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jenen gellenden
wird er wohl bald das Pferd ſehen,
zu bezeigen.
Natürlich wird dieſes durch die freundlichſten Schmei⸗ cheleien von Seiten ſeines Herrn belohnt. Nur hier kann man ſehen, welch' ein edles Thier das Pferd iſt und was der thörichte Menſch aufgiebt, indem er dem Pferdeknecht das Beſte von ſeinen Pferden, die Liebe derſelben, überläßt. Der Wilde und der Araber ſind klüger; ſie reiten nicht nur und quälen ihre ſchönen Thiere, ſondern ſie pflegen dieſelben, ſie geben ihnen mit eigener Hand das Futter und das Ge⸗ tränk, ſie ſtreicheln es, ſie ſpielen mit ihm, und o, wie dank⸗ vortreffliche Thier für dieſe eigennützige
bar iſt das edle, Liebe!
Eine Dorfgeſchichte.*)
Es war an einem ſchönen Morgen des freundlichen Heumonates. Der Thau perlte auf dem Graſe in Millionen Diamanten, die Sperlinge pipten auf dem Dache und aus warmduftendem Kuhſtalle konnte der ſinnige Beobachter ein harmoniſches Mu vernehmen.
Da erklangen die Glocken des nahen Kirchleins, und die frommen Dorfbewohner eilten im Sonntagsſtaate, wohlver⸗ ſehen mit großen Blumenſträußen, um ſich während der Pre⸗ digt durch den kräftigen Geruch von Rosmarin am Einſchla⸗ fen zu hindern, in das andachtsvolle Gotteshaus.
Nur der kleine Wilhelm, der einzige Sohn des Wirthes vom Pachthofe, war unter dem Schutze einer Viehmagd zu Hauſe geblieben. Wilhelm war ein hübſcher blonder Knabe, doch zählte er kaum fünf Lenze. Die Magd aber kämmte ihr ſtruppiges Haar, wie ſie Sonntags zuweilen that, und Wil⸗ helm ging in den Garten.
Er ahnte nicht, wie verhängnißvoll dieſer Gang ihm werden ſollte.
Im Garten ſtanden Stachelbeeren, und obgleich ſie noch nicht reif waren, konnte Wilhelm doch der Verſuchung nicht widerſtehen, davon zu naſchen
Aber nicht unbelauſcht war ſeine That geblieben, denn der Garten lag am Wege, und herüber erſcholl eine Stimme: 4„Warte, Du böſes Kind, wenn du unreife Stachel⸗ beeren iſſeſt, ſo führe ich Dich in's Stockhaus.“
Es war ein Polizeimann mit glänzender Kopfbedeckung, welcher das artige Kind ſo erſchreckte, daß es weinte und in das Haus zurücklief.
Der Polizeimann aber ging weiter und überlegte in ſei⸗ nem Inneren die Wichtigkeit dieſes Vorfalls. In ſeiner Wohnung angekommen, ſchlug er eine Menge Geſetze, Ver⸗ ordnungen, Inſtructionen und Verhaltungsbefehle nach, und ſiehe da! Da ſtand es mit klaren Worten: es iſt darauf zu achten, daß der häufige Genuß von Gurkenſalat, unreifem Obſt u. ſ. w. vermieden werde.
„Ich hab's gefunden,“ rief er und ſchrieb.
Dann eilte er zurück zum Pachthofe, deſſen Bewohner unterdeß aus dem friedlichen Gotteshauſe zurückgekehrt waren. Doch der kleine Wilhelm erſchrak bei dem Anblicke des grim⸗ migen Polizeimannes. Er fing an zu weinen und wollte ſich
Pfiff hervorbringt, deſſen ſich auch wohl un⸗ ſere Schäfer bedienen, um ihre Hunde dadurch zu lenken, ſo wie es mit geſpitzten Ohren berangaloppirt und wie es dann, ſo wie es ſeinen Reiter erblickt, die tollſten Sprünge macht, um ſeine Freude
Novellen⸗Zeitung.
nicht beruhigen laſſen. Denn er dachte an jene fürchterliche Drohung mit dem Stockhauſe.
„Er hat Leibſchmerzen,“ ſagte der Polizeimann.
„Gebt ihm Chamillenthee,“ ſagte die Frau Nachbarin, welche, das Geſangbuch unter dem Arme, auf einen Augenblich nur zum Beſuche gekommen war.
Vorfalle erhalten hatte, ſchien die Sache nicht ohne Schwie⸗ rigkeit. Er berichtete daher an die vorgeſetzte Mittelbehörde und bat um Verhaltungsbefehle. Die vorgeſetzte Mittel⸗ behörde ſchrieb zurück:„Vor weiterer Unterſuchung iſt es ſehr wichtig zu wiſſen, ob die Stachelbeeren, welche beſagter Wilhelm gegeſſen hat, der rothen Sorte angehörten. Au⸗ ßerdem iſt die Sache an den Geiſtlichen zur Begutachtung abzugeben, weil das fragliche Factum Sonntags geſchehen iſt, und an die Medicinalbehörde wegen der Leibſchmerzen.“ Es war an einem ſchönen Nachmittage. Die Lerchen ſangen in den Lüften dem Schöpfer ihr Loblied, jedoch ohne Conceſſion zum Muſikmachen und die Schwalben begannen heimwärts über die nahe Landesgrenze zu ziehen, jedoch ohne Paßkarte, was jedem gewiſſenhaften Manne auffallen mußte. Da fuhr der würdige Gerichtsamtmann mit dem Protokoll⸗ führer und dem Gerichtsbeiſitzer und dem Haupt⸗ und Neben⸗ frohn auf den Pachthof, um die nöthigen Erörterungen über die fragliche Stachelbeerangelegenheit anzuſtellen. Doch die Stachelbeeren waren alle von den Sträuchern verſchwunden, denn das Laub fiel ſchon von den Bäumen,
*) Siehe den liter. Brief:„Erlebniſſe eines reiſenden Prinzen.“
und die Exemplare, welche der kleine Wilhelm gegeſſen hatte, waren eifrigen Suchens ungeachtet nicht mehr aufzufinden. Nach längerer Zeit erſchien das Gutachten des Geiſtli⸗ chen; es bildete einen anſehnlichen Band(denn Vielſchrei⸗ ben iſt ein Hebel der Papierfabrikation) und hehandelte 1. den Sonntag im Allgemeinen, 2. die Arbeit im Allgemei⸗, nen, 3. die Sonntagsarbeit im Beſonderen(Arbeit iſt näm⸗ lich Sonntags nicht geſtattet, ſondern nur Kartenſpiel und Trinkgelage), 4. ob das Eſſen von Stachelbeeren Arbeit ſei, 5. Anwendung der oben entwickelten Grundſätze auf den vor⸗ liegenden Fall, 6. Schluß und Folgerung, daß nicht nur die Kinder, ſondern ſchon die Ammen unter geiſtliche Aufſicht ge⸗ ſtellt werden ſollten.
Die Königliche Medicinalbehörde lieferte zu den Acten eine chemiſche Unterſuchung über Obſtſäure und eine patho⸗ logiſche über Leibſchmerzen. Außerdem verſetzte ſie die Frau Nachbarin des Pachtwirthes in Anklageſtand, eweil ſie geſagt hatte:„gebt ihm Chamillenthee,“ als eine, wlche ohne Zu⸗ ziehung eines vielgeprüften Arztes die Geſundheit eines Menſchen wieder herzuſtellen ſich unterfangen und daher un⸗ befugter Medicaſterei ſich ſchuldig gemacht habe.
Ein Jahr war vergangen; wieder blühte der holde Mai und darauf der Heumonat. Da ſandte eines Tages der Gerichtsamtmann vier ſtarke Actenſtücke,„den kleinen Wil⸗ helm betreffend“, an die vorgeſetzte Mittelbehörde. Hier ruheten die Acten eine Zeitlang ſtille, und darüber verging ein neues Jahr.
Dann aber ſaßen ſie zuſammen, die weiſen Räthe, und hielten Sitzung. Auch der Vorfall mit dem kleinen Wilhelm und den Stachelbeeren wurde ihnen vorgetragen. Doch ſie fanden keinen Rath und ſchickten die Acten an die vorgeſetzte höchſte Behörde. Dort ruheten ſie noch länger.
Unterdeß war der kleine Wilhelm größer geworden. Weil er ſo viel hatte ſchreiben ſehen, wollte er auch ein Schreiber werden und wurde der lateiniſchen Schule über⸗n geben. Der Polizeimann aber war ſchon zu ſeinen Vätern
Dem Gerichtsamtmann, welcher die Anzeige von den
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