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der ſchwarze Frack und die weiße Halsbinde kleiden vortrefflich, und die ſieben Ordensbänder,— ſie ſpielen in den Regenbogenfarben— die Herr von Langen ſich in das Knopfloch gebunden hat, geben ihm ein wundervolles Anſehen.
Fräulein Selma, die zuerſt in der Verkleidung eines Bauermädchens auftritt, ſieht trotz ihrer ſieben⸗ undzwanzig Jahre bezaubernd aus; ſie hat nicht über⸗ trieben, ſondern ihren guten und richtigen Geſchmack glänzend bewährt.
Fräulein Tinchen als Commiſſionsräthin Zucker aber ſieht ganz wunderlich aus und erregt das ge⸗ rechte Mißfallen des Regiſſeurs. Sie hat ſich blut⸗ roth geſchminkt, denn ſie hält dies bei dem Bühnen⸗ lichte für nothwendig; dann trägt ſie ein rothſeidenes Kleid, das Mama ehemals an ihrem Hochzeitstage angehabt und expreß für ſie geändert hat, einen Shawl von rothem Créêpe de Chine, roſa Glacéhand⸗ ſchuhe und einen roſofarbenen Atlashut. Sie kommt dem Premier wie ein weiblicher Mephiſto vor, aber er beißt ſich auf die Lippen und ſagt Nichts, denn er mag nicht zum zweiten Male einen Kampf mit der Majorin wagen.
Novellen⸗Zeitung.
„Man ſollte glauben, Sie wollten die Berliner Opernbälle beſuchen, mein gnädiges Fräulein.“
„Nun, wir tanzen ja auch nachher.“
„Aber nicht auf der Bühne,“ bricht Herr von Roſenkranz heraus.„Verzeihen Sie mir tauſendmal, aber in dieſem Coſtüme können Sie nimmermehr die Marie geben.“
„Aber warum denn nicht, Herr von Roſenkranz?“ fragt die Dame verwundert.
„Mein Himmel! Sie begreifen doch, daß Sie ein Dienſtmädchen vorſtellen ſollen.“
„Aber, mein Himmel!— ich bin es doch ein⸗ nicht.“
Die Debatte wird ernſthaft; endlich ſagt Fräu⸗ Bertha ſchmollend:
„Dann ſpiele ich gar nicht mit!“— und dabei bricht ſie in heiße Thränen aus.
„Aber, mein beſtes Fräulein!“ ruft der Pre⸗ mier verzweifelnd aus,„ſo nehmen Sie doch Ver⸗ nunft an!“
„Vernunft?“ fragt Bertha zornig.„Wollen Sie damit ſagen, daß ich keine Vernunft hätte, Herr von Roſenkranz?— Sie werden beleidigend— und
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Der Lieutenant iſt weniger Herr ſeiner Ent⸗ rüſtung; er kommt ganz erhitzt auf den Premier zu und flüſtert ihm in das Ohr:
„Die ſoll ich lieben? Das iſt zu viel verlangt, Roſenkranz. Ich komme hier bei allen Mädchen um den Ruf meines guten Geſchmackes. Das Mädchen ſieht ja aus, als ob ſie ſich mit Küchenroth ange⸗ ſtrichen hätte. Es geht nicht, Premier, es geht— auf Ehre! nicht.
Herr von Roſenkranz hat unendliche Mühe, den Lieutenant in ſchwarzem Fracke und weißer Cra⸗ vatte zu beruhigen, aber er müßte ein ſchlechter Regiſſeur ſein, wenn ihm das am Ende nicht doch gelingen ſollte.
Und Fräulein Bertha Schmidt? Als Dienſtmäd⸗ chen trägt ſie ein hellblau ſeidenes Kleid mit einer Schleppe und darunter eine Crinoline, die wenigſtens
zwölf Fuß im Umfange hat. Das iſt dem Premier denn doch zu toll! Er nimmt ſeine ganze Ruhe zu⸗ ſammen, geht an das Fräulein hinan und ſagt mit unnachahmbarem Geſichtsausdrucke:
„Sie ſehen reizend aus, Fräulein.“
Berthachen wird ein bischen roth und verlegen und flüſtert:
„Der Herr Lieutenant von Sanders“— dies iſt der Sarkaſtiſche—„meint, die Crinoline ſei zu enge.“
Der Premier erwidert, ſchon etwas bitter ge⸗ worden:
nun gar gegen eine Dame, ein armes, ſchutzloſes Mädchen!“
In demſelben Augenblicke iſt der Sarkaſtiſche herbeigeeilt.
„Mein theuerſtes Fräulein,“ ſagt er, Bertha's Hand ergreifend.„Sie ſchwimmen in Thränen. Mein Gott, was iſt denn vorgegangen?“
„Ja, wenn man mir ſagt, daß ich keine Ver⸗ nunft hätte!“ ſchluchzt ſie..
„Keine Vernunft? Sie, Fräulein Bertha? Wer hat das zu ſagen gewagt?“
„Der Herr Lieutenant von Roſenkranz,“ ſchluchzt das unglückliche Fräulein.
„Aber, lieber Camerad— liebes Fräulein—“ ſtͤhnt der Premier.
„Herr von Roſenkranz!“ ſagt der Sarkaſtiſche barſch.
Jetzt wird der geduldige Premier auch wüthend.
„Herr!“ ruft er mit zorngerötheten Wangen, ich bin hier der Regiſſeur! Es fehlt nur noch, daß ich mir eine Kugel durch den Leib ſchießen laſſe, weil ich Euch Allen gefällig geweſen bin, mich für Euer Vergnügen geopfert habe. Aber jetzt hat's ein Ende damit. Helft Euch, ſo gut Ihr könnt, zu morgen, ich ziehe mich zuxück. Adieu!“
Und der Premier ergreift ſeine Mütze, die
auf dem Fortepiano liegt, ſteckt ſich den Degen an u0 3
will in die Nacht hinaus fortſtürzen. 2 Die Scene hat Aufſehen gemacht; ale Sabe
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