Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
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raden, ſagte Herr von Roſenkranz und faßte wieder an den Helmſchirm.

In der Abſicht des ganzen Officiercorps, ſo

weit die Individualität der Einzelnen ihnen erlaubt, bei einem ſolchen geſellſchaftlichen Vergnügen mit⸗ wirkend aufzutreten, ſetzte der vorlaute Lieutenant von Langen hinzu. 2Hm, hm, meine Herren, ich für meine Perſon kann Nichts dagegen haben. Ueberhaupt meine ich ich wollte nur ſagen aber der Herr Oberſt haben von Ihrer Abſicht Kenntniß erhalten kurz, ich habe den Auftrag, Ibnen dieſes heute Morgen hier ein⸗ gegangene Schreiben des Herrn Oberſten vorzu⸗ leſen.

Der Major, ein würdiger Mann, den ſeine Unter⸗ gebenen ſämmtlich liebten und verehrten, der aber allerdings ein bischen ſchwach gegen ſie und noch mehr nach oben hin war, entfaltete das inhalts⸗ reiche Papier und verlas das Schreiben des Herrn Oberſten, das alſo begann:

Es iſt mir zu Ohren gekommen, daß das Offi⸗ ciercorps des 2ten Bataillons des mir untergebenen Regiments ꝛc. ꝛc.

Kurz, es handelte ſich direct um das Liebhaber⸗ theater, die indirecte Veranlaſſung dieſes oberſtlichen Schreibens wollen wir nicht aufzuklären ſuchen. Der Herr Oberſt gaben nun wohl zu, daß Sie eigentlich über die ganze Geſchichte weder Etwas zu ſagen, noch zu ſchreiben hätten, aber Sie erinnerten ad 1) daran, daß das Rollenlernen die Herren vom Dienſte abhalten könne, ad 2) daß die Beſchaffung der Co ſtüme überflüſſige Ausgaben verurſachen könne, ad 3) und 4) noch verſchiedene Punkte, über deren Anwend⸗ barkeit in dieſem Falle ſich ein Philoſoph den Kopf hätte zerbrechen können, wenn er es der Mühe für werth gehalten hätte.

Hm, hm! machte der Major, als er das Schrei⸗ ben verleſen hatte.Ich danke Ihnen, meine Herren.

Man faßte wieder an den Helm und ging aus⸗ einander, es war aber auch jedem Einzelnen zum Auseinandergehen zu Muthe, beſonders dem Premier von Ro enkranz.

Liebhabertheater oder nicht? fragte er barſch jeden Einzelnen, im Kreiſe umhergehend.

Liebhabertheater, war die kurze und entſchie⸗ dene Antwort.

Dann wollen wir heute noch die Rollen ver tbeilen. Wollen Sie mich zu den Damen begleiten, lieber Langen?

Selbſtverſtändlich, wenn Sie es wünſchen. Was wird eigentlich gegeben?

Novellen⸗Zeitung.

Der Ball zu Ellerbrunn von Carl Blum. Sie ſollen den Baron Jakob machen.

Und wer entſchuldigen Sie ſoll meine meine Er hat doch eine Geliebte?

Eine Frau, mein Freund.

Ach, das iſt langweilig, lieber Roſenkranz. Aber wer wird denn die Frau ſein, wenn ich fragen darf?

Geduld! Kommen Sie ſofort nach der Parade zu mir, Sie ſollen Alles erfahren.

Ach, das iſt göttlich! meinte der Lieutenant, ſich die Hände reibend.Ja, ich bin zu Allem bereit, aber Sie werden doch nicht am Ende Minchen oder Tinchen

Hole die Mädchen der T Still! ich hätte mich beinahe verſprochen.

Der Premier war bitterböſe; es that ihm, da ſich ſeinem Arrangement ſolche Hinderniſſe entgegen⸗ zuſetzen begannen, beinahe ſchon ſeine Couliſſenmalerei leid. Aber er ſteckte die Hände in die Paletottaſchen und trat den Schnee auf dem Paradeplatze, daß er krachte.

Nach der Parade nahm er den Lieutenant von Langen mit ſich nach Hauſe. Mit großer Feierlichkeit entfaltete er ein Papier und ſagte:Hören Sie!

Der Lieutenant war ganz Ohr.

Der Ball zu Ellerbrunn, las der Premier, Luſtſpiel in drei Aufzügen von Carl Blum. Perſo⸗ nen: Baron Jakob von Ellerbrunn ſollen Sie geben, lieber von Langen. Iſt ein Lebemann, leichtfertig, verliebt und luſtig, dabei doch ein richtiges Gefühl im Herzen, die Rolle wird gerade für Sie paſſen.

Hm, und wer iſt Sie, lieber Roſenkranz? ich meine die Flamme des Barons Jakob?

Er hat deren zwei, eine Frau und eine Ge⸗ liebte.

O, vortrefflich! rief der Lieutenant, ſich die Hände reibend.Ja, dann übernehme ich die Rolle auf jeden Fall. Nur weiter! weiter!

Hedwig van der Gilden, las der Premier wei⸗ ter, ſeine Frau, die Rolle will ich Fräulein Selma Reichenau anbieten, Sie wiſſen doch, die Toch⸗ ter von dem Commerzienrath, bei dem wir neulich zuſammen Viſite machten?

Ja, ja, Sie ſchienen da im Hauſe von früber her ſehr gut angeſchrieben. Waren wohl ein bischen liirt mit Fräulein Selma?

Bewahre, meinte der Premier ernſt.

O ja, die Wahl iſt gut, fuhr Herr von Lan⸗ gen, der nicht gerade übermäßig befriedigt ſchien, fort.Eine recht hübſche Blondine, ſieht nur ein

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