Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
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Vierte Folge.*

brachte ihn auf die Inſel Sainte⸗Marguerite, wo er noch unter der Aufſicht des Gouverneurs Saint⸗Mars weilt. Es iſt dies eine ebenſo ſeltſame als glaubwürdige Nachricht.

Obgleich, wie wir weiter unten zeigen werden, dieſer Artikel wenigſtens auf das richtige Terrain führte und zu ei⸗ ner Zeit erſchien, in welcher die Thatſache, ſo zu ſagen, noch feucht war, blieb er dennoch ſo gänzlich unbeachtet, daß erſt faſt 90 Jahre ſpäter(1770), während alſo ſchon die Vol taire'ſche Anekdote das Publicum lebhaft beſchäftigte, das Journal eneyclopédique auf äußere Anregung ihn in ſeine Spalten aufnahm, wo er, kaum bemerkt, abermals der Ver⸗ geſſenheit auheim fiel. Endlich ſcheint der franzöſiſchen Re⸗ gierung ſelbſt daran gelegen geweſen zu ſein, über dieſe An⸗ gelegenheit das gehörige Licht zu verbreiten, und, man darf vorausſetzen, auf ihre eigene Veranlaſſung erſchien im Jahre 1825 eine auf Grund der in dem Staatsarchive und dem Miniſterium der auswärtigen Angelegenheiten vorhandenen bezüglichen Actenſtücke bearbeitete Histoire de l' Homme au masque de fer. Par J. Delort, welche uns zur Quelle für nachſtehende kurz gefaßte Darſtellung diente.

Obſchon Frankreich im Jahre 1632 die kleine piemonte⸗ ſiſche Stadt Pignerol am Eingange des Thals von Peyrouſe vom Hauſe Savoyen durch Kauf erworben und daſelbſt eine ſehr ſtark befeſtigte Citadelle aufgeführt hatte, ſo erſtrebte es dennoch ferner den Beſitz der Feſtung Caſal, der Hauptſtadt von Mont⸗Ferrat, weil ihm dieſe zu einem gelegentlichen Einfall in Italien, auf welches die eroberungsſüchtigen Pläne Ludwig's XIV. gerichtet waren, günſtiger gelegen zu ſein ſchien. Der Abbé d' Eſtrades, franzöſiſcher Geſandter bei der Republik Venedig, entwarf daher ein Project zu einem Tractat, durch welches ſich der Herzog von Mantua, Ferdinand von Gonzaga, verbindlich machen ſollte, franzö⸗ ſiſche Garniſon in dieſen Platz aufzunehmen. Wollte man überhaupt auf das Gelingen dieſes Planes rechnen, ſo galt es vor Allem, denſelben geheim zu halten, da Oeſterreich und Spanien, ſobald ſie davon Wind bekommen hätten, ihn ſofort zu vereiteln geſucht haben würden. Uebrigens befand ſich der junge Herzog, obwohl er mündig war, doch noch in gro⸗ ßer Abhängigkeit von ſeiner Mutter, welche wieder von dem dem Hauſe Oeſterreich ergebenen Mönche Bulgarini beherrſcht wurde. Um nun den Herzog, der ſich von dieſem Joch zu befreien wünſchte, durch eine Mittelsperſon zu beeinfluſſen, bedurfte es eines gewandten Diplomaten, welchen der Abbé d'Eſtrades in dem Grafen Matthioli gefunden zu haben glaubte, welcher Staatsſecretair des verſtorbenen Herzogs von Mantua geweſen und mit allen Geheimniſſen der italie⸗ niſchen Fürſten innig vertraut war, auch laut den Wunſch geäußert hatte, ſich dem König von Frankreich angenehm zu machen. Ehe er ſich ihm aber offenbarte, ließ ihn der Abbé durch einen gewiſſen Giuliani in Verona, wo er lebte, heim⸗ lich beobachten, welcher, nachdem er für die Zuverläſſigkeit Matthiolus gebürgt, ſelbſt die Unterhandlungen mit dieſem begann, und ihm dabei das Geheimniß entlockte, daß auch Spanien damit umgehe, ſich Caſals und der ſämmtlichen Staaten des Herzogs von Mantua zu bemächtigen. Der Graf ging mit einem ſolchen Eifer auf das Project ein, daß er ſchon am andern Morgen eine geheime Unterredung mit dem Herzog hatte, welcher in einer bald darauf Giuliani ge⸗ währten Audienz einwilligte, Caſal Frankreich zur Verfügung zu ſtellen. Außerdem wurde eine Zuſammenkunft des Her⸗ zogs mit dem Abbé d' Eſtrades während des Carnevals in Venedig verabredet, wodurch die Ausführung des Projects einen Aufſchub erlitt, den Matthioli zu verſchiedenen Reiſen

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benutzte, um die Wachſamkeit der benachbarten Fürſten zu täuſchen und mit⸗dem Geſandten wegen des Preiſes zu un⸗ terhandeln. In der am 13. März 1678 wirklich ſtattfin⸗ denden Zuſammenkunft des Herzogs mit dem Abbé d' Eſtra⸗ des erklärte ſich dieſer mit dem Vorſchlage des erſteren ein⸗ verſtanden, den Grafen Matthioli nach Paris zu ſenden, um dem König, an den er ſich ſchon brieflich gewendet, ſelbſt ein Bild von ſeiner Lage zu entwerfen. Von Giuliani be⸗ gleitet, langte Matthioli gegen Ende November in Verſailles an und ſtellte ſich dem Miniſter der auswärtigen Angelegen⸗ heiten, Herr v. Pomponne, vor, wo er auch den Abbé d' Eſtrades antraf und den in folgenden Hauptſtücken beſtehen⸗ den geheimen Tractat abſchloß: 1. Der Herzog von Man⸗ tua willigt in die Beſetzung Caſals durch franzöſiſche Trup⸗ pen. 2. Wenn der König von Frankreich zufällig(si le ha- sard voulait) eine Armee in Italien einrücken laſſen ſollte, übernimmt der Herzog den Oberbefehl über dieſelbe. 3. Un⸗ mittelbar nach der Ausführung des Tractats wird dem Her⸗ zog die Summe von hunderttauſend Thalern ausgezahlt.

In einer geheimen Audienz beim König erhielt Mat⸗ thioli von dieſem einen werthvollen Ring nebſt einer Geld⸗ ſumme mit dem Verſprechen noch anſehnlicherer Belohnun⸗ gen nach Vollzug des Tractats. Mit den detaillirteſten Inſtructionen über ſein ferneres Verhalten, womit ihn der Miniſter Louvois ſelbſt verſehen, kehrte nun der Graf nach Mantua zurück, wo der Herzog, der ihm verſprochen hatte, ihn in ſeine früheren Functionen als Staatsſecretair wieder einzuſetzen, ihn ſehnlichſt erwartete.

Frankreich ergriff hierauf ſeine weiteren Maßregeln. Unter dem Marquis de Boufflers vereinigte es eine Armee an der Grenze unterhalb Briangon; der Brigadier Catinat begab ſich heimlich unter dem Namen Richemont in die Cita⸗ delle von Pignerol, und der Oberſt Baron von Asfeld reiſte mit der wichtigen Sendung, die Urkunde auszutauſchen, nach Venedig, wo Pinchesne als Chargé d' affaires für den ab⸗ weſenden Abbé d' Eſtrades die Geſchäfte leitete. Der Graf Matthioli zögerte jedoch, ſich hierzu einzufinden, und zeigte ihnen nach einigen Tagen ſchriftlich an, daß der Herzog ſelbſt einen Aufſchub in der Angelegenheit verſchulde, indem er ſich ausſchließlich mit den Vorbereitungen zur Aufführung eines Carrouſels beſchäftige.

Unterdeſſen hatte der Marſch franzöſiſcher Truppen nach der Grenze ganz Italien in die lebhafteſte Unruhe verſetzt, da man daraus ſchloß, Ludwig XIV. beabſichtige, Caſal und Genua anzugreifen oder Savoyen zu überfallen. Die Ge⸗ ſandten von Wien und Madrid bei der Republik Venedig eilten nach Mantua und ſchilderten dem Herzog die aus der Abtretung Caſals für Oeſterreich und Italien entſtehenden Gefahren. Dieſer vermochte ſie auch nicht, trotz aller gegen⸗ theiligen Verſicherungen, von der Grundloſigkeit der verbrei⸗ teten Gerüchte zu überzeugen.

Matthioli traf hierauf in Venedig ein und betheuerte den Herrn von Asfeld und Pinchesne, die Auswechslung der Urkunden ſolle am 9. März in dem eine Meile von Caſal gelegenen Dorfe Notre⸗Dame d' Incréa ſtattfinden und der Herzog werde am 18. deſſelben Monats in Caſal die fran⸗ zöſiſchen Truppen übernehmen. Infolge deſſen reiſte Herr v. Asfeld nach Pignerol ab, wurde aber unterwegs auf Be⸗ fehl des Gouverneurs von Mailand, Grafen Melgar, ver⸗ haftet und nach Mailand gebracht, wo er bis nach Zurück⸗ ziehung der franzöſiſchen Truppen als Gefangener bleiben ſollte. Endlich kehrte Matthioli nochmals nach Venedig zurück und eröffnete Pinchesne, der Herzog ſei gezwungen