Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
212
Einzelbild herunterladen

212

gerade Jahrmarkt abgehalten wird; er hat dahin ſeine Geliebte mit ihrem Gatten und einige andere Perſonen eingeladen, um erſterer ein Feſt zu geben. Seine Gat⸗ tin, die dies erfahren, folgt ihm mit einem Herrn von Dorneck, der ſich ehemals, gleichzeitig mit dem Baron, um ihre Hand beworben hat, jetzt aber zu ſeiner anderweitigen Verlobung reiſt. Sie erſcheint mit dieſem plötzlich auf Schloß Ellerbrunn, überraſcht ihren Mann und verſteht, ihn im höchſten Grade eiferſüchtig zu machen. Mit der Eiferſucht kehrt ſeine Liebe zu ihr zurück, der Baron giebt die Commiſſions⸗ räthin auf und erkennt vollſtändig den hohen Werth ſeiner Gemahlin an.

Das iſt der Hauptinhalt des allerliebſten Blum' ſchen Luſtſpieles.

Nachdem unſer Premier ſich den erſten Liebhaber geſichert hatte, mußte er natürlich auch an die erſte Liebhaberin denken; ſeine Wahl in Bezug auf ſie war ja bereits getroffen, wie wir gehört haben.

Wir haben bereits Etwas von Fräulein Selma Rei⸗ chenau gehört und wollen nur noch hinzuſetzen, daß ihr Vater für den reichſten Mann in P. galt und es auch wirklich war, daß er ihr eine vortreffliche Erziehung hatte zu Theil werden laſſeu und daß ſie demzufolge ein liebenswürdiges und braves Mädchen geworden war.

Fn Man ſollte denken, um einen ſolchen Goldfiſch müßten

ſich alle Heirathsluſtigen mindeſtens zerriſſen haben, und ſo bleibt es auf den erſten Blick unbegreiflich, daß Selmachen ihren ſiebenundzwanzigſten Geburts⸗ tag hatte feiern können, ohne bereits den goldenen Reif auf einem ihrer zierlichen Finger zu tragen.

Aberjedes Ding hat ſeine Urſach'.

Selma Reichenau war, wie jede einzige Tochter reicher Familie, ein bischen verwöhnt; wer wollte es ihr auch verdenken, daß ſie wenigſtens den einen Anſpruch machte, ihre Hand nicht ohne ihr Herz ver⸗ ſchenken zu wollen?

In einer Garniſonſtadt neigt ſich das junge, aufblühende Herzchen eines Mädchens, welchen Stan⸗ des ſie auch ſei, faſt immer der Uniform zu, und wenn es auch blos ein ſüßer Traum bliebe, die erſte ſtille Liebe iſt gewiß ein Soldat. Man hat Romane geleſen, man ſchwärmt für alles Ritterliche, und da die romantiſche ſchöne Ritterzeit nun einmal ein Ende hat, ſo ſucht man nach dem, was wenigſtens noch an ſie erinnert. In den Augen eines ſechszehn⸗ bis zwanzigjährigen Mädchens ſieht der allein noch wie ein Ritter aus, der einen Degen an der Seite trägt, mag derſelbe auch noch nie zum ernſten Streite ge⸗ zogen worden ſein.

Damals ſtand der Seconde⸗Lieutenant von Roſen⸗

Novellen⸗Zeitung.

kranz noch in P.; er war auch damals ſchon der Petit-maitre der Geſellſchaft.

Er tanzte viel mit ihr, und daß er ihr gefiel, nun, das iſt Geſchmacksſache, über die Niemand mit Selma rechten darf. Und ſie gefiel ihm auch, aber es blieb bei den Quadrillen und Walzern, es blieb nur eine kleine Inclination. Der Lieutenant dachte: Ich bekomme ſie in meinem Leben nicht, weil ich ſo ein armer Teufel bin, und das Fräulein dachte: Ich kann mich ihm doch nicht an den Hals werfen.

Und ſo ſchieden ſie, als Herr von Roſenkranz ſeinen Windhund hatte todtſchießen laſſen, weil er zu viel Unheil anrichtete, und als er demzufolge wieder nach K. verſetzt wurde; ſie ſchieden,

Das eine Wort, es wurde nicht geſprochen.

Der Lieutenant vergaß gerade nicht Selma Rei⸗ chenau, aber er dachte mit den Monaten und Jahren doch immer ſeltener an ſie, und Selmachen ent⸗ ſchloß ſich, nie zu heirathen.

Als der Premier wieder nach P. verſetzt wurde,

klopfte Selma's Herz lauter als gewöhnlich, aber ſie drückte die Hand darauf und dachte:Sei ruhig, mein Herz, Träume ſind Schäume! und als der Premier in ihrem Hauſe wieder Viſite machte, da ging ſie auf ihr Zimmer und weinte bitterlich.

Warum hatten ſie inzwiſchen alle Bewerbungen zum großen Schmerze ihrer Eltern zurückgewieſen? Ja, das müſſen unſere Leſer ſchon errathen.

Der Premier hatte alſo Selma Reichenau zur erſten Liebhaberin auserſehen; vielleicht herrſchte die alte Inelination noch ein bischen vor, vielleicht trug ihn auch nur die Ueberzeugung, Selma ſei gebildet genug, die etwas ſchwierige Rolle der Frau Hedwig van der Gilden am richtigſten aufzufaſſen.

Er machte nun ſeine zweite Viſite und brachte ſein Anliegen vor. Herr und Frau Reichenau waren höchſt erfreut darüber, auch Selma fühlte ſich geſchmeichelt dadurch, daß ihr die erſte Rolle auf dem neu errich⸗ teten Liebhabertheater zufallen ſollte.

Das arme Mädchen dachte wohl auch an ihre ſieben⸗

undzwanzig Jahre, und dennoch wurde ſie den Jün⸗

geren vorgezogen; darin erkannte ſie Roſenkranz's Herz wieder. Man acceptirte allgemein. Wie glück⸗ lich Selmachen an dieſem Tage war, mit welcher Luſt und welchem Eifer ſie an die Einſtudirung ihrer Rolle ging!

Langen, ſagte der Premier am Nachmittage zu dem vorlauten Lieutenant, der übrigens ſein Lieb⸗ ling war,Ihre erſte Liebhaberin haben wir jetzt, wir müſſen uns nun die zweite rekrutiren. Kommen Sie mit mir zu Majors; wir wollen Tinchen an⸗ werben.

1 Peemie M vorſelle jichen 6 M. Die ſe bei nant v ügſte T heit ſe im W. Befolg der ge Frau: ziemlich heiden grifen Weun durften merten A daß ihr Lieuter zen Vi fübl 9. Leben ſeinigen nehmer

meinte die be ſie ſe die a andere derzul les, m und; aus P ſizes das N ſegen den F

d ſache der Maji deſſer denn jorin