286 Novellen⸗Zeitung.
worden, mit der Republik einen Tractat in ganz entgegen⸗ geſetztem Sinne abzuſchließen, und befinde ſich nicht mehr in der Lage, ſeine Verbindlichkeiten gegen Frankreich zu erfüllen. Pinchesne wußte jedoch, daß Matthioli ſich heimlich einige Tage in Mailand aufgehalten und über die Verhaftung des Baron v. Asfeld nicht die mindeſte Unruhe an den Tag ge⸗ legt habe; er konnte deshalb auf ein Einverſtändniß deſſelben mit Spanien ſchließen. Er begnügte ſich jedoch, ihm die Gefahr vorzuſtellen, welcher er ſich für ſeine Perſon bei dem Mißlingen des Projectes ausſetze, und verabredete mit ihm, daß er ſich einſtweilen nach Turin begeben ſolle.
Der König von Frankreich hatte unterdeſſen zwar die Verhaftung des Baron v. Asfeld erfahren, wußte aber noch nichts Genaueres über das perfide Benehmen Matthioli's und ließ Catinat den Befehl zugehen, in dem oben genannten Orte die Auswechslung der Urkunden zu bewerkſtelligen. Dieſer reiſte in Begleitung des Gouverneurs Saint⸗Mars von Pignerol ab, erfuhr jedoch durch einen vorausgeſandten Officier, daß der italieniſche Graf noch nicht erſchienen, daß dagegen die Bauern ſich bewaffnet haben und ein Cavalerie⸗ detachement gegen ihn, Catinat, ausgeſchickt ſei, um ihn nach Caſal zu bringen.
Hätte es nach dem Allen noch eines Beweiſes gegen
Matthioli bedurft, ſo ließ ein ſolcher ebenfalls nicht auf ſich
warten. Der Abbé d' Eſtrades, welcher auf ſeinen Poſten zurückgekehrt war, wurde von der Herzogin Johanna von Savoyen, einer Frankreich ergebenen Fürſtin benachrichtigt, daß der ränkevolle Italiener ihr die Copien der auf die Un⸗ terhandlungen bezüglichen Schriften zugeſtellt und überhaupt das ganze diplomatiſche Geheimniß bis in die kleinſten De⸗ tails verrathen habe; auch erfuhr er von anderer Seite, daß Matthioli ſich ſogar weigere, dem Herzog von Mantua die Originalurkunden des Tractats auszuliefern.
Der Geſandte erhielt nun von Verſailles die Weiſung, ſich der Perſon des Verräthers zu bemächtigen; eine Aufgabe, die nicht ganz leicht war und das volle Maß der Umſicht erforderte, welche dem Abbé d' Eſtrades wirklich eigen war. Derſelbe, obgleich er wußte, daß Matthioli von Oeſterreich 2000 Livres und von Spanien 500 Goldthaler erhalten hatte, blieb in beſtändigem Briefwechſel mit ihm und zog ihn ſogar noch in eine perſönliche Unterredung, wobei er das Mißtrauen, das er gegen ihn hegte, nur leiſe andeutete, dagegen ihm Ausſicht auf einen Theil der beträcht⸗ lichen Summen machte, welche Catinat bei ſich führe, und ihm einen eine halbe Meile von Turin gelegenen Ort bezeich⸗ nete, wo er die Gelder zur Beſtreitung der zur Beförderung des Zweckes erforderlichen Ausgaben in Empfang nehmen könne.
Diesmal ließ der Gauner nicht auf ſich warten; er fand ſich beim Rendezvous pünktlich ein und legte mit dem Abbé, der ihm entgegengekommen war, gemeinſchaftlich den Weg nach dem Gebäude zurück, wo die Verhandlung ſtattfinden ſollte. Er arbeitete ſogar an der Wiederherſtellung einer Brücke, die durch einen ausgetretenen Bach beſchädigt war, den ſie zu überſchreiten hatten. Sobald ſie in das Zimmer geführt worden, wo Catinat ihrer harrte, brachte der Abbé Matthioli zu dem baldigen Geſtändniß, daß die Papiere, die er dem Herzog verweigert zu haben beſtritt, ſich in den Hän⸗ den ſeiner in Bologna in einem Kloſter weilenden Gattin befänden. Hierauf verließ der Abbé d' Eſtrades, ohne ein Wort weiter an ihn zu richten, das Zimmer, und Matthioli wurde, obgleich er ſtets Dolch und Piſtolen bei ſich führte, widerſtandlos verhaftet und in die Citadelle von Pignerol
gebracht, wo Catinat ihn dem einzigen Mitwiſſer des Ge⸗ heimniſſes, Saint-Mars, übergab. Es geſchah dies am 2. Mai 1679. An einem der nächſten Tage bekannte Mat⸗ thioli, welcher von nun an in der officiellen Correſpondenz als Sieur de Leſtang aufgeführt wird, daß ſeine Gattin die Papiere nicht beſitze, ſondern daß dieſe in der Wohnung ſeines Vaters in Verona in einem Mauerloch verborgen ſeien. Giuliani gelang es ſpäter ſich ihrer zu bemächtigen.
Die franzöſiſchen Truppen wurden hierauf von der Grenze zurückgezogen und rückten unter Catinat wieder in Frankreich ein, womit dieſe geſchichtliche Epiſode abſchloß.
Von Matthioli haben wir, Details übergehend, nur Weniges noch zu ſagen. Louvois ſchrieb an St. Mars, er möge den Sieur de Leſtang in ſtrengem Gewahrſam halten, und es ſey der Wille des Königs, daß er hart behandelt und ihm nur das zum Leben Nothwendige verabreicht werde; eine Weiſung, an welche man ſich genau gehalten zu haben ſcheint. Saint Mars wechſelte im Laufe der Jahre wiederholt ſeinen Poſten, ging 1681 nach Exiles, 1687 nach der Inſel Sainte⸗ Marguerite und ward endlich im Jahre 1698 zum Gouver⸗ neur der Baſtille ernannt. Auf allen dieſer Reiſen begleitete ihn ſein Gefangener in einer verſchloſſenen Sänfte, welche nur von oben Luft und Licht erhielt, und wobei er wahr⸗ ſcheinlich eine Maske von ſchwarzem Sammt mit ſtarken Fiſchbeinſchienen trug, die am Hinterkopf mit einem ver⸗ ſiegelten Vorlegeſchloß feſtgehalten wurde. In der Baſtille ſoll er dieſe Maske beſtändig getragen haben.
Nach einer Gefangenſchaft von 24 Jahren, 6 Monaten und 18 Tagen ſtarb endlich Matthioli faſt eines plötzlichen Todes am 19. November 1703, 11 Tage vor erreichtem 63. Lebensjahre. Sein Leichnam wurde in neue Leinwand ge⸗ wickelt und am andern Tage unter den Namen Marchialy auf den Kirchhof zu St. Paul begraben. Alles, was er im Gebrauch gehabt hatte, wurde dem Feuer übergeben, die Wände ſeiner Zimmer wurden abgekratzt und friſch über⸗ tüncht; man trieb die Vorſicht ſelbſt ſo weit, die ſilbernen, kupfernen und zinnernen Geräthe, deren er ſich bedient, ein⸗ zuſchmelzen und den Fußboden aufzureißen, um jedes mög⸗ liche Merkmal, welches über ſeine Perſon hätte auf die rich⸗ tige Spur leiten können, zu vertilgen.
Aleberſchmemmungen und Anglücksfälle.
Der„Sheffield and Rotherham Independent“ vom 19. März c. ſagt über dieſen Gegenſtand:
Das Berſten des Bradſield⸗Waſſerbehältniſſes iſt der vierte Unglücksfall dieſer Art, der ſich während der jetzigen Generation ereignet hat. Der erſte derſelben trug ſich am 21. Auguſt 1848 in Over⸗Darwen zu, wo ein Waſſerbe⸗ hältniß, das eine halbe Meile von der Stadt entfernt lag, zerbarſt. Dasſelbe war 150 Fuß breit, 330 Fuß lang und 24 Fuß tief. Am Ende nach der Stadt war das Waſſer⸗ behältniß durch eine hohe Eindeichung beſchützt. Die nächſte Veranlaſſung zu dieſem Berſten gab ein heftiges Gewitter mit einem ſtarken Regenguſſe. Eine große Menge Waſſer ergoß ſich plötzlich in das Waſſerbehältniß. Die Dämme zerbarſten ſofort, Mauern wurden niedergeriſſen, Häuſer fortgeſchwemmt und 24 Perſonen verloren dabei ihr Leben.
Der zweite Unglücksfall war der bekannte in Holm⸗ firth. In dieſem Falle waren die Dämme der Waſſerbe⸗ hältniſſe queer durch die Thäler geführt, und lange Zeit an⸗ haltende und ſchwere Regengüſſe hatten ſie bis zu einer un⸗
gewö ruhig Beach worde 1852 Eindem d V Am f dem St. Reit ſch ner zwa vier eine Pa ſen di ſ wac 4⁰⁰ 60,0 zäch
.


