Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
261
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Vierte Folge.

Daß der junge Hermann Grün, dies war ſein Name, nicht ahnen konnte, in dieſer jetzt vor ihm ſitzenden zuſammengeſunkenen Geſtalt mit den vor Gram erſchlafften und entſtellten Zügen, den ſo matt blickenden Augen, mit den dünnen, ſchon hin und wieder mit einem weißen Schimmer durchzogenen Haaren, den vor einigen Jahren geſehenen jungen, ſchönen, kräftigen Mann zu erkennen, war natürlich; dazu kam die Veränderung des Namens: in Bonn hatte er mit einem reichen, vornehmen Engländer verkehrt, jetzt ſah er einen Mann mit einem einfachen, bürgerlichen Namen vor ſich..

Hätte die frühere Bekanntſchaft nicht ſchon ſehr zu Gunſten des Arztes bei Eduard geſprochen, ſo wäre er doch gewiß bald von ſeinem liebenswürdigen Benehmen angezogen worden. Mit einer ſicheren, aber anſpruchsloſen Freundlichkeit ſtellte er ſich ſelbſt vor, that dann mit Theilnahme über das Leiden des Kranken einige Fragen; ſchon nach einigen darauf erhaltenen Antworten ſah man es Grün an, wie ſehr

ſich das Intereſſe für den Leidenden ſteigerte, und nachdem er ſich noch nach Manchem erkundigt, ging

ſein Ausſpruch dahin, daß er das Leiden für eine große Erſchlaffung der Nerven hielte, er äußerte aber den Wunſch, daß Herr Walther noch einige Tage hier verweilen möchte, damit er ſich ein ganz ſicheres Urtheil aneignen könnte. Hierin willigte Eduard gern, und nachdem der Arzt noch einige Verordnungen ge⸗

macht, empfahl er ſich.

Mit jedem Beſuche, den Grün machte, gewann ihn Eduard lieber. Die angenehme, geiſtreiche Unter⸗ haltung feſſelte ſeine Aufmerkſamkeit und zog ihn mehr von ſeinen trüben Gedanken ab. Dieſe wohlthätige Wirkung entging dem ſcharfen Auge des Arztes nicht; ſo oft es auch nur ſeine Zeit erlaubte, kam er zu Herrn Walther, plauderte mit ihm über die verſchie⸗ denſten Gegenſtände und ſuchte ſo den Kranken mittheil⸗ ſamer zu ſtimmen, denn als feiner Menſchenkenner und geſchickter Arzt hatte er längſt erkannt, daß hier kein eigentliches Körper⸗, ſondern ein tiefes Seelen⸗ leiden zu heilen ſei.

Weit entfernt ſich ein Vertrauen erzwingen zu wollen, wäre es ihm doch lieb geweſen etwas Näheres über den eigenthümlichen Fremden zu erfahren, denn daß er trotz ſeines Namens kein geborener Deutſcher war,

hatte er gleich durch den fremden Accent der Aus⸗

ſprache bemerkt, und daß dieſer, wie er war, nur einem gebornen Engländer angehören konnte, wußte er durch ſeinen vielen Umgang mit Engländern ebenfalls. Doch wie ſollte er, ohne zudringlich zu erſcheinen, irgend etwas erfahren? Durch den Herrn ſelbſt war

es bei deſſen Zurückhaltung nicht möglich, und durch

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den Diener war es noch unmöglicher, denn der war in dem, was auf ſeinen Herrn Bezug hatte, noch ſchweigſamer; er wußte, ſein theurer Herr wünſchte nicht, daß der Vergangenheit mit einem Worte Er⸗ wähnung geſchähe, das war dem treuen Johann ge⸗ nug, um zu ſchweigen. So ſchwer es ihm auch geworden war, ſich an den einfachen NamenHerr Walther zu gewöhnen, ſo entſchlüpften doch nie wieder ſeinen Lippen die für ihn am ſchönſten klingenden Wortemein Lord. Das Deutſche ſprach er gleich ſeinem Herrn ganz geläufig, aber auch mit derſelben Ausſprache. Es war dem Doctor klar, daß er durch Hin⸗ und Herfragen nichts erlangen würde, er gab es daher auf, ſuchte aber auf anderem Wege dem Kranken mehr Theilnahme an äußeren Gegenſtänden einzu⸗ flößen.

So wie Walther jetzt ganz ohne beſtimmte Thä⸗ tigkeit ſeine Tage dahin lebte, durfte es Hermann Grün nicht länger erlauben, er bemühte ſich, ſeinen Patienten nach und nach ſelbſt darauf zu bringen, daß er ſich zu einer ihm zuſagenden Beſchäftigung entſchließen müſſe. Dies glückte dem braven Grün leichter, als er vermuthete; bei einem Beſuche, den er Walther eines Tages noch ſpät am Abend abſtat⸗ tete, fand er denſelben ſo angeregt und geſprächig wie noch nie. Kaum hatte der Doctor Platz genommen, ſo erzählte ihm Eduard, daß er heute einen weiten Spa⸗ ziergang unternommen und auf dieſem, wohl eine Stunde von der Stadt entfernt, ein wirklich ſchön gelegenes Dorf gefunden hätte, in dieſem hätte er nun die Abſicht ſich niederzulaſſen, wenn eine Woh⸗ nung zu erhalten wäre.

Hierzu könnte leicht Rath werden, meinte Grün, namentlich wenn er vielleicht den Wunſch hätte ſich anzukaufen, denn zehn Minuten von der Kirche und Pfarrwohnung, die, wie er wohl bemerkt haben würde, von der Stadt aus gerechnet, etwas hinter dem Dorfe läge, ſtände ein Landbeſitz zum Verkauf, er wäre in ſeiner Lage ſelten ſchön, hätte einen parkähnlichen Garten, ein altes, aber ſehr großes und ganz maſſi⸗ ves Wohnhaus, ſehr guten Acker, Wieſen, kurzum Alles, was wohl einen vortheilhaften Kauf verſpräche. Er gehörte einem würtembergiſchen höheren Staats⸗ beamten, der ihn durch Heirath erhalten; da dieſer, wie Grün gehört, durch einen verloren gegangenen Proceß in unangenehme Geldverlegenheiten gekommen wäre, wollte er ihn gern, wenn auch unter dem Werthe, verkaufen, aber nur gegen baare Auszahlung, dies wäre aber gerade ein Punkt, der den Verkauf ſehr erſchwere, denn wer hätte gleich 20 30,000 Thlr. baar disponible! Der Pfarrer Weimuth ertheilte nähere Auskunft, ſollte auch, wie er gehört, den