Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
283
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Vierte Folge.

von Vermandois, Großadmiral von Frankreich, einen natür⸗ lichen Sohn Ludwig's XIV. und der Madame de la Valière, oder den Herzog von Monmouth, einen natürlichen Sohn Karl's II. von England und der Lucie Waltbers, oder den Herzog von Beaufort, einen Enkel Heinrich's IV. und der Gabriele d'Eſtrées, ſchmachten zu ſehen, bald Fouquet, Vi⸗ comte de Melun et Vaux, Oberintendant der Finanzen wäh⸗ rend der Minderjährigkeit Ludwig's XIV., ſogar einen Zwil⸗ lingsbruder oder endlich den Jugendfreund dieſes Monar⸗ chen, den Grafen, ſpäteren Herzog von Lauzun, unter ihr zu entdecken.

Bei Vergleichung der in Frage kommenden Daten und der hiſtoriſchen Vorgänge, bei welchen alle die Genannfen eine hervorragende Rolle geſpielt, hatte man jedoch bald ſei⸗ nen Irrthum eingeſehen; und da Voltaire ſelbſt das Factum berichtet, ohne eine Perſon namhaft zu machen, ja nur auf eine ſolche hinzudeuten, vielmehr ausdrücklich bemerkt, daß um die betreffende Zeit keine Celebrität vermißt worden ſei; da man alſo mit einem Worte eine Geſchichtz hatte, und zwar eine ſehr piquante, aber keinen Helden dazu: ſo ſah ſich die öffentliche Meinung genöthigt, ſich ſelbſt einen ſolchen zu ſchaffen. Mit großem Rechte glaubte ſie, denſelben in den höchſten Regionen der Geſellſchaft ſuchen zu ſollen, denn ein obſcures Subject würde man nicht mit einem derartigen ge⸗ heimnißvollen Apparat umgeben haben. Es handelte ſich aber dabei noch darum, ob die eiſerne Maske das Antlitz ei nes Verbrechers oder eines Unglücklicheren bedeckt habe, an welchem ſelbſt ein Verbrechen begangen worden war. Die öffentliche Meinung folgte auch hier wieder dem mächtigen ſympathiſchen Zuge, der ſie ſtets durchdringt, indem ſie das Letztere wählte.

Die Tuilerien, der Louvre und alle die die Reſidenz umprangenden oder in reizenden Verſtecken gelegenen könig lichen Paläſte waren in den Augen des Volkes eben ſo viele Zauberſchlöſſer, in denen ſich nicht nur Glanz und Herrlich⸗ keit entfaltete, ſondern die auch die Schauplätze finſterer Tha⸗ ten waren, von welchen, bei der Unnahbarkeit des Hofes für alle außerhalb deſſelben ſtehenden Kreiſe, die Kunde in ſagen hafter Geſtalt, ſtationsweiſe immer wunderbarer ausgeſchmückt, bis in die unterſten Schichten herab transpirirte. Zu der⸗ gleichen So Jelhe dort oft ein treueres Gedächtniß fin⸗ den, als entllce Geſchichte des Landes, hatte das Le⸗ ben der ſchoͤnen Gemahlin Ludwig's XIII., Anna von Oeſter⸗ reich, allerdings reichen Stoff geboten, und man glaubte nicht zu ſehlen, wenn man in ihr die Mutter des Helden ſuchte, den man eben brauchte. Die heftige Leidenſchaft der heißblütigen Spanierin für den Geſandten Englands war bekannt, die übrigen Folgerungen bildeten ſich von ſelbſt und endeten in dem kühnen Schlußſatze, daß der Mann mit der eiſernen Maske die Frucht jener Leidenſchaft geweſen ſei.

Wir fühlen uns durchaus nicht berufen, eine Lanze für die Tugend Anna's von Oeſterreich zu brechen, und ſind vielmehr der Meinung, daß es ihre offenkundigen Fehltritte gewiß nicht verringert, wenn dieſelben auch ohne Folgen ge⸗ blieben ſein ſollten. Aber es muß an dieſer Stelle hervor⸗ gehoben werden, daß nirgend ein Beweis für die Exiſtenz eines ſolchen Liebespfandes vorhanden iſt. Man ſchloß alſo nicht: Weil die Königin ein heimlich gebornes Kind zu ver⸗ bergen gehabt hatte, ſo iſt es wahrſcheinlich, daß dieſes Kind der ſpätere Mann mit der eiſernen Maske war, ſondern man folgerte rückwärts: Weil ein Mann mit der eiſernen Maske exiſtirte, ſo iſt es wahrſcheinlich, daß dieſer ein Sohn des Herzogs von Buckingham und der Königin war. Auf wel⸗

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chen ſchwachen Füßen dieſer Schluß ſteht, glauben wir nicht erſt erörtern zu müſſen, und außerdem gebieten uns Rück⸗ ſichten, in dieſem Blatte nicht in tiefere Betrachtungen ein⸗ zugehen, welche zu anderen Reſultaten hinzuleiten geeig⸗ net ſind.

Wenden wir uns nun aber zu der Erzählung des Her⸗ zogs von Richelieu und nehmen mit ihm an, daß die Königin ſich wirklich in der von ihm geſchilderten kritiſchen Lage be⸗ funden habe, ſo glauben wir dagegen mit Sicherheit behaup⸗ ten zu dürfen, daß ſeinglorreicher Verwandter der Letzte geweſen wäre, an den ſie ſich in ihrer Verlegenheit gewendet haben würde. Sein aus verſchmähter Liebe zu ihr entſtamm⸗ ter Haß machte ihn ja ſelbſt zum ſteten Angeber ihrer Ver⸗ irrungen beim Könige, und ſie hatte nicht den mindeſten Grund, in ihrem ergrimmten Feinde eine Großmuth voraus⸗ zuſetzen, die ihn zum Hüter eines ſolchen Geheimniſſes hätte berufen erſcheinen laſſen. Er würde dieſes Vertrauen auch ſchlecht gerechtfertigt haben. Jedenfalls hätte es iyn aber wenigſtens verſöhnen müſſen, und es iſt bekannt, daß der Car⸗ dinal Richelieu bis zu ſeinem Tode der erbittertſte Feind Anna's von Oeſterreich blieb. Ein weiblicher Beiſtand würde dieſer übrigens zu ungleich größerem Heile gedient und von Seiten ihrer Freundin und Vertrauten, der Herzogin von Chevreuſe, die ſich niemals um ein Auskunftsmittel in Ver⸗ legenheit befand, auch ſchwerlich gefehlt haben.

Wenn der Herzog von Richelieu weiter erzählt, der an⸗ gebliche Baſtard ſey anfänglich der Frau von Motteville anvertraut, nach dem Tode des Cardinals aber derſelben von Mazarin wieder entriſſen und bis zum 16. Jahre im Ge⸗ fängniß gehalten worden, und er habe wegen ſeiner über⸗ raſchenden Aehnlichkeit mit Ludwig XIV., um möglichen Unruhen vorzubeugen, ſowie um die Schwachheit der Köni⸗ gin zu verbergen, eine Maske tragen müſſen: ſo haben wir zunächſt dagegen zu bemerken, daß Frau von Motteville ſehr inhaltreiche Memoiren hinterlaſſen hat, welche mehrfach von Voltaire benutzt worden ſind, der ſie ſelbſt wahrheits⸗ liebend(sincère) nennt, dieſe Memoiren aber mit keiner Sylbe auch nur entfernt andeuten, daß ihr ein ſolcher Auf⸗ trag ertheilt worden, noch daß irgend ein wichtiges Geheim⸗ niß ihr Herz beſchwert habe. Ueberhaupt ſcheint jene Dame mehr eine aufmerkſame und ſcharfe Beobachterin, als hervor⸗ ragend activ geweſen zu ſein, obgleich an dieſem Hofe ein Jedes eine ſeinen Talenten angemeſſene Rolle zu ſpie⸗ len hatte. 3 Die Gewaltthat Mazarin's hätte doch nur im Einver⸗ ſtändniß mit der Königin ausgeführt werden können, der man eine ſolche Grauſamkeit zuzuſchreiben nicht berechtigt iſt. Anna von Oeſterreich war ihren legitimen Söhnen die zärt⸗ lichſte Mutter und nach dem Tode ihres Gemahls, welcher wenige Monate nach dem Cardinal Richelieu ſtarb, hätte ſie nichts mehr gehindert, ihren Empfindungen auch für ein Kind der Liebe, wenigſtens im Geheimen, nachzugeben.

Was die überraſchende Aehnlichkeit mit Luewig XIV. betrifft, ſo darf doch hier die Verſchiedenheit des Alters nicht überſehen werden. Hätte ein Sohn des Herzogs von Buck⸗ ingham und der Königin je exiſtirt, ſo hätte er im Jahre 1626 oder 1627 geboren ſein müſſen; im folgenden Jahre wurde der Herzog bekanntlich ermordet. Ludwig XIV. er⸗ blickte aber das Licht der Welt erſt im Jahre 1638, war alſo 11 bis 12 Jahre jünger als ſein vermeintlicher illegitimer Bruder. Nun können zwar zwei Kinder auch von ſo un⸗ gleichem Alter ſich ſehr ähnlich ſehen, dieſe Aehnlichkeit Kinn aber unmöglich eine ſo täuſchende ſein, um beide mit e

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