Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
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Uff! ſtöhnte der dicke Hauptmann von Stein⸗ bach.Da ſieht man, was Glück heißt. Der Roſen⸗ kranz heirathet in zwei bis drei Monaten und ſteht ſich dann beſſer, als ein Capitain erſter Claſſe.

Wenn Bertha Schmidt das halbe Vermögen von Selma Reichenau hätte, meinte der Sarkaſtiſche, ſo würde ich ſie vielleicht auch heirathen.

Ach, Sie ſind ja nicht ein ſolches Genie wie Roſenkranz! rief der vorlaute Herr von Langen.

Und eigentlich hat das Alles das Liebhaber⸗ theater gemacht, bemerkte der Fähnrich von Sperling beſcheiden.

Zwei aber waren ſehr glücklich, und wir wollen nicht verrathen, was ſie zu einander ſagten.

Jakob Grimm.

Erinnerungen aus ſeinem Jugendleben, erzählt von Dr. Paul Wigand.

(Fortſetzung.)

Die längern Ferien beachte der Freund wohl in dem Städtchen Steinau, dem Wohnort ſeiner Familie, zu. Die liebe ſanfte Frau wohnte da noch mit den übrigen Kindern; darunter war das einzige Schweſter⸗ chen, das alle fünf Brüder mit innigſter Liebe auf den Händen trugen. Auch von da bekam ich Briefe und die Erzählung von den Abenteuern kleiner Reiſen, auch von anmuthigen Bällen, die den Freund eine Zeitlang anzogen. Er gerieth da zugleich über die Bibliothek ſeines Vaters und referirte mir von ältern Werken, die er mit Intereſſe geleſen hatte.

Mit dem Frühjahr 1803 wuchs die Sehnſucht, und auch die Freude über das baldige Wiederſehen und Zuſammenſein. Er klagte über ſein einſames Leben in Marburg und pries die ſüßen, heiligen Stunden, wo Verwandten⸗ und Bruderliebe uns um⸗ ſchlingt, wo Freundſchaft uns die Hand reicht:

Wie freue ich mich auf den Sommer, wo wir uns täglich beſuchen werden! Lieb iſt es mir, daß auch Dir mein Umgang angenehm und werth iſt.

Der Sommer vereinigte uns wieder, und es bil⸗ dete ſich ein heiterer Kreis treuer, aufrichtiger Jugend⸗ genoſſen, die in unabläſſiger Thätigkeit manchen Be⸗

ſtrebungen, Hoffnungen und Plänen ſich hingaben, ſpäter aber den Ausſpruch Goethe's beſtätigt fanden: der Menſch mag ſich wenden, wohin er will, er mag unternehmen, was es auch ſei, ſtets wird er auf

Novellen⸗Zeitung.

jenen Weg wieder zurückkehren, den ihm die Natur einmal vorgezeichnet hat.

Ach, welche Fülle von reichen Erfahrungen, Be⸗ ſtrebungen und Erlebniſſen, von Freude und Hoffnun⸗ gen enthält doch der Raum der erſten Jugendjahre! Eine unendliche Zeit dünkt ſie uns, während ſpäter gleiche Zeiträume in leerer Einförmigkeit ſo ſchnell verfliegen. Je älter wir werden, deſto mehr klagen wir über den ſchnellen Flug der Zeit, während dem Kind oft ein einziger Freudentag wie eine Ewig⸗ keit vorkömmt.O mein Gott möchte man mit Golz ausrufeniſt es denn nicht möglich, mit ſo vielen Lebensanſtalten und mit ſo vielen Bil⸗ dungsmitteln heute noch ſo glücklich zu ſein und die Welt ſo umzubilden, als da man arm und ein⸗ fältig war, aber ein Kind?

Auf Oſtern 1803 wollte ich die Schule verlaſſen und die Univerſität beziehen. Ich hatte alle Claſſen durchlaufen, und beſondere Prüfung der Reife und Maturitäts⸗Zeugniſſe waren damals nicht Sitte; es blieb Jedem überlaſſen, ob er ſich ſelbſt für reif halte. Das letzte Examen machte man wie gewöhnlich mit den übrigen Schülern. Die Prüfungen wurden aber mit einer lateiniſchen Rede, die einer der ältern Schüler hielt, eröffnet. Eine beſondere Feierlichkeit hatte aber jährlich für die zur Univerſität abgehenden Schüler durch eine öffentliche Redehaltung ſtatt, wozu auch ich mich gemeldet hatte. Viele zogen jedoch, ohne an dieſer Feierlichkeit Theil zu nehmen, zur Univerſität. Auch Jakob Grimm hatte dies gethau, und ſchrieb mir:Zu Deiner Rede kann ich nicht eben Glück wünſchen, denn das Redemachen, expertus scio, iſt ſowohl beim Verfertigen, als Auswendiglernen, nichts Angenehmes. Er ſelbſt hatte ſchon eine Rede ge⸗ halten, mit der jedesmal das Examen eröffnet wurde, und wozu Einer der älteren Schüler gewählt wurde. Mich ließ zwar auch die Rede, welche ich nach dem aufgegebenen Thema über die Orakel der Griechen hielt, ziemlich kühl, aber doch war es für mich ein ſehr feſtlicher und feierlicher Tag, beſonders da ich die Ehre hatte, als der älteſte die eigentliche Abſchiedsrede zu halten. Der beſtimmte Tag erſchien, und ich betrat den feſtlich geſchmückten großen Saal mit einigem Herzklopfen, denn es gehörte doch Muth dazu, vor einer ſo großen Menge von Zuhörern zum erſten Mal öffentlich zu reden. Oben am grünen Tiſch ſaßen die Mitglieder des Directoriums, dar⸗ unter Miniſter und geheime Räthe, ihnen zur Rechten gereiht die Lehrer mit Friſur, Chapeaubas und ſeidenem Mantel. Dieſen gegenüber befanden ſich die Sitze für die Zuhörer, unter denen ich mit einigem Herzklopfen meinen guten Vater bemerkte. Weiter

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