Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
248
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nächſt auf die juriſtiſchen Studien Bezug hatte. Sa⸗ vigny lenkte es ſodann auch auf die neuere äſthe⸗ tiſche und philoſophiſche Literatur und frug uns, was wir von neuen Werken geleſen hätten. Wir, in dieſen Fächern noch wenig bewandert, nannten ihm keck einige Werke, die aber ſeinen Beifall nicht zu haben ſchienen, denn ohne einen Tadel auszu⸗ ſprechen, ſchwebte dochnein leiſes Lächeln um ſeinen Mund, und er frug nur, ob wir ſchon von dieſem und jenem Autor eins ſeiner Werke geleſen hätten. Wir mußten dies verneinen, und er nannte uns mehrere Werke, mit den gütig und vertrauensvoll aus⸗ geſprochenen Worten:Leſen Sie ſie doch, und ſagen Sie mir künftig, wie ſie Ihnen gefallen haben.

Dieſe einfache Mahnung hatte wieder einen großen Einfluß auf unſere Bildung und unſere Studien. Wir folgten ſogleich dem Rath des gebildeten Mannes, und verſchafften uns die vorgeſchlagenen Werke, die wir mit Entzücken und Ueberraſchung laſen, ſtudir⸗ ten und unſrer frühern Leſerei ſogleich entſagten. Wir kamen nun in den Abend⸗Mußeſtunden zuſammen, ſaßen um einen kleinen Tiſch, und Jeder hatte ein gewähl⸗ tes Buch, in dem er mit Eifer las. Zweimal in der Woche luden wir uns zum Thee ein und zogen wohl noch einen guten alten Cameraden und Landsmann binzu. Es wurde dann allgemein Anziehendes und Intereſſantes vorgeleſen. Gewöhnlich war Jakob der Vorleſer, dem man ſo gern zuhörte und der ein be⸗ ſonderes Talent hatte, durch einen ungekünſtelten deutlichen Vortrag die Zuhörer zu feſſeln. Ich er⸗ innere mich noch mancher ſolcher geſelligen und an ziehenden Abende, namentlich derer, wo uns Jener den Zerbino vortrug. Nach der Vorleſung wurde über die neueſte Literatur geſprochen; auch Witz und Scherz und jugendlicher Uebermuth würzte oft die ſpäten Abendſtunden. Wilhelm trug gar witzige und luſtige Anekdoten vor und hatte das Talent, die Eigenheiten der Menſchen und Situationen mit Sprache und Gebehrden ſchnell aufzufaſſen und zu co⸗ piren. Die Collegia waren für ihn eine Hauptfund⸗ grube, denn einige Profeſſoren, an denen jugend⸗ lichem Uebermuthe Manches höchſt pedantiſch und lächer⸗ lich vorkam, wußte er zu unſerer großen Erheite⸗ rung in laͤngeren Vorträgen und nachgeahmter Sprache ſo darzuſtellen, als ob man ſie ſelbſt reden höre. Dieſe Gabe und Neigung erhielt ſich auch unter fröh⸗ lichſter Theilnahme Jakob's bis in die ſpätern Jahre, worüber ich die luſtigſten Beiſpiele mittheilen könnte, beſonders wenn es galt, dumme Menſchen zu per⸗ ſifliren.

Nachdem wir einſt einen Tag der ernſten wiſſen⸗

chaftlichen Beſchäftigung, den Abend aber geiſtrei⸗

Novellen⸗Zeitung.

ſcher Literatur gewidmet und dann an geſelliger Un⸗

terhaltung uns erfreut hatten, ſagte Jakob, der für uns eine Autorität war:Hört, Freunde, jeder Stu⸗ dent, ſehen wir, verwendet etwas auf Depenſen, die meiſt ſchlecht gewählt ſind und nicht den geringſten Nutzen bringen. Wir wollen in jedem Semeſter auch etwas dafür ausſetzen. Aber unſere Depenſen ſollen darin beiſtehen, daß wir uns ein paar ſchöne Bücher anſchaffen, die uns ſtets Freude und Nutzen ge⸗ währen. Wir jauchzten ihm Beifall zu, verſpra⸗ chen ihm zu folgen, und hielten Wort.

Ich ſchaffte mir zuvörderſt die Voſſiſche Ueber⸗ ſetzung des Homer an, den wir auf dem Lyceum nur in der oberſten Claſſe in einer Stunde wöchentlich geradebrecht hatten; ich kaufte die neu erſcheinenden Werke von Schiller, Herder u. ſ. w., ich ſubſerihirte auf Goethe's Werke in 12 Bänden. Dieſe Anfänge einer neuen auserleſenen Bibliothek, aufs Sauberſte gebunden, machten mir die größte Freude; ich ver⸗ wahrte ſie zuvörderſt in einer Chatulle, die ich oft vor mich ſtellte, da ſchöne Bücher mich erfreuten, und nach⸗ dachte, was zunächſt hinzukommen müſſe.

Bei unſerm Fleiß und unſrer Lebensweiſe konnte es uns nicht fehlen, daß das viele Sitzen für den Körper mehr oder weniger nachtheilige Folgen hatte. Auch bei mir, einem jungen, ſchnell in die Höhe ge⸗ ſchoſſenen Burſchen, zeigten ſich dieſe Folgen als Un⸗ terleibsbeſchwerden, und ich hielt es für nöthig, ärzt⸗ liche Hülfe zu ſuchen. Ich wandte mich an den Lieb⸗ ling der Studenten, den jungen, geiſtreichen Profeſſor Conradi, der mich völlig beruhigte, mir aber Trop⸗ fen verſchrieb und diätiſche Vorſchriften machte. Be⸗

ſonders verbot er mir das allzuviele Sitzen mit An⸗

ſtrengung des Kopfes, und empfahl körperliche Be⸗ wegung in freier Luft. Dieſe entſprach ganz meiner Neigung, und ich fand ſie von entſcheidender Wir⸗ kung, nachdem ein ſchwerer Winter glücklich überſtan⸗ den war. Daher habe ich ſie ſtets durch mein lan⸗ ges Leben zum Geſetz gemacht und glaube hauptſäch lich dadurch mir eine leidliche Geſundheit erhalten zu haben. Der Arzkähatte dadurch eine von mir ſeit früheſter Jugend gehegte Leidenſchaft für die Schön⸗ heiten der Natur, für Wanderungen durch die Um⸗ gebung einer ſchönen Gegend mit ihren Bergen, Wäl⸗ dern und blühenden, von Gewäſſern durchſchnittenen Thälern ſehr richtig getroffen. Aber ich ſehnte mich nach Begleitung theilnehmender Freunde; doch Jakob mochte ſich ungern von ſeinen ernſten tren⸗ nen. Wilhelm war zwar auch ein Freu önen Natur, liebte Spaziergänge, einſame du ald und Gebirge, wo er den Gedanken und Gefühlen mit Rührung nachhing. Abe e zunehmende Kränk⸗

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