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Feindlich einander gegenüber ſtehend, verfolgten beide den Poeten auf Schritt und Tritt und ließen ihm keine Ruhe. Ein Theil der Officiere des Chevaliergarde⸗Regiments war für den Cameraden Dantés, die übrigen für Puſchkin; Fürſt B. für, die Fürſtin B. gegen ihn, wie denn überhaupt die Damen lebhaften Antheil pro und contra an der Sache nah— men, wobei die große Welt nicht gerade ihre glänzendſten Tugendheldinnen unter den Gegnerinnen Puſchkin's zählte. Jeder und Jede verſuchte in der Angelegenheit thätig zu ſein. Die Anhänger Puſchkin's bemühten ſich, die umlaufenden beleidigenden Gerüchte vor ihm zu verbergen und ihn von Begegnungen mit Heckern und Dantés abzulenken; die Par⸗ tei der Gegner aber ſuchte ſie zuſammenzubringen und ver⸗ anſtaltete Bälle und Soiréen, auf denen Puſchkin's Frau plötzlich Dantés vor ſich ſah.
Frau von Puſchkin wußte, was ihr Gatte litt, und ſchlug ihm vor, Petersburg auf einige Zeit zu verlaſſen, er aber hatte alle Selbſtbeherſchung ſowie jede Möglichkeit einer ruhigen Anſchauung der Dinge verloren und beſchloß der Sache auf andere Weiſe ein Ende zu machen. Er ſchrieb an den niederländiſchen Geſandten folgenden Brief:
„Herr Baron, erlauben Sie mir, Ihnen kurz zuſammen zu ſtellen, was ſich begeben. Das Betragen Ihres Herrn Sohnes war mir längſt bekannt und konnte mir nicht gleich⸗ gültig ſein. Ich begnügte mich mit der Rolle eines Beob⸗ achters, mit der Abſicht, handelnd einzugreifen, ſobald die Gelegenheit mir paſſend erſcheinen würde. Ein Zwiſchen⸗ fall, der mir zu jeder andern Zeit ſehr unangenehm geweſen wäre, zog mich glücklicher Weiſe aus der Verlegenheit: ich erhielt anonyme Briefe. Der Augenblick des Handelns war alſo gekommen, und ich ließ ihn nicht unbenutzt. Sie wiſ⸗ ſen das Uebrige: ich brachte Ihren Herrn Sohn dazu, eine ſo jämmerliche Rolle zu ſpielen, daß meine Frau, durch ſo⸗ viel Plattheit überraſcht, ſich des Lachens nicht enthalten konnte, und das Mitgefühl, das ſie vielleicht für jene erhabene Leidenſchaft empfunden, in der ruhigſten und ge⸗ bührendſten Verachtung erloſch. Sie werden mir erlauben zu ſagen, Herr Baron, daß Ihre eigene Rolle in dieſer gan⸗ zen Sache nicht von der anſtändigſten Art geweſen iſt. Sie— der Repräſentant eines gekrönten Hauptes, Sie waren väter⸗ lich der Gelegenheitsmacher Ihres, wenigſtens angeblichen, Baſtards. Sein ganzes, übrigens ziemlich ungeſchicktes Be⸗ nehmen war wahrſcheinlich von Ihnen geleitet, Sie waren es wahrſcheinlich, der ihm die Armſeligkeiten zuflüſterte, die er auskramte, und die, die er ſich zu ſchreiben unterſtanden.
Sie begreifen, daß nach alledem ich keine Beziehungen zwiſchen meiner Familie und der Ihrigen dulden konnte. Unter dieſer Bedingung hatte ich eingewilligt, dieſer ſchmutzi⸗ gen Angelegenheit keine weitere Folge zu geben und Sie nicht in den Augen unſeres Hofes und des Ihrigen zu entehren, wie ich die Macht und die Abſicht hatte. Ich bin nicht Willens, meine Frau Ihren väterlichen Ermahnungen aus⸗ zuſetzen. Ich kann nicht erlauben, daß, nach ſeinem entwür⸗ digenden Benehmen, Ihr Herr Sohn ſich noch unterſtehe, ſie
Novellen⸗
Zeitung.
Dieſer Brief war entſcheidend. Baron Heckern ant⸗ wortete mit der Meldung, Dantés würde ihm ſeinen Secun⸗ danten ſchicken, und bald darauf erſchien der damals bei der franzöſiſchen Geſandtſchaft in Petersburg angeſtellte Vicomte d' Archiac mit einer Herausforderung bei Puſchkin.
Am 27. Januar 1837 wurde Danzas, der Gewährs⸗ mann unſerer Schilderung, auf der Straße von dem Poeten angehalten und von ihm als Secundant in die Wohnung des Vicomte mitgenommen, wo nach kurzem Geſpräch die Bedingungen des Zweikampfes bald feſtgeſtellt waren. Die Gegner ſollten ſich noch an demſelben Tage um 5 Uhr Nach⸗ mittags bei dem ſogenannten Commandanten⸗Landhaus, in einer im Winter unbelebten Gegend, treffen, auf zwanzig Schritt von einander poſtirt werden, aber jeder fünf Schritte näher bis zu einer bezeichnaten Barrisre gehen dürfen, und im beliebigen Moment ſchießen, ohne auf ein Commando zu warten. Im Falle beiderſeitiger Fehlſchüſſe ſollte der Zwei⸗ kampf in der nämlichen Ordnung noch einmal beginnen. Die Bedingungen wurden zu Papier gebracht.
Um 4 Uhr ſaß Danzas mit Puſchkin im Schlitten, und ſie fuhren hinaus an den bezeichneten Ort.
Puſchkin war vollkommen ruhig; um ſo trüber aber waren die Gedanken ſeines Secundanten. Umſonſt ſuchte er die Hoffnung auf einen günſtigen Ausgang in ſich wach zu rufen— die Ueberzeugung, daß er den größten Dichter ſei⸗ nes Vaterlandes zur Schlachtbank geleitete, wollte nicht wei⸗ chen. Noch war es möglich, daß Hinderniſſe den Zweikampf vereitelten. Am Schloßquai fuhr Puſchkin's eigener Wagen mit ſeiner Frau an ihnen vorüber— die Begegnung konnte glückliche Folgen haben; aber Frau von Puſchkin war kurz⸗ ſichtig, und ſeine Blicke waren gerade auf eine andere Seite gerichtet! Der Schlitten glitt geräuſchlos weiter, dem ver⸗ hängnißvollen Orte zu.
Zu gleicher Zeit trafen Puſchkin mit Danzas, Dantés mit d' Archiac an der beſtimmten Stelle ein. Es war ein heller Tag, aber ein ſchneidender Wind machte die Kälte noch fühlbarer. Etwa hundert und fünfzig Klaftern von dem Commandanten⸗Landhauſe entfernt, befand ſich ein dichtes Gebüſch; hier waren die Herren geſchützt vor dem Winde und den Augen der Neugierigen. Auf einem baumloſen Platze wurde der Schnee niedergetreten.
Während der Vorbereitungen ſtand Puſchkin da, in nen Bärenpelz gehüllt, und ſchwieg. Er ſchien ſo ruhig wie auf dem ganzen Heimwege, und nur die Ungeduld, den Zweikampf zu beginnen, ſprach ſich in ſeinen Zügen aus. Endlich ſtanden die Gegner, die Piſtole in der Hand, einan⸗ der gegenüber. Puſchtin trat zuerſt an die Barrière und hob zielend die Piſtole. In dieſem Augenblicke aber ſchoß Dantés, und der Poet ſtürzte zuſammen.„Je crois que j'ai la cuisse fracassée“[Ich glaube, meine Hüfte iſt zer⸗ ſchmettert), rief er. Die Secundanten eilten auf ihn zu, und als auch Dantés daſſelbe thun wollte, hielt Puſchkin ihn auf mit den Worten:„Attendez, je me sens assez de force pour tirer mon coup“(Halt, ich fühle noch Kraft
anzureden, noch weniger, daß er ihr den Hof mache, mit Ka⸗ ſernen⸗Witzen um ſich werfe, immer unter dem Schein der Hingebung und unglücklicher Leidenſchaft, während er nur ein Lump und Taugenichts iſt. Ich muß Sie alſo bitten, Herr Baron, dieſer ganzen Wirthſchaft ein Ende zu machen, wenn Ihnen daran liegt, einen neuen Skandal zu vermeiden, den ich gewiß nicht ſcheuen werde. Ich habe die Ehre ꝛc.
A. Puſchkin.“
genug, meinen Schuß zu thun]. Dantés blieb an der Bar⸗ rière ſtehen und wartete, die Bruſt mit dem rechten Arme deckend. Ein zweiter Schuß krachte, und Dantés fiel.„Wo ſind Sie verwundet?“ fragte Puſchkin.„Ich glaube die Kugel in der Bruſt zu haben,“ entgegnete jener.„Bravo!“ rief Puſchkin und warf die Piſtole von ſich. Dantés irrte ſich; er hatte dem Schuß die Seite zugewandt, und die Kugel war, die Bruſt ſtreifend, in den Arm gedrungen. Puſchlin's Wunde war in der rechten Seite des Unterleibes;
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