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218 Novellen⸗Zeitung.
Sein Roman«Lorenz Stark, iſt einer der beſten, die Deutſchland hat.“
Um die Mittheilungen wurde iich fleißig ange⸗ gangen, und daß ich nicht faul darin war, ſehe ich aus einem Briefe:
„Für die mir zeither überſchickten Gedichte, Er— zählungen, Notizen, Miscellen u. ſ. w. danke ich herzinniglich.“
Es war meine Luſt und Freude, alles Intereſ⸗ ſante dem Freunde mitzutheilen. Auch die Kunſt intereſſirte uns; wir fuhren fort zu zeichnen, und waren auf gute Kupferſtiche ganz verſeſſen:
„Ich bin jetzt wieder ganz exemplariſch in das Zeichnen vernarrt. Wo ich eine Stunde oder ein Stündchen abmüßigen kann, ſitze ich und zeichne.“
Er bat mich oft um Notizen über Gemälde, Statuen und Kunſtſachen aller Art, und wir refe⸗ rirten gegenſeitig über neuerſcheinende gute Kupfer⸗ ſtiche.
Die Ferienzeit unterbrach unſern Briefwechſel nicht. Er ſchrieb mir in den Weihnachtsferien aus Marburg, wie die Erinnerungen an die Kinderjahre ihn in ſeiner Einſamkeit etwas ſchmerzlich berührt hätten:
„Die Feiertage habe ich ſo ziemlich hingebracht, den Weihnachtsabend aber nicht ohne einige weh⸗ müthige Empfindungen. Welch' ein feierlicher, ge⸗ heimnißvoller Tag war das ſonſt für mich! Da wurden wir abgeſondert, durften das myſteriöſe Zim⸗ mer nicht betreten; wir lauſchten; endlich wurde ge— ſchellt. Den Eintretenden ſiel gleich der holde Chriſt⸗ baum in die Augen, überhangen mit goldnen und ſilbernen Aepfeln; zarte Lichtlein prangten; daneben ſtanden Teller mit Aepfeln, Nüſſen u. ſ. w., wohl auch eine Schaumünze. Welche wahre Freude! Ich dachte
nichts Anderes, Alles war vergeſſen. So kindiſch kind⸗
lich kann ich mich jetzt gar nicht mehr freuen; nie kehrt dieſe Zeit wieder. Ich fühle es; alle Freude iſt an die Gegenwart gebunden. Alle Zukunft und Vergangenheit muß dabei wegleiben, ſowie alles Ver⸗ gleichen, Beurtheilen u. ſ. w.“
Kann man rührender und inniger von der Kind⸗ heit ſprechen?
Wie ich nun dem Freund faſt immer Gutes und Heiteres meldete, mußte ich ihm nun auch eine Trauer⸗ botſchaft melden, den Tod unſeres geliebten Lehrers, des Rector und Profeſſor Richter. Obwohl ſchon in hohem Alter, war dieſer ausgezeichnete Philolog doch noch ein trefflicher Lehrer, und während die übri⸗ gen Lehrer meiſt hypochondriſch und närriſch waren, war er der freundlichſte und liebevollſte Mann. Kein
hartes Wort kam über ſeine Lippen, ſondern er
nannte uns ſeine Kinder; das ſanfte Wort„liebes
Kind“ hörte man oft von ihm. Welcher Schüler
hätte ihn nicht wieder lieben, und ihm gern folgen wollen, um ſeine Gunſt zu erwerben. Ich war gleich⸗ ſam ſein letzter Schüler, denn als wir in einer Nach⸗ mittagsſtunde den Curtius laſen, ließ er mich, ohne das bekannte„sequens“ auszuſprechen, unausgeſetzt fortfahren, wobei er nur einige unverſtändliche Worte murmelte. Ich beobachtete ihn öfter, und trat end⸗ lich auf ihn zu und ſagte:„Lieber Herr Profeſſor, iſt Ihnen unwohl, und darf ich Sie auf Ihr Zimmer führen?“ Er antwortete:„Ach ja, mein Kind, thu das.“ Ich führte den ſchwachen Mann vorſichtig hinauf, und er betrat die Claſſe nicht wieder. Der Schmerz über dieſen Verluſt war allgemein; Thränen preßte uns ſein Teſtament aus, deſſen Schluß eine tröſtende und liebevolle Anrede an ſeine Freunde und Schüler war. Ich ſchrieb in mein Tagebuch:„der Glanz und die Stütze des Lyceums iſt dahin.“ Und Jakob Grimm
ſchrieb mir aus Marburg, drückte mir auch ſein
ſchmerzliches Leid aus:
„Er war doch ein lieber guter Mann, dem wir Alle viel zu danken haben. Sanft ruhe ſeine Aſche, in unſern Herzen aber lebe er immer fort.“
Eine ſchöne Erinnerung für mich war es, als ich im Jahr 1805 bei der Doctor⸗Promotion eines Freundes, des nachherigen Profeſſor Bucher, öffentlich disputirte, und nach beendigter Feierlichkeit der Phi⸗ lolog Profeſſor Crede auf mich zutrat und mir freundlich ſagte:„ich habe gehört, daß Sie aus der Schule Richter's kommen.“(Fortſetzung folgt.)
Literariſche Briefe von Otto Banck.
Geſchichtsbilder aus demdeutſchen Va⸗ terlande. Herausgeg. von Ferdinand Schmidt. Berlin, bei Max Böttcher.— Albrecht von Bran⸗ denburg. Geſchichtlicher Roman von Paul Stein. Leipzig, Verlag von F. Wilh. Grunow.
Sie werden finden, daß dieſe Geſchichtsbilder nicht mit den ſogenannten hiſtoriſchen und cultur⸗ hiſtoriſchen Romanen zu perwechſeln ſind. Der Un⸗ terſchied zwiſchen beiden iſt ein weſentlicher. Während der eigentliche Roman das Geſchichtliche nur als Un⸗ terlage nimmt und darauf mit Benutzung der Wirk⸗ lichkeit ein oft ſehr freies, ja willkürliches Phantaſie⸗ gebilde aufbaut und beliebige Abweichungen von der Wahrheit ſich erlaubt, muß ſich der Verfaſſer von Ge⸗ ſchichtsbildern mit möglichſter Strenge an das Detail
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