrheit zu bannen.

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