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war dies geſchehen, als der Baum mit ſeinen ſtarken Aeſten zu ſchlagen begann, wie ein Haushahn mit den Flügeln. Sogleich ſtrömte das Waſſer, das ſich in ſeinem Geäſte an⸗ geſammelt hatte, auf den Jünger herab, und machte ihn bis auf die Haut naß. Inzwiſchen war draußen der lieblichſte Sonnenglanz zum Vorſchein gekommen und verklärte die Geſtalt des Heilands. Da erröthete St. Peter vor Scham und eilte ſeinem Meiſter nach, der alsdann mit gewohnter Milde zu ihm ſagte:„Petrus, Petrus, Du wollteſt ſchon wieder der Klügere ſein— nun haſt Du Deinen Lohn!“ St. Peter war ſtill und nahm ſich vor, künftighin folgſamer zu ſein, denn was ſein Meiſter anrieth, das war wohlge⸗ rathen. Zur Erinnerung an dieſe Begebenheit läßt der Fichtenbaum ſeine dunkeln Aeſte niederhängen. Alfred Waldau.
Misrellen.
Zur Zeit der Königin Eliſabeth(von 1558 bis 1603), als die Kutſchen noch nicht gewöhnlich, und Miethkutſchen noch nicht in Gebrauch waren, pflegten diejenigen, welche zu ſtolz oder zu zärtlich oder zu bequem waren zu Fuße zu gehn, zu einem entfernten Geſchäfte oder zum Vergnügen zu reiten. Viele kamen zu Pferde in die Komödie, und als Shakeſpeare aus Furcht wegen einer gerichtlichen Verfolgung nach London entfloh, war ſein erſtes Mittel ſich Unterhalt zu verſchaffen, an die Thür des Schauſpielhauſes zu treten und die Pferde derer zu halten, die keinen Bedienten hatten, damit ſie ſelbige ſogleich wieder beſteigen könnten, wenn das Schauſpiel zu Ende war. In dieſem Dienſte wurde Shakeſpeare durch ſeine genaue Sorgfalt und Behendigkeit ſo berühmt, daß in kurzer
Novellen⸗Zeitung.
Zeit jeder, der vom Pferde abſtieg, nach William Shakeſpeare rief, und ſchwerlich ward einem andern Aufwärter ein Pferd anvertrauet, ſo lange als Shakeſpeare zu haben war. Das war der erſte Schimmer von ſeinem beſſern Glück. Als er merkte, daß ihm mehr Pferde übergeben wurden, als er hal⸗ ten konnte, ſo miethete er ſich junge Burſche, welche unter ſeiner Aufſicht aufwarten mußten, und welche, wenn nach Shakeſpeare gefragt wurde, ſich gleich zeigen und rufen muß⸗ ten:„Ich bin Shakeſpeare's Burſche.“ Mit der Zeit erhielt er höhere Bedienungen. Indeß, ſo lange als die Gewohn⸗ heit in die Kömödie zu reiten fortdauerte, behielten die Auf⸗ wärter, welche die Pferde hielten, den Namen:„Shakeſpea⸗ re's Burſche.“
Blondel war Muſikmeiſter König Richard's I.(Löwen⸗ herz) von England um das Jahr 1190. Während ſein Herr als Gefangner des Herzogs von Oeſterreich in einem Thurme ſeufzte, durchwanderte er das ganze gelobte Land und alle Gegenden Deutſchlands, wo er vermuthen konnte, daß ſich derſelbe befinden möchte. Er hörte, daß man auf dem Schloſſe von Löwenſtein einen vornehmen Gefangnen be⸗ wache, und eilte dahin. Nachdem er das Schloß mit Auf⸗ merkſamkeit unterſucht und einen ſtark vergitterten Thurm entdeckt hatte, fing er an, eins von den franzöſiſchen Liedern zu ſingen, die er vormals mit Richard componirt hatte. Er hatte kaum die erſte Strophe geendigt, als eine Stimme aus der Tiefe des Thurms die zweite anfing und bis ans Ende fortfuhr. So entdeckte er ſeinen König, befreite ihn und erwarb ſich den Namen des getreuen Blondel. Gretry's ſchöner Oper„Richard Löwenherz“ liegt dieſes Ereigniß zum Grunde.
Vorzügliche Schulbücher. Gützinger, Dr. M. W., deutſche Sprachlehre für Schulen. 9te verbeſſerte Auflage. 20 Ngr. Hirzel, E, praktiſche franzöſiſche Grammatik, umgearbeitet von C. v. Orelli. 17te verbeſſerte Aufl. 20 Ngr.
Hirzel, E., franzöſiſches Leſebuch, vervollſtändigt von C. v. Orelli. Ste vermehrte Auflage. 15 Ngr. Orelli, Prof. C. v., kleine franzöſiſche Sprachlehre für
Anfänger. 10te verbeſſerte Auflage. 10 Ngr.
Unter den neueren Lehrbüchern nehmen die obigen eine an⸗ erkannt ausgezeichnete Stellung ein, wofür die öfter nöthig ge⸗ wordenen Auflagen und die ſtets wachſende Theilnahme, ſowie die günſtigen Urtheile von Seite bekannter Schulmänner, den beſten Beweis liefern. Es wird auch ferner alle Sorgfalt darauf verwendet werden, um den guten Ruf dieſer Bücher als praktiſch bewährte Lehrmittel zu erbalten. Es können dieſelben den Herren Lehrern zur Einführung in Schulen wie auch für den Privat⸗ Unterricht beſtens empfohlen werden.
Verlag von H. R. Sauerländer in Aarau.
1 Im Verlage der Dürr'ſchen Buchhandlung in Leipzig er⸗ ſchien und iſt in allen Buchbandlungen zu haben:
Völkerſchlacht bei Leipzig im Jahre 1813. Nach den beſten Quellen bearbeitet von Franz Sommer. Zweite vermehrte Auflage. Preis 15 Ngr.
Bei George Westermann in Braunschweig sind erschienen:
IHHerrig. L. First english reading book. Engl. Lese- buch für mittlere Classen höherer Lehranstalten. gr. 8. geh. 20 Ngr.
Herrig, L. Premidères lectures françaises. Franz. Lesebuch für mittlere Classen höherer Lehranstalten. gr. 8. geh. 16 Ngr.
Diese beiden wichtigen Elementarbücher bilden die Vorläufer der seit vielen Jahren vortheilhaft bekannten und vielfach, eingeführten„Handbücher der englischen und französischen Literatur,“ welche eben in 13. und 7. Auflage die Presse verlassen haben.
Im Verlage der Dürr'ſchen Buchhandlung in Leipzig erſchien und iſt in allen Buchhandlungen zu haben:
‿ Uilgermuſcheln. Gedichte eines Touriſten von Heinrich Freiherr von Maltzan. kl. 8. eleg. broſch. 27 Ngr. In höchſt eleg. Leinenband in Hochdruck mit Bild und in Goldſchn. 1 Thlr. 12 Ngr.
..,. 2- Nor-⸗
Die Pilgermuſcheln, poetiſche Reiſeerinnerungen, vom Ver⸗ faſſer auf ſeinen Streifzügen in drei verſchiedenen Welttheilen ent⸗ worfen, ſind zum Theil lebhafte Naturſchilderungen, zum Theil aber Balladen und Legenden, deren Stoff faſt durchgängig bis
jetzt in Europa unbekannt geblieben iſt.
Redigirt unter Verantwortlichkeit von Ouo Sriedrich Dürr in Leipzig.— Verlag
der Dürrſſchen Buchhandlung in Leipzig.— Druck von A. Edelmanr in Leipzig.


