Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
249
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Vierte Folge.

lichkeit und Bruſtbeſchwerden geſtatteten nur kurze Spaziergänge, und er wagte nicht, ohne einen treuen Begleiter hinaus zu wandern.

Ich ſuchte mir alſo nun für weitere Touren, die gewöhnlich Sonnabends oder Sonntags ausgeführt wurden, einen andern, von gleicher Neigung beſeelten rüſtigen Freund aus und fand ihn im nachherigen Profeſſor Bucher. Mit dieſem wanderte ich gewöhn⸗ lich nach dem Frauenberge oder nach dem Eliſabeth⸗ Brunnen; beide waren zwei Stunden von Marburg entfernt, und die Wege führten durch die ſchönſten duf⸗ tigen Wälder. Von jugendlichen Hoffnungen und Wünſchen getragen, beſprachen wir uns über Natur und Poeſte, dichteten auch wohl ein Lied oder Diſtichon,

wie es die Gelegenheit bot, und verlebten ſehr glück⸗

liche, unſere Herzen immer enger an einander ſchlie⸗ ßende Stunden.

Die meiſten Menſchen haben keinen Begriff von ſolchem Nutzen des Spazierengehens; und ſo fand ich das auch bei den jungen Studirenden in Marburg. Die Solidern, die dem Brodſtudium am Tage den nöthigen Fleiß zuwandten, gingen Abends pflichtmäßig mit einigen Cameraden ſpazieren, d. h. ſie durchſchrit⸗ ten auf offener Landſtraße die Allee, den alltäglich betretenen, abgemeſſenen Weg, wo ſich dann ganze Trupps zuſammen fanden und von alltäglichen Din⸗ gen plauderten oder ein Studentenlied ſangen. Die größere Maſſe ging gar nicht ſpazieren, ſondern ſuchte ihre Erholung, meiſt vom Müßiggang, in den Wirths⸗ häuſern oder Bierkneipen. Es wurde überhaupt da⸗ mals wenig gelernt und ſtudirt, deſto mehr gekneipt, commercirt und wüſt gelebt. Auch Rohheiten fielen noch oft vor. Die Unterhaltung in kleinern ſoliden Kreiſen war auch eine troſtloſe. Kein Anklang von wiſſenſchaftlicher Bildung war zu hören. Bei dem Bierkrug und dampfenden Tabaksqualm wurde nur von läppiſchen Dingen und Studentenſtreichen ge⸗ ſprochen..

Von ſolchem Leben hatten wir hinreichende Kennt⸗ niß, die uns bewog, davon fern zu bleiben. Durch Fleiß, Lectüre und dadurch gewonnene Vorbildung war ein beſſerer Grund und Fortbildungstrieb in uns gelegt worden. So lebten wir zufrieden und glück⸗ lich, immer wißbegierig und die Herzen in ſchönen Hoffnungen wiegend. Keine Disharmonie ſtörte unſer heiteres Zuſammenleben, aber Scherz und Witz er⸗ laubte man ſich bei guter Laune gegenſeitig. Animoſe und beleidigende Scherze waren bei uns unmöglich. Einen luſtigen Streich, den mir einſt Jakob ſpielte, will ich hier mittheilen. Wir belachten ihn als einen

Scherz, denn beleidigen konnte er nicht, wir kannten ſein liebevolles Herz.

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An einem ſchönen Frühlingstage wollte ich gern hinauswandern, um mich in der Blüthenpracht, dem friſchen Saatgrün und dem Zauber der erwachten Natur zu erquicken und zu erfreuen. Ich ging zu Jakob und bat ihn mitzugehen und theilzunehmen. Ich ſchilderte ihm die Reize der Umgebungen Mar⸗ burgs, die duftenden Blüthen und alle die Schön⸗ heiten, die der Lenz uns bietet. Ich drückte mich etwas poetiſch aus. Er lächelte, indem er ſich von ſeinem Sitz am Arbeitstiſch erhob. Dann ſprach er mit großem Ernſt:Mit Eurem Spazierengehen, das iſt nur Zeitverſchwendung. Ich gehe in der Literatur ſpazieren, das iſt viel angenehmer und nützlicher. Er ſpöttelte ſo über meinen Enthuſiasmus und das Schwärmen für die ſchöne Natur. Er verweigerte das Mitgehen, und ich ließ ihn allein, da meine Ueberredung keine Kraft hatte.

Wie ich Abends vom Spaziergang heim kam, fand ich auf meinem Tiſche ein dickes Packet und einen Brief vor, deſſen Adreſſe, an mich gerichtet, von Jakob's Hand geſchrieben war, und der als ich ihn erbrach, folgendermaßen lautete:

Lieber Freund, nein, länger habe ich es doch nicht über mein Herz bringen können, und es noch länger zu wollen, wäre Grauſamkeit, Deinen Wunſch (den ich Dir ſchon ſo lange in den Augen las), auch einen Gegenſtand, der Dir, wie ich weiß, ſo liebe Unterhaltung gewährt, unbefriedigt zu laſſen. Somit empfange ihn denn. Gewiß mit ſeligen Empfindun⸗ gen öffneſt Du das Packet, ahnſt leiſe ſeinen Inhalt und jubelſt auf in hoher Freude. Doch wenn Du wieder zu Dir ſelbſt gekommen biſt, o, ſo höre, be⸗ herzige meine Bitte: laß Dich nicht zu ſehr davon hinreißen(ob Du Dich zwar einige Stunden täglich damit vergnügen magſt); und um Alles in der Welt verſäume nur ja Deine Collegia darüber nicht. Ver⸗ ſprich mir die Erfüllung dieſer Bitte; ach, ſie wird Dir ſchwer werden; und ich bin beruhigt. Noch Eins, Deine Geſundheit liegt mir am Herzen, entziehe Dir nicht die Ruhe deswegen. Beſſer iſt's denn doch, daß Du die Collegia verſäumſt; ſtehe lieber eine Stunde früher auf.

Mein Erſtaunen war ſo groß, wie meine Neu⸗ gierde. Ich öffnete das Siegel, fand aber immer neue Emballage mit Siegel und Bindfaden befeſtigt. Ein ganzer Haufe Packpapier lag ſchon neben mir, da kam eine Schachtel zum Vorſchein, die auch wieder mehrere andere wohl verwahrte Schachteln in ſich ſchloß. Nach großer Mühe und Arbeit erſchien endlich ein ganz kleines Schächtelchen; ich öffnete es und meine Neugierde war auf's Höchſte geſpannt; ſiehe, da krab⸗ belte mir ein Maikäfer an einem langen Zwirnsfaden