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langſam ging aber die Geneſung, ſehr langſam kehr⸗ ten die Kräfte.
Edward war, als er aus der Fieberphantaſie zu einem vollen Bewußtſein erwachte, wie verwandelt, der wilde Schmerz ſchien ſich in der Krankheit aus⸗ getobt, gebrochen zu haben, aber ſtatt ſeiner war eine tiefe Schwermuth eingetreten, er ſprach wenig und nie ein Wort über die Vergangenheit, er war freundlich zu allen, die ſich ihm näherten, zu ſeinem treuen John konnte er faſt herzlich ſein, doch von ſeinem Schmerz, ſelbſt von ſeiner ihm doch ſo theuern Heimath ſprach er auch mit dieſem nicht.
Da der Spätherbſt ſich näherte, ſeine Kräfte ſich noch immer nicht recht heben wollten, rieth ihr ſein Arzt nach einem Bade im ſüdlichen Frankrei zu gehen, um dort den Winter in milderem Kli zu verleben. Dieſen Rath befolgte er und reiſte mit ſeinem Diener nach dem vorgeſchlagenen Orte.
Bevor er Paris verließ, ſchrieb er noch einmal an ſeine Mutter und an ſeinen Bruder; dringend bat er um Nachricht, und beſchwor die Mutter um Zurücknahme des ſchrecklichſten Wortes, welches Eltern über ihr Kind ausſprechen können.
Einige Zeilen wurden ihm auch nach einigen Wochen von ſeinem Banquier nachgeſandt, ſie lauteten für den armen Edward troſtlos. Hugh ſchrieb ihm mit wenigen kalten Worten, er möchte nicht wieder ſchreiben, ſeiner Mutter Anſichten wären dieſelben geblieben, er dürfte ihr nie ſeinen Namen nennen, auch hätte ſie ihm geboten alle Gemeinſchaft mit ihm für immer abzubrechen, und da er als guter Sohn die Gebote der Mutter befolgen müſſe, ſo wären dies die letzten Zeilen, die er von ihm erhielte.
Beim Leſen dieſer liebloſen Worte wollte ihn nochmals die Verzweiflung ergreifen, doch er be⸗ kämpfte ſie männlich, nur eine noch größere Abge⸗ ſchloſſenheit war die Folge.—
Das Leben im Bade ſagte ihm inſofern zu, als nur einige ſchwer Leidende dort Linderung und Hei⸗ lung ſuchten, er alſo ſeine Tage ſtill und ruhig ganz ohne Störung verbringen konnte. Doch dieſe Ruhe hörte mit der beſſeren Jahreszeit auf, mit ihr kamen viele Gäſte, ein reges Badeleben begann. Richton war dies zuwider, in ſeiner Gemüthsſtimmung war ihm der leichte, lebhafte, oft an Leichtſinn ſtreifende Frohſinn des franzöſiſchen Charakters faſt unerträglich, es trieb ihn fort, er mußte ſich einen andern Platz ſuchen, um ſeine Seele, wenn möglich, edehei den zu laſſen. 4
Bevor er abreiſte, ließ er ſich von dem dortigen Polizeibeamten einen Paß auf den Namen„Eduard Walther, gebürtig aus England,“ ausſtellen. Wel⸗
Novellen⸗Zeitung.*
er durchreiſte die Schweiz, weilte an de
chen Grund er hierzu habe, wurde er nicht weiter gefragt, der Beamte hielt es für die Grille eines ſpleenigen Engländers.
Von Lord Richton war dies aber keine Laune, ſondern eine beſtimmte Abſicht, er wollte äußerlich durch nichts mehr an ſeinen Namen und Stand er⸗ innert werden, er wollte ſich als einfacher Mann irgendwo niederlaſſen, und daß dies Deutſchland, was ihm früher ſo lieb geworden, ſein würde, fühlte er ſchon, obgleich er jetzt zuerſt nach Italien ging.
Hier, in dem Lande der Kunſtſchätze, hoffte er, ſolle ſeine Seelenqual gelindert werden. In der erſten Zeit ſchien es auch wirklich, als wenn das Vertiefen dieſen Gegenſtänden die Vergangenheit mit ihren eecklichen Erlebniſſen zurücktreten laſſen wollte, doch s erwies ſich abermals als eine kurze Täuſchung, immer und immer wieder ſchwebte ihm der dahin⸗ ſinkende, ſterbende Freund vor Augen, dies Bild ließ ihn keine Ruhe finden; er dachte, wenn er wieder andere Gegenden aufſuchte, würde ihm beſſer
Punkten wohl eine kurze Zeit, doch im die Unruhe weiter.
So betrat er nach vierjähriger Abweſen land zum zweiten Male. Das Land, w dazumal ſo lieb geworden, ſchien auch jetzt mit freund⸗ lichen, gaſtlichen Armen den müden, bis zum Aeußer⸗ ſten erſchlafften Pilger aufnehmen zu wollen. Ueberall fand er die biedere Einfachheit und Herzlichkeit wieder; wenn auch dann und wann ihm ein nicht deutſcher Charakter entgegen trat, ſo verwiſchte ſich die Er⸗ fahrung bald wieder, deutſche Sitte, deutſches Weſen that ſeinem kranken Herzen doch ſo unendlich wohl.
In dieſem Lande wollte er heimiſch werden, doch wo ſich niederlaſſen, darüber war er noch nicht einig, der Zufall ſollte ihn führen, und wenn dieſer es auch nicht that, ſo vollbrachte es doch Gottes Hand. Ein kleines Städtchen, am Neckar gelegen, zog ihn wegen ſeiner reizenden Lage beſonders an, hier ge⸗ dachte er einige Tage auszuruhen, der fühlte ſich matter und leidender; dieſer Zuſtand nahm zu, und ſein immer aufmerkſamer John, jetzt in Johann verwan⸗ delt, drang in ſeinen Herrn zum Arzte zu ſenden; endlich gab Eduard dieſen Bitten nach, und ſein Die⸗
ner führte ihm auch bald einen ſolchen zu.
Wie überraſcht war aber Walther, als er in dieſem einen ihm früher lieb gewordenen jungen Arzt, den er in Bonn oft geſehen, erkannte; da aber dieſem keine Erinnerung einer ſchon beſtandenen Be⸗ kanntſchaft aufzutauchen ſchien, ſo unterdrückte auch Eduard ſeine Ueberraſchung und begrüßte ihn wie einen Fremden.
Nune ſtend glam llicken wiede Haar ſchö dazu hatt verk bür
ſam und kein leide


