Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
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ordneten menſchlichen Daſeins. Willſt Du den Be⸗ weis meiner Anſicht. Lies die Geſchichte, namentlich die ſogenannte Kirchengeſchichte, und betrachte die heutige Zeit, die da iſt das Product einer beinahe zweitauſendjährigen Thätigkeit der Hierarchie. Ein ſündiger Menſch wird Gott gleichgeſetzt und göttlich verehrt. Einem Weſen, mit allen menſchlichen Schwä⸗ chen und Leidenſchaften begabt, wird das Recht zu⸗ geſprochen, ſeine individuelle Meinung über die höchſten Geſetze der Menſchheit, über Recht und Sitte zu ſetzen.

Dadurch iſt jenen unwandelbaren Geſetzen der Boden entzogen, auch wenn die Hierarchie in ihren Dispenſationen nicht öffentlichen Handel mit der Um⸗ gehung der Geſetze triebe, auch wenn die leichte Sündenvergebung nicht die Wirkſamkeit der Moral⸗ geſetze aufhöbe. Daher kommen denn dieſe alle gött⸗ liche und menſchliche Ordnung auflöſenden Wider⸗ ſprüche, daß ein Menſch ein ſchwerer Verbrecher im Sinne der Juſtiz und Moral, und dennoch ein Hei⸗

verabſcheuungswürdiges Scheuſal ſein kann und den⸗ noch von der gläubigen Menſchheit der Gottheit gleich verehrt werden muß.

Sie erſehen ſehr leicht aus dieſer wörtlichen Mit theilung, daß der hier angeſchlagene Ton viele Schär⸗

fen und etwas Aufreizendes hat, das den Anders⸗ denkenden weniger verletzen würde, wenn es in der Anführung rein wiſſenſchaftlicher Facta beſtünde und ſich alſo genau an unleugbare Thatſachen anlehnte. Subjective Meinungen und perſönliche Raiſonnements behalten in ſo ernſten Weltfragen immer den Anſtrich der Willkür und haben nicht die Möglichkeit, der Sache auf den Grund zu gehen.

Der Verfaſſer wollte offenbar eine günſtige Ge gen wirkung gegen manche von ihm verurtheilte kleri

kale Zuſtände ausüben und auch auf Deutſchland einen lehrreichen Reflex werfen, indem er von Italien

ſprach. Um dabei ein größeres Leſerpubliuem heran

Novellen⸗Zeitung.

zuziehen, welches ſich bekanntlich um fachwiſſenſchaft⸗ liche Forſchungen und Streitigkeiten niemals bekümmert, wob er ein novelliſtiſches Netz als beliebteſte Lockung der Menge um ſein Kriterium; aber er ging dabei zu ſehr in die Malerei zerriſſener romantiſcher Tab⸗ leaux und abenteuerlicher Dämmerungen über, und indem er oft durch einſeitige Auffaſſungen über das Ziel ſchoß, beachtete er die Wahrheit nicht, daß das große Publicum am wenigſten gern mit ätzenden Ausſprüchen etwas zu thun hat. Ueberhaupt enthält aller Streit über Glaubensſachen und Formen ſtets etwas Gehäſ⸗ ſiges, das wir ein für alle Mal aus unſerm Blatte ausgeſchloſſen und nur darum in dieſem beſondern Fall erwähnt haben, um zu beleuchten, wie es ſelbſt im Gebiete des Novelliſtiſchen höchſt bedenklich bleibt.

Daß man ſich mit der ſchonungsloſen Manier, den innern Sinn ſo vieler Menſchen zu verwunden, nicht einverſtanden erklären kann, verſteht ſich ebenſo⸗ wohl von ſelbſt, als die Ueberzeugung von der auf

richtigen Abſicht des Verfaſſers. Uebrigens wird dies liger im Sinne der Hierarchie, daß ein Menſch ein

Werk ziemlich viel Aufſehen erregen, wie jeder un gleiche Streit, denn der Gegner, gegen welchen es kämpft, iſt wie bei Don Quixote auch keineswegs ein Drache, ſondern gleichfalls eine ihr Korn mahlende Windmühle, nur mit dem Unterſchiede, daß ſie auf allen vier Seiten Flügel hat und den Wind von allen vier Seiten zugleich empfängt. Es dürfte für

den Einzelnen mißlich ſein, eine ſolche wehrhafte Er⸗

ſcheinung ſelbſt von hinten anrennen zu wollen. Neben all jenen Erörterungen über das Haupt⸗ thema enthält dieſe arabiſche Luſtreiſe im Occident auch manche hübſche und harmloſere Satiren über andere geſellſchaftliche Einrichtungen, die dem engli⸗ ſchen Humor mit Glück nachgebildet ſind. Wir werden in Bezug darauf Gelegenheit nehmen, aus den umfangreichen Bänden demnächſt eine kleine ſcherz⸗ hafte Epiſode mitzutheilen, die unter dem Namen

einer Dorfgeſchichte in heiter carikirter Form die

deutſche Weitſchweiſigkeit perfſiflirt.

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Aus dem indianiſchen Familienleben.

Wir haben in dieſen Blättern oft tadelnd über die Schönmalerei geſprochen, welche von den modernen Roman⸗ ſchriftſtellern in Bezug auf die indianiſchen Zuſtände bis zum Lächerlichen hin angewandt wird. Doch um gerecht zu ſein,

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Feuillelon.

wollen wir hier nach Zimmermann's Vorlagen die Schilde⸗ rung ſolcher amerikaniſcher Eingebornen folgen laſſen, die noch zu den wenigen von der Cultur unberührten und unver⸗ dorbenen Stämmen gehören und an der Grenze von Neu⸗ Californien leben.

Dieſe Indianerſtämme ſtehen ſämmtlich in Fehde unter

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