Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
291
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haften Geſprächs kein Auge von ihr wandte, fand ſie hier in ihrer eigenen Häuslichkeit noch reizender, als ſie ihm ſchon als Pflegerin der armen Kranken erſchie⸗ nen war. Ihre Obliegenheiten beſorgte ſie mit einer Ruhe und Stille, dabei mit einer Geſchwindigkeit, daß bald alles bereit ſtand, und ſie die Herren bat, ſich an den gedeckten Tiſch zu ſetzen. Hier wurde die Unterhaltung allgemeiner, und Walther hatte Ge⸗ legenheit das junge Mädchen immer mehr zu bewun⸗ dern. Wie allerliebſt war ihr Benehmen gegen ihren Vater; wie wußte ſie dem ernſten, düſtern Mann dann und wann ein Lächeln abzugewinnen; wie ſorgte ſie für die geringſte Kleinigkeit! Wenn ſie auch noch ſo eifrig ſprach, ſo hatte ſie doch ſtets ihr Auge auf ihm, um jedem ſeiner geringſten Wünſche zuvorzukommen.

Eduard erfuhr auch nun von ihr, daß ſie in Reichheim geboren, in der dortigen Dorfkirche getauft, und daß ſie bis zu ihrem achten Jahre jeden Som⸗ mer dort verlebt. Sie erinnerte ſich noch jeder Stelle im Garten, jedes Zimmers im Hauſe; an jedes Fleck⸗ chen ſchien ſich ein beſonderes Intereſſe zu knüpfen; von jedem hatte ſie eine Erzählung; wie durchflog ſie in Gedanken alle Räume; wie oft fragte ſie Walther nach dieſem oder jenem; wie oft leuchtete dann ihr Auge in doppeltem Feuer, wenn er ihr ſagte, daß die⸗ ſer oder jener Baum, dieſes oder jenes Luſthäuschen noch ſtände, wie dieſes oder jenes alte Möbel noch vorhanden.

Der alte Herr hatte dieſen Fragen und Antwor⸗ ten ſtill zugehört, doch ſeinen Mienen ſah man die größte Theilnahme an; jetzt ſagte er faſt ſchmerzlich: Ja, es ſind ſchöne Erinnerungen, die ſich für uns an Reichheim knüpfen, die genußreichſten Zeiten mei⸗ nes Daſeins habe ich dort verlebt, aber daß dies nur noch Erinnerungen ſind, hat etwas ſeyr Betrü⸗ bendes.

Bei dieſen Worten hatte Hedwig ihren Vater recht traurig angeblickt; ſchnell bekämpfte ſie aber dieſe Trauer und gewandt wußte ſie die Unterhaltung auf einen andern Gegenſtand zu leiten. Nachdem noch

etwas geplaudert, die Stimmung wieder ihr Gleich⸗

gewicht gewonnen, empfahl ſich Walther. Beim Ab⸗

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ſchiede reichte ihm der Baron die Hand und bat ihn

ſeinen Beſuch, ſo oft er wolle, zu wiederholen; Eduard

verſprach dies nur zu gern, und ſo trennten ſie ſich.

Mit jedem Beſuch, den nun Walther machte, dies war faſt täglich gewann der Geheimrath ihn lieber; die gediegenen Kenntniſſe, die unſer jun ger Freund beſaß, ſprachen ihn ſehr an; ja, mit Theilnahme, ſelbſt Vorliebe folgte er ſeinen Reden, und dieſes entſchiedene Wohlgefallen verhehlte er ſei⸗

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Dieſe freute ſich innig, wenn ſie ein ſolches Urtheil von ihrem Vater hörte; ihr Herz ſchlug jedesmal höher, wenn ſie Eduard ſah. Wenn ſie auch in ihrer Unſchuld ſich noch nicht bewußt war, wie innig das⸗ ſelbe an ihm hing, ſo konnte ſie doch vor ſich ſelbſt das erhöhte Intereſſe, das er ihr einflößte, nicht leugnen.

Und wie ſtand es mit ihm? Eduard fühlte nur zu deutlich, welche Macht Hedwig ſchon in ſeinem Herzen beſaß. Er liebte ſie mit der ganzen Innig⸗ keit ſeiner Seele; ihr Bild, ihr Sein füllten alle ſeine Gedanken. Wenn er mit ihr zuſammen kam, fühlte er ſich zufrieden, ruhig, ja ſogar glücklich. In ihrer Gegenwart vermochte die Vergangenheit für ihn in ein Nichts zu verſinken; alle ſeine Qualen ſchwie gen dann, er ſah nur ſie, empfand nur die Seligkeit ihrer Gegenwart. Alle Vorſätze ſie zu meiden, ſie zu fliehen, verſchwanden dann gleich Seifenblaſen; nur für ſie wollte er dann leben; ſie ſollte ihm helfen, wieder gut zu werden, wieder Vertrauen zu ſich ſelbſt zu faſſen. Sie ſollte ihm beiſtehen, überall Wohlthaten auszuſtreuen, Gutes zu ſtiften; durch ſie hoffte er ſich mit ſeinem Gott zu verſöhnen. Wie oft ſagte er ſich dann nicht, daß ſie ihm ein von der höchſten Gnade geſandter Engel wäre, um ſein Handeln zu ſühnen, den abgeſchiedenen Geiſt ſeines Freundes zu verſöhnen, den Fluch der Mutter in Segen umzuwandeln! Wenn er aber allein ach, dann, dann in den ruheloſen Nächten erwachten wieder alle die ſchrecklichen Zweifel, die wie quälende Dämonen ſein Lager umkreiſten, und ihn dann auch den Tag über nicht verließen.

Dieſe verſchiedenen Gemüthsſtimmungen mußten ſich in ſeinem Aeußern wiederſpiegeln; daher war er oft ganz Liebe und Hingebung für Hedwig, bald war er kalt, fremd, abgeſchloſſen. Unter dieſem Wechſel litt das arme Mädchen ſehr, denn ſie konnte es ſich ſelbſt nicht länger verbergen, daß ſie Eduard mit der ganzen Innigkeit ihres Herzens liebte. So ſehr ſie ſich beſtrebte ihren fröhlichen Gleichmuth äußerlich zu behaupten, ſo gelang ihr dies bei ihrer Natürlich⸗ keit nur ſchlecht. Selbſt ihrem ernſten Vater entging dies nicht. Er hatte wohl das gegenſeitig wachſende Intereſſe zwiſchen Walther und Hedwig bemerkt und dies nicht ungern geſehen, denn daß Eduard ein Ehrenmann in jeder Beziehung ſei, glaubte er ſicher annehmen zu können.

Mit welchem warmen Lobe hatte nicht auch der Pfarrer Weimuth ſich immer in ſeinen Briefen über ihn geäußert! Auf dieſen Ausſpruch gab der Baron viel, er kannte den Paſtor genau; der Schwiegervater deſſelben war ſein langjähriger vertrauteſter Freund