244. Novellen⸗Jeitung.
und Natürlichkeit. Jetzt bereitete ſie eifrig den Thee,
angenehm, die Stirn verfinſterte ſich noch mehr, er⸗ ich hellte ſich aber auch ſofort wieder, als der Hausherr, wie ſie ſagte, für die beiden Herren Engländer; der 1 li der würdige Paſtor, ihm mit einem freundlichen Guten eine von dieſen war der eben eingetretene junge un
Abend die Hand bot. Mann, Sir William; der andere trat eben zum jun⸗ bii Wo waren Sie, mein beſter Sir, noch ſo lange?“ gen Mädchen, um ſich mit einem ſarkaſtiſchen Lächeln
7 8 5..„. fragte er freundlich;„ut, daß Sie jetzt kommen, die zu erkundigen,„ob der Thee nun eine genießbare ar
Damen wurden ſchon ungeduldig; Sie wiſſen ja, das. täͤle Lewonnen Dieſer War der Vetter des Ba von 2,6 ronets William Raleigh, Sir Hugh Carlton, er war Abendeſſen warten zu laſſen, iſt nicht erlaubt,“ ſagte.. 1 ein ein einem ſcherzenden Toue, doch wie er das ermſie von mittler Größe, nicht ſtark gebaut, und gegen die er er in einemt ſcherz 3 Gewohnheit der Engländer ſehr lebhaft und beweg⸗ w
Geſicht ſeines Gaſtes ſah, brach er ſchnell ab, und lich
mit den Worten:„laſſen Sie uns ſetzen und zugreifen,“ Ausd Sde Seſane Hatie nhßs Angenehmes, der n lud er die Umſtehenden ein, ſich Plätze nach ihrem usdruck ſeiner blaucrauen Augen war nicht anzie m Belieben zu wählen. Jetzt erſt begrüßte Sir William hend, ein ſtechender Blick, der wie ein Blitz zuweilen G. 5,.—— d 1 . Raleigh die anderen Glieder des hier verſammelten über ſein Züge ſtreifte, konnte ſogar abſtoßend ge i Kreiſes. Zuerſt wandte er ſich zur Wirthin, der Paſto⸗ nannt werden. Sein hochblondes Haar war dünn, und 4. 7 i 6 j ſ 3 3. 214; 4 4 4⸗ rin, einer Frau in mittleren Jahren; ſie hatte ein un dies müglichſt zu verhergen⸗ wurde 18 ſorgfältig liebes, freundliches Geſicht, worauf nicht zu viel In⸗ Wid de Lri nach dem Hinterkopf gelegt, dies ließ 2 3 3 1„le g In- dieſelbe höher erſcheinen, als ſie von Natur war, telligenz, aber eine große Gutmüthigkeit ausgeprägt. 1 gel lag; ihre Geſtalt war mehr klein, als groß, und dn Nann rerne enn den dabust dun dendanan 8 ſell neigte zur Stärke, ihre Bewegungen, ihre Sprache e vednender wutde bd 3 ſet waren ruhig, ohne ſteif und gemeſſen zu ſein. Sehr. 4 5. an herzlich erwiderte ſie die Begrüßung und Entſchuldi⸗s Er nahm jetzt an dem Tiſche Platz und ſuchte ein gung des Zuſpätkommens des jungen Mannes und Geſpräch mit dem Sohne des Paſtors anzuknuͤpfen, 6 bat ihn ſich zu ihr in einen ſchon bereitſtehenden dieſer ſchien aber nicht geneigt dazu, denn nur ein⸗ G
ſylbig beantwortete er die ihm geſtellten Fragen. Sein ganzes Weſen war gedankenvoll, ein tiefer Ernſt lag auf der hohen Stirn, ſein mildes, blaues Auge hatte 1 einen traurigen, ſchwermüthigen Ausdruck, ſeine leicht gebogenen Haare ſtrich er mehre Mal aus der Stirn, 8 wenn er ſich dadurch von drückenden Gedanken
Seſſel zu ſetzen. Ehe Sir William dieſer Einladung nachkam, drückte er die ihm dargereichte Hand eines Mannes, der dem Anſchein nach ein Gelehrter ſein mußte, worin auch keine Täuſchung lag, denn der Titel Profeſſor beſtätigte dieſe Vermuthung. Die anderen Anweſenden beſtanden aus einem jungen Mädchen und zwei jungen Männern. Die erſtere —
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vefreien könnte; er ſtandazur Seite des Stuhles, den Marie eingenommen, und ſchien dieſe mit unverwandten
Blicken zu betrachten. Sie im Gegentheil unterhielt
ſich ſehr angelegentlich mit dem Profeſſor und be⸗
ſorgte dabei ihr Amt als Wirthin mit Umſicht und
Anmuth.
war die Nichte des Paſtors Weimuth, das einzige Kind ſeines früh verſtorbenen Bruders. Als fünf— jähriges Kind fand ſie Aufnahme in der Familie ihres Onkels, des Paſtors Weimuth, wo ſie nie die Liebe, Pflege und Erziehung der rechten Eltern entbehren lernte, gedieh körperlich und geiſtig kräftig zur wah⸗ Während dieſe kleine Geſellſchaft ſich die Zeit
ren Freude ihrer Pflegeeltern, denen Marie mit un⸗ durch Unterhaltung zu vertreiben bemüht iſt, wenden endlicher Liebe ergeben war; ebenſo theuer war ihr wir uns zu dem jungen Mädchen, welches, mit der ihr Pflegebruder Oskar, der einzige Sohn des Paſtors. alten Dienerin den Garten durchſchreitend, bald das
Zur Jungfrau erblüht, war ſie eine liebliche, anzie⸗ Haus erreichte und in den Gartenſalon, wo wir ſie zu⸗ d hende Erſcheinung, voller Geiſt und Leben; ihre Züge erſt trafen, eintrat. Dieſer war jetzt durch eine Lampe
waren weder regelmäßig, noch ſchön, doch das Ganze erleuchtet, die ihren hellen Schein auf die hohe Ge⸗. machte einen höchſt angenehmen Eindruck, der durch ſtalt der jungen Dame fallen ließ. Hedwig Walther
das kluge, braune Auge und den ſchalkhaften Zug um den Mund noch gehoben wurde. Ihre Geſichtsfarbe war friſch und roſig, dunkles Haar umſchloß einfach geſcheitelt die freie Stirn und endigte ſich in einen Knoten von zwei ſtarken Flechten gelegt, der die hübſche Form des Kopfes noch mehr hervortreten ließ. Die Geſtalt war nicht ſehr groß, behende, ohne ſchwach zu ſein, ihr ganzes Sein athmete Leben, Frohſinn
war eine vollendete Schönheit, alle Grazien ſchienen bereit geweſen zu ſein, ſte mit irgend einem Reiz zu ſchmücken. Der ſchlanke, feine Wuchs, das ſchön ge⸗
Augen, Augenbrauen, die weiße, edle Stirn gaben dem Ge⸗
ſicht ein intereſſantes à .
Naſe, der kleine Mund,


