Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
200
Einzelbild herunterladen

200

Jakob Grimm.

Erinnerungen aus ſeinem Jugendleben, erzählt von Dr. Paul Wigand

Wenige Jahre ſind verfloſſen, ſeit das Schickſal dem edlen Jakob Grimm ſeinen geliebten Bruder Wilhelm, den treuſten Freund und Mitſtrebenden, den ſteten Begleiter und Gehülfen in allem Streben und Wirken auf der langen Lebensbahn, durch den uner⸗ bittlichen Tod dahin nahm. Der Brief, in dem er mir ſofort dieſen Verluſt meldete, war mit männlicher Ruhe, mit würdevoller Haltung geſchrieben, verhehlte aber auch nicht den tiefen Schmerz über den Verluſt eines geliebten Bruders, der ſein innigſter Freund geweſen, mit dem ſein Leben ſo ganz zuſammenge wachſen war.

Ach, nun iſt auch Er dahin, mitten aus dem Kreis ſeiner Studien, ſeiner nie raſtenden Thätigkeit durch den unerbittlichen Tod herausgeriſſen! Tief ſchmerzte mich dieſe trübe Kunde, denn er war mir ſtets ein lieber Freund geweſen. Beide Brüder waren in frü heſter Zeit meine Spielcameraden, dann meine herz⸗ lichen Jugendfreunde, und ich bin nun wohl einer der Letzten, die aus unſerer Schul⸗ und Univerſitätszeit noch leben. Wir aber blieben Freunde durchs ganze Leben, und eine große Briefſammlung giebt mir Be⸗ weiſe ihrer Liebe, iſt mir ein theures Denkmal ihrer geiſtigen Thätigkeit, ihres ſteten Fortſchreitens und ihres trefflichen Charakters.

Ich will nun dem künftigen Biographen ſo aus⸗ gezeichneter Männer in dieſen Blättern Einiges von ihrer früheren Jugendgeſchichte mittheilen, wozu meine Tagebücher und einige biographiſche Aufzeichnungen mir vielen Stoff bieten. Auch was ich als Freund und Genoſſe miterlebte, habe ich treu in meinem Her⸗ zen bewahrt. Die Erinnerung an unſer Jugendleben, unſer ganzes langes Leben in immer gleicher Liebe und Treue, begleitet mich noch ferner, gewährt mir Troſt und Beruhigung und mildert meinen Schmerz zu ſanfter Rührung.

Es war im Jahre 1800, als ich von meinem dem Schreiberhandwerk gewidmeten liebſten Schul⸗ cameraden, dem theuern Georg, mit dem ich täglich in Spiel und Beſchäftigung zuſammen war, auf einige Zeit getrennt wurde. Ich leſe aber in meinem Tage⸗ buche:Indem ich nun den Umgang mit meinem Georg ſo ſehr vermißte, führte mir das Glück zwei andere liebe, ſtets heitere Cameraden zu, die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm. Ich lernte ſie zu⸗ erſt in der Schule kennen und fand ſie vorzugsweiſe

Novellen⸗Zeitung.

fleißig und wißbegierig. Sie beſchäftigten ſich aber auch, gerade wie ich, mit allerlei Nebendingen, hatten auch einen Sammler- und Ordnungsgeiſt, zeichneten höchſt ſauber, und wir fanden eine Menge Beziehun⸗ gen, die uns aneinander ſchloſſen und zu gemeinſa⸗ mer Thätigkeit anſpornten. Anfangs lief noch Spiel, Poſſe, ausgelaſſene Luſtigkeit, wie bei allen geſunden Knaben, mit unter. Der Jakob kämpfte tapfer mit ſeinem gelben Pennal, wenn es galt, in der Schul⸗ ſtube eine große Tafel als Feſtung zu vertheidigen. Wißbegierde und Thätigkeitstrieb führte auch zu manchen Nebendingen, ſelbſt in den oft langweiligen Schulſtunden. So ſchickten wir uns gereimte Worte zu und machten daraus tolle Verſe, deren ich noch von Jakob's und meiner Hand mehrere beſitze. Wir gingen auch auf Entdeckungen in der Stadt und Um⸗ gegend aus, und Jakob rief mir zuweilen ſcherzend zu:Ich habe wieder eine neue Straße entdeckt. Es war die enge, abgelegene Gaſſe der Altſtadt, in die wir niemals gekommen waren.

Neulich las ich in Lichtenberg's Schriften fol⸗ gende Bemerkung:Es macht allemal einen ſonder⸗ baren Eindruck auf mich, wenn ich einen großen Ge⸗ lehrten oder ſonſt wichtigen Mann ſehe, dabei zu denken, daß doch einmal eine Zeit war, da er den Maikäfern ein Liedchen ſang, um ſie zum Auffliegen zu ermuntern. Da fiel mir nun das Bild des gelehrten tiefſinnigen Jakob ein, wenn er an einem freien Nachmittag im größten Eifer mit einer langen Stange und Flornetz herangeeilt kam, um mich zum Schmetterlingsfang abzuholen. Natürlich fehlte dabei auch Wilhelm nicht.

Am meiſten vereinte uns mein im Hinterhauſe gelegenes Stübchen, mit der ſchönſten Ausſicht auf üppige Gärten und duftende Blumenbeete. Dies Stübchen war für Knabenaugen zauberhaft ausge⸗ ſchmückt. Rundumher waren die Wände voll Bilder und Zeichnungen, auch Bücher, die ich ſelbſt mit buntfarbigem Papier friſch überzogen hatte; auf den Tiſchen nichts als Merkwürdigkeiten, ein kleines von mir gefertigtes Theater, ein Zauberer, den ich aus Gütler's Zaubermechanik entlehnt hatte, zierliche Käſtchen und Körbchen und viele Arbeiten meiner Hand aus Pappe, meine Naturalien⸗Sammlungen und andere mit vieler Mühe zuſammengebrachte Denk⸗ würdigkeiten. Da wurde betrachtet, was ich wieder gefertigt, auch wohl mit Luſt geholfen und mitgear⸗ beitet, beſonders durch Wilhelm, der mit ſeinem ge⸗ wandten Pinſel meine Malereien verbeſſerte.

Dieſes Stübchen lebte noch in Jakob's Erinne⸗ rung in ſeinem hohen Alter; denn wie er mich in einem ſeiner neueren Briefe(ohne Datum) zum fer⸗

nern A. tende g fügte⸗ 1 liche Ab ſblelſter ealke= ellbar f wo ich Großve Stube mehrer

ben zeit, Vater Brief Mitte Vaterla Jeßt, d verdunk fr ſeir W

des Ly⸗ unſerer waren Feld zog un Leſewu hand! aber I wir u kein tung. unter! und d bald Büche meine ich der Felſen dere 9 mit de nach u modern Vſewu Lhint

ſere

ſo w

Büch

wahl

wir

zu a.