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nen fabelhaften Reichthümern, denn an Zuſätzen fehlte es natürlich auch nicht, ſo viel zu erzählen wußten, wurde der arme Eduard ein doppelt intereſſanter Gegenſtand.(Fortſetzung folgt.)
Der Sünger am Friedhof.
Nach dem Böhmiſchen des Boleslav Jablonſky von
Alfred Waldau.
Die Sonne gab der Abendlandſchaft
Den ſüßen, goldnen Abſchiedskuß; Traumſtille, heil'ges Dunkel breitet
Sich über Berg und Thal und Fluß.
Am Himmel ſind mit gold'nem Prangen Die Nachtgeſtirne aufgegangen,
Mild fließt um Grab und Kreuz und Stein Des Mondes kühler Silberſchein.
Da ſteht am Gottesfeld ein Sänger,
Von ferner Wallfahrt heimgekehrt;
Ach, dunkel iſt's in ſeiner Seele,
Vom Grame wird ſein Herz verzehrt.
Er ſtützt ſich auf die Harf' voll Trauer,
Ihm rinnt durch Mark und Bein der Schauer— Liegt doch in dieſes Grabes Schooß
Sein Schönſtes und iſt Aſche blos!
Einſt war der Jüngling fortgewandert Vom Vaterhaus ins ferne Land,
Und pries im Lied den Stern der Liebe, Den unter fremdem Blau er fand; Bevor er wiederkehrt', ach, haben
Sie ihm das Liebſte hier begraben,
Den erſten Stern, ſo rein und hehr— Er ſah die Mutter nimmermehr!—
„Hier alſo hat man Dich begraben, Du, meines Lebens Sonnenlicht?
Den Sarg benetzt' wohl manche Thräne, Doch meine Thräne war es nicht!
Wo iſt das Aug', das klare, traute, Daran ich mich nie müde ſchaute,
Wo Deine Liebe, ſüß und rein?
O Mutter, mein! o Mutter, mein!“
So klagt um den verlornen Himmel Der Mann im ſtillen Sternenſchein, Die Geiſter ſeiner Worte wandern Wehmüthig durch den Frühlingshain;
Novellen⸗Jeitung.
Er neigt das Haupt in düſt'rem Sinnen, Aus trübem Blick die Thränen rinnen, Doch all' die Thränen ſinken blos
Auf Eine Blum', auf grünes Moos!
Ihm däucht's, als läg' er ſelbſt im Grabe, Als drückten ihn die Schollen ſchwer; Zerſpringen will ſein Herz— er ſchaudert Und fährt wild auf und blickt umher:
Am müden Zlick vorübergleiten
Die ſüßen wunderholden Zeiten,
Und durch den dunklen Thränenflor Schweift er zum Himmelsblau empor.
„Auch dort im fremden Lande blühte Ein Stern, den ich in Andacht pries, Der Liebe Stern, der ſelig ſchmachtend Mir einen ew'gen Mai verhieß!
Ich war allzeit, im Glück, in Schmerzen, So gut dem rothen Sternenherzen— Doch wehe, daß der Stern der Lieb' Nicht ewig klar und golden blieb!
Es trübte meinen Stern die Wolke,
Da loſch er mir für immer aus!
Nun wollt' das arme Herz geneſen
Daheim im trauten Vaterhaus.
Der Troſt der Mutter ſollt' es laben—
Da warſt Du, Mutter, ſchon begraben!
Wo treibſt Du mich nun hin, o Schmerz?!— O Liebchens Seel'!— O Mutterherz!
Hinweg, verhängnißvolle Harfe! Zerſpringt, ihr Saiten, geiſterhaft!
Was ich auf Erden Liebſtes hatte,
Das Schickſal hat es mir entrafft!
Wem ſoll ich noch mein Lied darbringen? Wem meine Freud' und Trübſal ſingen? Hinweg, du ſtilles Saitenſpiel—
Dein Sänger ſtirbt, noch fern vom Ziel!“
Da wirft er auf den Todtenhügel
Die Harfe, daß ſie faſt zerſpringt,
Indeß er ſelber ſeufzend, ſchluchzend,
Am Grab der Mutter niederſinkt.
Die Silberſaiten klagen leiſe,
Wohl wie des Schwanes Sterbeweiſe— Der Spielmann ſchlummert, todesmüd'— Der Traum ob ſeinem Haupt erblüht.
Da ſtieg im weißen Kleid vom Himmel Herfür ein wunderſames Bild:
Es neigt' ſich zu dem armen Sänger Die Frau und war ſo ſchön und mild;


