Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
230
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Die Klingel ertönte zum dritten Mal, und die beiden gut darauf eingeſchulten Musketiere ließen den Vorhang regelrecht aufſteigen. Der Baron Jakob ſtand im Hintergrunde auf einer Leiter und befeſtigte die Guirlanden.

Baron Jakob:Ihr müßt das am beſten beur⸗ theilen können. Hängen die Guirlanden regelrecht?

Johann:Rechts mehr in die Höhe, Herr Lieutenant.

Das Publicum brach in ein lautes Lachen aus; der Premier hätte dem Fähnrich den Kopf abbeißen mögen, aber er durfte ja nicht aus dem Souffleur⸗ kaſten heraus.

Lieber Fähnrich, ich bin der Baron Jakob und niemals Lieutenant geweſen, ich war bei'm diploma⸗ tiſchen Fache, ſagte der Lieutenant von Langen kalt⸗ blütig, indem er auf ſeine Ordensbänder zeigte.

Im Publicum lachte man von Neuem, der Fähn⸗ rich war ganz aus dem Concept gekommen und ſah ohne Schminke glühend roth aus.

Herr! in drei Teufels Namen! nehmen Sie ſich zuſammen! flüſterte ihm der verzweifelnde Souffleur zu.Wenn Sie mich blamiren, ſo gebe ich Ihnen nicht meine Stimme bei der Officierwahl.

Die erſte Scene ging glücklich weiter, und der Fähnrich verſprach ſich nicht mehr.

Nun blieb aber der Baron Jakob alle Augen⸗ blicke auf dem Sande ſitzen, und es bedurfte der äußerſten Mühe des Souffleurs, ihn wieder flott zu machen; Lieutenant von Langen fiel darüber glück⸗ licherweiſe nicht ganz aus der Rolle, ſondern nahm die Sache von der humoriſtiſchen Seite und meinte ein paar Mal zur großen Heiterkeit des Publicums ganz laut:Aber, lieber Souffleur, laſſen Sie mich doch nicht im Stiche.

Der Premier ſchwitzte in ſeinem engen Kaſten vor Angſt und Aerger, jede Aeußerung der Heiterkeit von Seiten des Publicums gab ihm einen Stich in das Herz. Tinchen ſpielte eben ſo ſteif wie in den Proben, Fräulein Bertha Schmidt und ihr Cour⸗ macher lachten ganz ungenirt; kurz die Aufführung fiel noch bedeutend mangelhafter als die Proben aus.

Nie, ſagte der Premier, nachdem er im erſten Zwiſchenacte ſeiner Unzufriedenheit Worte gegeben hatte, mit großer Entſchiedenbeit,nie werde ich wieder ein Liebhabertheater arrangiren.

Aber, beſter Herr von Roſenkranz, wir Alle thun doch unſer Moöglichſtes!

Ja, um mich zu ärgern! ergänzte er giftig und kroch wieder in den Souffleurkaſten, wo er ſich mit dem gelbſeidenen Taſchentuche den Schweiß von

Novellen⸗Zeitung.

Selma allein hält das ganze Stück, ſeufzte er für ſich.

Darin hatte er wahrhaftig Recht; Fräulein Rei⸗ chenau's vortreffliches Spiel erregte allgemeine Sen⸗ ſation.

Herr und Madame Reichenau befanden ſich na⸗ türlich in zweiter Reihe unter den Zuſchauern, in der erſten ſaßen nämlich nur die Damen von der Feſtung. Die beiden alten Leute waren ganz glücklich über das reizende Ausſehen ihres Töchterchens, ihr ſicheres Auftreten und die Lobeserhebungen, die ihr auch der Neid mußte zu Theil werden laſſen.

Mutter, ſagte der Herr Papa im erſten Zwi⸗ ſchenaete und wiſchte ſeine Brille ab,iſt unſere Selma nicht einzig?

Ja, der Herr von Roſenkranz hat das auch gut genug gewußt, ſonſt würde er ihr nicht die Haupt⸗ rolle gegeben haben.

Sehr verſtändig von ihm!

Ja, es iſt ein ſehr netter und artiger junger Mann! e

Vielleicht hätten dieſe Worte den Premier en ſeinem Souffleurkaſten zu tröſten vermocht, aber lei⸗ der hörte er ſie nicht.

Im neunten Auftritte des zweiten Actes erſcheint Hedwig van der Gilden, die Gemahlin des Barons Jakob, auf Schloß Ellerbrunn, um ihren ungetreuen Gatten zu überraſchen, nicht mehr in ihrer frühern Verkleidung, ſondern in ſehr eleganter Toilette, von da ab beginnt erſt der Glanz ihrer Rolle.

Der Premier hatte große Hoffnungen auf dieſe Scene geſetzt, die das Publicum mit allen den klei⸗ nen bisher vorgefallenen Unregelmäßigkeiten und

Er blickte aus dem Souffleurkaſten ſehnſüchtig nach dem Raume zwiſchen den Couliſſen, in dem er bereits einen Zipfel von Selma's weißem Gaze⸗Ueberwurfe auf hellgrünem Seidenkleide erblicken konnte.

Baron Jakob ruft überraſcht:Meine Frau! Das iſt Selma's Stichwort; ſie ſoll heiter und un befangen eintreten.

In demſelben Augenblick hört man einen mark⸗ durchdringenden Schreckensſchrei; eine halbe Secunde ſpäter wiederholen ihn ein paar Hundert Kehlen von der Bühne und vom Zuſchauerraume her; Viele bleiben ſtarr an ihre Sitze gefeſſelt, Viele ſpringen ungeſtüm auf, aber nun verſagt ihnen die Geiſtes⸗ gegenwart und ſie rühren ſich nicht von der Stelle. Mit dem herzbrechenden Rufe:Hülfe! o mei Gott! zu Hülfe! iſt nämlich Fräulein Selma chenau auf die Mitte der Bühne geſtürzt und daſell

der Stirn trocknete.

von Schrecken überwältigt, in die Kniee ge

Schwächen der Darſtellung wieder verſöhnen ſollte.

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